„Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ von R.L. Stevenson – So wenige Seiten und doch so gut

Einen wunderschönen guten Abend liebste Buchgemeinde,

ich wollte mich, wie so oft, schon viel eher diesem Post widmen. Doch irgendwas ist ja immer, besonders jetzt zur Weihnachtszeit. Das Schöne ist, mich stört das nicht, im Gegenteil, ich genieße das total in vielerlei Hinsicht.

Um mir aber noch ein wenig mehr Zeit zu gönnen, werde ich eine kleine Weihnachtsblogpause machen. Neue Beiträge gibt es daher erst nach den Weihnachtsfeiertagen. Dafür trefft ihr mich bestimmt gelegentlich auf Twitter und Instagram. Natürlich vergesse ich nicht, mich um #Postkartenliebe zu kümmern (wer noch teilnehmen möchte, kann sich hier , bis einschließlich 15.12.2019, anmelden).

So, und nun zur ursprünglichen Idee dieses Beitrages. In der schon so oft erwähnten #readingclassics – Lesegruppe wurde im Oktober und November „Der seltsame Fall des Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ gelesen. Da ich bei den Klassikern gern unkonventionell rezensiere, mache ich das auch hier:

6 Punkte machten die Story zum Überraschungsei mit Spannung, Dramatik und Düsternis

  1. Trotz des über die Maßen bekannten Twists blieb mir der Plot nichts schuldig. Stevenson nutzte verschiedene Elemente, um die Geschichte zu erzählen, beispielsweise die des Briefromans
  2. Oder die Erzählweise einer fremden Perspektive, sprich nicht aus Jekyll oder Hydes Sicht, sondern aus der personalen Perspektive Mr. Utterson, Jekylls Freund und Anwalt.
  3. Die deutsche Übersetzung füllt gerade mal über 100 Seiten! Ich bin fasziniert davon, wie so eine dramatische Geschichte auf so wenigen Seiten seinen Platz findet und ich trotzdem das Gefühl habe, dass es genau gepasst hat.
  4. Das viktorianische London hielt meinen Atem an. Der Autor besann sich komplett auf ein eher neblig, schummriges Setting, bei dem nur ein warmer Kamin und ein Glas Wein für Gemütlichkeit sprachen.
  5. Ich habe die absolut elegante und höfliche Wortwahl genossen, in der die Geschichte geschrieben und die Dialoge geführt wurden. Es spiegelt zudem ziemlich gut wider, um welch reiches Klientel es im Eigentlichen geht.
  6. R.L. Stevenson kritisierte mit Jekylls persönlichen Problem sich nicht ausleben zu können die damalige Gesellschaft und den Druck, der mit einem hohen Ansehen einher geht.

Was wäre, wenn …

…ich den Krux/Twist/Effekt von Jekyll und Hyde nicht gekannt hätte?

Gute Frage, aber aufgrund diverser Indizien wäre ich doch schon vor dem brisanten Ende auf die richtige Lösung gekommen. Schließlich folgte ich Mr. Utterson, der herauszufinden versucht, was Mr. Hyde und Dr. Jekyll verbindet, die doch gegensätzlicher nicht sein können.

…mir Mr. Hyde auf der Straße begegnen würde?

Ich wechsle definitiv die Straßenseite. Im Buch wird dieser Mensch entweder als „widerwärtig“ oder als „sonderbar“ bezeichnet. Beide Begriffe erscheinen mir zu freundlich. Hyde ist grausam, brutal und egoistisch, aber auch leidenschaftlich, freiheitsliebend und exzentrisch. Im Endeffekt ist er das Böse in Person, nur bin ich kein Freund davon, immer nur eine Seite zu beleuchten.

…mir Dr. Jekyll sein dunkelstes Geheimnis anvertrauen würde?

Vielleicht wäre mein Unglaube zu groß, um die Informationen zu verdauen, die mir der kluge, hoch angesehene Jekyll mitteilen würde. Andererseits suche ich immer nach einer realistischen, wirklich möglichen Erklärung. Doch hier ist das Geheimnis ein oder zwei Hausnummern zu groß. Ich würde ihm nahe legen sich professionelle Hilfe zu holen. So ein vertrauter Freund wie Mr. Utterson, der sich sogar um Jekylls Testament kümmerte, wäre ich gewiss nicht.

…mir ein weiteres Buch von R.L. Stevenson in die Hände fallen würde, welches wäre es?

Ich weiß nicht, ob ihr es wusstet, aber Stevenson ist ebenso Autor der Schatzinsel. Ho ho ho und eine Bulle voll Rum! Spaß beiseite, das Buch wäre ein heißer Kandidat. Zum einen, habe ich es noch nicht gelesen, zum anderen, verbinde ich damit immer ein Piratenabenteuer für Kinder… Und so viel ich inzwischen weiß, ist es das ganz und gar nicht (ebenso wenig wie Peter Pan, aber das ist eine andere Geschichte).

Fazit:

Kurzweilig, nicht nur aufgrund der Seitenanzahl. Facettenreich erzählt mit den unterschiedlichsten Charaktereigenschaften, die auf Menschen zutreffen können. Ein bisschen Horror, Drama und die bodenständige Variante von Sherlock Holmes.

5 von 5 Pfoten

Welcher Klassiker aus dem 19. Jahrhundert ist euer Favorit?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

3 Kommentare

  1. Hallo Tina,
    deine andere Art der Rezension gefällt mir ausgesprochen gut. 🙂
    Zum Buch muss ich sagen, dass mir Dr. Jekyll und Mr. Hyde nicht so gefallen hatte, als ich es vor Jahren mal gelesen habe. Aber vielleicht lag das an der Übersetzung, ich weiß es nicht. Auf jeden Fall gebe ich Stevenson nochmal eine Chance und nehme mir für nächstes Jahr Die Schatzinsel vor. Vielleicht liegt mir das Buch mehr. 🙂
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebe Diana,

      danke dir. Bei den Klassikern mag ich es manchmal, das Ganze anders zu verpacken, weil man die Bücher ja doch irgendwoher kennt.
      Ich bin gespannt, was du zur Schatzinsel sagst. Das Buch habe ich noch nicht gelsen.

      Liebe Grüße
      Tina

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