„Der geheime Garten“ von Frances Hodgson Burnett – Endlich ein

Einen sommerlichen, Eis genießenden, im Schatten verbringenden Donnerstag wünsch ich euch,

mein neues zu Hause bleibt zwar nicht so kühl wie das Alte, aber Schweißausbrüche gibt es schon mal keine. Dafür bin ich ziemlich dankbar. Diego hat zwischenzeitlich auch die kühlen Fliesen des Bads zu schätzen gelernt… Manchmal würde ich mich gern daneben legen, nur so viel Platz ist im Bad leider nicht vorhanden. Bevor ich mich zur Spätschicht aufmache, möchte ich euch unbedingt das aktuelle Buch der #readingclassics – Lesetruppe vorstellen. Die Rezension fällt heute ein bisschen anders aus als sonst, einfach weil mir danach ist. Ich hoffe, ihr kommt damit zurecht.

Frische Luft, Liebe und Selbsterkenntnis können ganze Leben verändern

Inhalt:

Mary Lennox ist mit ihren 9 Jahren ein wahrhaft kaltherziger, verwöhnter Trotzkopf, den niemand gern hat, nicht mal die eigenen Eltern. Sie wuchs in reichen Verhältnissen in Indien auf und kennt es nicht anders als alles zu bekommen, was sie will. Jedoch ändert sich das schlagartig, denn ihre Eltern sterben an der Choleraepidemie. Ihr einziger Verwandter ist ein Onkel, der sein trauriges Dasein auf einen Anwesen in England fristet. Dort angekommen, merkt Mary, dass Landschaft, Menschen und Kultur sich nicht nach ihren Wünschen richteen. Zu Beginn noch miesepetrig, taut Mary jedoch auf und fängt an, sowohl dem Geheimnis eines verschlossenen Gartens als auch der geisterhaften nächtlichen Geräusche auf dem Grund zu gehen…

Meine gelesene Ausgabe:

Ich habe mir für diese Runde wieder die illustrierte Schmuck- bzw. Hardcoverausgabe aus dem Knesebeckverlag bestellt. Mir gefiel die Aufmachung bereits bei Peter Pan und so kann ich vielleicht eine kleine Sammlung anfangen, wer weiß. Der Illustrator Robert Ingpen zeichnet seine Bilder in einem Portraitstil, der an vergangene Zeiten erinnert und doch ins Detail geht. Ich finde, er verleiht durch Schattierungen und der Differenzierung in Mimik und Gestik den Bildern etwas sehr Lebendiges. Im übrigen weist das Buch diverse Pflanzenzeichnungen mit deren Namen im historischen Stil zu jedem Kapitelbeginn auf – das ist wunderschön.

Die Autorin:

Schande über mein Haupt, ich dachte zunächst, dass Frances ein Mann sei und musste über mich selbst lachen als mir bewusst wurde, dass es eine Frau ist. Die Hände schlug ich dann ins Gesicht, nachdem ich im Vorwort des Buches erfuhr, welche absolut bekannten Geschichten durch ihre Feder entstanden sind: Der kleine Lord und Sara, die kleine Prinzessin. Wer kennt die Verfilmungen nicht, insbesondere zur Weihnachtszeit – ein Stück Kultur. Frances Hodgons Burnett lebte in den USA und Frankreich, schrieb unter anderen einige Geschichten für Zeitschriften. „Der geheime Garten“ wurde erstmals 1911 veröffentlicht (Infos aus dem Vorwort der Knesebeck-Ausgabe).

Ihr Appell:

Thematisch bewegen sich ihre Geschichten im Aufzeigen der Kluft zwischen Arbeiterklasse und dem Adel bzw. den Reichen. Sie appelliert an die Menschlichkeit, das Geld den Charakter nicht aufwertet und dass man Unterdrückung nicht gutheißen kann. Wir alle wissen, dass wir hier von einem zeitlosen Thema sprechen und sich das heute mindestens ähnlich verhält. Allerdings finde ich ihre drastische Art und Weise „gehobenes“ Verhalten darzustellen einen Touch zu viel. Vielleicht ist die Übertreibung einfach als Verdeutlichung gemeint, wer weiß. Oder es gab zu ihrer Zeit tatsächlich keine Grenzen. Ich kann nur irgendwie nicht glauben, dass alle aus der Arbeiterklasse so nett waren und alle Adligen solche Monster.

Der Schreibstil:

I´m very in love with the style! Märchenhaft, romantisch, bildlich, detailreich, einnehmend, poetisch… Einfach beautiful. Ich habe jede Zeile genossen. Die Übersetzung wirkt galant und anschaulich, bis auf die Umsetzung des yorkshire Dialekts, der der Protagonistin Mary auf dem Anwesen Misselthwaite Manor begegnet. Die bürgerliche Aussprache hat mich an meinen eigenen sächsischen Dialekt erinnert. Es war so witzig. Ihr seht also, der Humor ist nicht flöten gegangen. Die Erzählperspektive ist so gewählt, dass sie einen allwissenden Eindruck vermittelt, aber nicht alles preisgibt, so bleibt der ein oder andere Überraschungseffekt erhalten.

Die Story:

Es lag ein Zauber in der Luft, seit Mary den Fuß ins Moor, die Heide und die Gärten gesetzt hat. Vom Stubenhocker zum Abenteurer lautete die Devise. Ich mochte Mary zu Beginn nicht. Wie kann man sich mit 9 Jahren so bösartig gegenüber Menschen verhalten, die es nur gut mit ihr meinen? Doch einmal darüber nachgedacht: Was hatte sie vorher? Niemanden, der sie liebte, sie hat nie etwas unternommen und diejenigen, die sich um sie kümmerten machten es nur, weil sie bezahlt wurden. Das rief Mitleid in mir hervor, daher freute ich mich umso mehr als sie im Verlauf der Geschichte Stück für Stück eine glaubhafte Veränderung zeigte. Natürlich begleite ich ebenso die Entwicklung der anderen Kinder, dem äußerst sympathischen Dickon und dem nervtötenden Colin. Ja, ich habe ab und an die Augen verleiert. Das tat dem Plot trotzdem keinen Abbruch. Ich lernte die Bewohner von Misselthwaite Manor und Umgebung kennen, deren Geheimnisse und Geschichten, beobachtete mit den Kindern wie Jahreszeiten die Natur beeinflussten und hätte mich gern selbst in die Gartenarbeit gestürzt. Es steckt so viel Gefühl darin, das glaubt ihr gar nicht. Tja, und mit dem Ende war ich äußerst zufrieden.

Fazit:

Wer Kinder im Grundschulalter hat, sollte ihnen aus „Der geheime Garten“ vorlesen. Nicht nur des Klassikers wegen, sondern weil es Emotionen und Bilder in einen weckt, zum Nachdenken anregt und Spaß macht.

5 von 5 Pfoten

Kennt ihr die Klassiker von Frances Hodgson Burnett?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

2 Kommentare

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