„Mika und der Wächter des Lichts“ von Lucy Haien – Ein skurriles Geisterabenteuer

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Hey bookish People,

es ist Sonntagabend. Ich sitze gerade an der Blogarbeit und tippe Beiträge vor mich hin. Gefühlt dauert es mal wieder ewig bis so ein Beitrag steht, aber ich sehe Fortschritte. Das muss reichen. Wie lief euer Wochenende? Entspannt? Hektisch? Ich kann mich nicht beklagen, weil ich ein 3-Tage-Wochenende hatte und dementsprechend Zeit. Zumindest bis sie dahin flog und nichts mehr davon übrig war…

So, kommen wir einmal zum Grund des Beitrages, einer Rezension. Vor einige Zeit hat mich eine sehr liebe Anfrage der Sel-Publisherin Lucy Haien erreicht. Es ist eine der wenigen Anfragen gewesen, bei der man merkt, dass sich mit meinem Blog wirklich auseinandergesetzt wurde. Das hat mich ziemlich gefreut, zudem war es ein sympathischer Mailaustausch mit ihr. Sie bot mir ein Rezensionsexemplar Ihres Kinderbuches an und ich nahm an. Vielen Dank dafür.

So viele Ideen, aber zu wenig Seiten

Allgemein:

„Mika und der Wächter des Lichts“ ist ein Kinderbuch der Autorin Lucy Haien und erschien 2018 bei BoD. Innerhalb der Geschichte lernt der Leser den zehnjährigen Mika Aman kennen, der mit seinem besten Freund Tom am liebsten mit Glasmurmeln spielt. Zumindest bis ein widerlicher Gestank bei Mika zu Hause auftritt. Dem Gestank ist schnell auf den Grund gegangen, denn er stammt von einem wahrhaftigen Geist mit dem Namen Greg. Doch was will Greg im Haus der Amans? Wieso wirkt er so traurig? Die Jungs wollen ihm helfen und erleben das Abenteuer ihres Lebens.

Mein Bild:

Ich gebe zu, das Cover ist für ein Kinderbuch nicht wirklich ansprechend gestaltet und der Klappentext ließ mich nicht erraten, dass es sich um eine Geistergeschichte handelte. „Ein übelriechender Schatten, der sein Unwesen treibt“ kann schließlich alles Mögliche sein, vom Dieb bis zum Tier.

Ich muss dazu sagen, dass das Buch gerade einmal 144 Seiten aufweist. Bei mir auf dem E-Reader beschränkte es sich dann leider nur noch auf 63 Seiten. Bei einem Kinderbuch ist das an sich kein Problem, aber wenn man versucht viel Inhalt in so wenig Seiten zu packen, kann es sein, dass Fragen offen bleiben bzw. dass es oberflächlich und unrealistisch wirkt. Und genau das war mein Problem. Ich stellte mir bereits die fragenden Kinderaugen zur Figur des Geistes Greg vor: „Tina, warum kann er dies und jenes nicht? Tina, warum hat er ausgerechnet dort und dort gelebt? Tina, warum verhalten sich die Geister so anders als andere Geister in Büchern?“

Lucy Haien hat nicht die durchsichtigen „Standardgeister“ gewählt, die auf Erden ihren unerledigten Aufgaben nachgehen oder einfach nur spuken müssen. Sie hat ein besonderes Geisterleben inszeniert, so dass diese Wesen mehr zeigen als nur ihre gruselige Seite. Die Idee fand ich super, aber gerade wenn man vom Standard abweicht, braucht es Erklärungen und die werden meines Erachtens nicht ausreichend geliefert.

Drollig und erfrischend hingegen empfand ich das Familienleben der Amans. Mikas liebevolle und gerechte Eltern, seine jüngere, fröhliche Schwester und der ganz normale Alltag brachten mich zum Lächeln.

Das Gegenteil scheint Toms Familienleben zu sein. Er hat viel durchgemacht und neigt deshalb innerhalb der Geschichte zu dominanten Kurzschlussreaktionen. Ich bewundere den Mut, den er im Gegensatz zu Mika aufbringt, allerdings trägt es keine Konsequenzen, obwohl er sich teilweise falsch verhält. Wo ist der moralische Aspekt? Mich wunderte auch, dass die Beiden seit dem Kindergarten die besten Freunde sind, aber Mika Toms familiäre Verhältnisse nicht kennt.

Neben der Geisterbegegnung, Mikas und Toms Freundschaft, sowie einigen komischen Zwischenfällen in der Stadt, kommt noch eine Liebesgeschichte hinzu. Und hier folgt mein härtester Kritikpunkt: Bei einer Geschichte für Kinder ab 8 Jahren haben Anzüglichkeiten und Gewalt zwischen einem weiblichen und männlichen Lebewesen (Geist hin oder her) nichts zu suchen und niemand hätte eine Dreiecksbeziehung erwartet. Es war zu viel des Guten. Sollte es an sich nicht um den Titel gebenden „Wächter des Lichts“ gehen? Leider kam er erst im letzten Drittel zu Wort bzw. überhaupt vor.

Ich habe länger für das Buch gebraucht als gedacht. Zum einen wegen der vollen Storyline, zum anderen wegen der sprachlichen Mittel und Grammatik. Die Erzählperspektive sticht für mich zudem nicht durchgehend hervor. Am Anfang war mir klar, dass es durch Mikas personale Perspektive beschrieben ist. Ergänzt durch den niedlichen Touch seiner Gedanken in Ich-Perspektive, die mir den Zehnjährigen näher brachten. Leider ließ das ziemlich schnell nach und der Erzähler verlor nach und nach an Tiefe bis ich überlegte, ob sich die Perspektive vielleicht sogar geändert hat. Das fand ich schade. Meine Empfehlung gilt hier definitiv einem erneuten Lektorat. Ich erhoffe mir dadurch, dass der Grundidee und Dynamik damit ein Feinschliff verpasst wird.

Der dramatische Höhepunkt wurde mit dem (endlich) erscheinenden „Wächter des Lichts“ und einem wichtigen, kleinen Gegenstand eingeleitet. Allerdings bleibt es ein Geheimnis, was es mit diesem Gegenstand auf sich hat und ich habe keine Ahnung, warum es mir nicht enthüllt wurde. Mir blieb dafür ein zuckersüßes Ende mit kleinen Botschaften im Bezug auf Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt. „Mika und der Wächter des Lichts“ lässt mich daher mit gemischten Gefühlen zurück.

Fazit:

Die Geschichte ist wie das Auf und Ab in einer Geisterbahn. Eine gute Idee, aber Kinder sollten definitiv älter als 8 Jahre sein, bevor sie das Buch lesen.

3 von 5 Pfoten

Welche Selpublish-Bücher habt ihr schon gelesen? Welche könnt ihr als euren Geheimtipp empfehlen?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

*Das Buch wurde mir kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Das beeinflusste meine Meinung jedoch nicht.


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