Eine etwas andere Rezension zu „Peter Pan“ von J.M. Barrie – Wie Filme das Bild der Geschichte verschleiern

Hallöchen meine Lieben,

vor einiger Zeit gründete die liebe Mareike von „Reading Penguin“ einen Buchclub zum Thema „Reading Classics“. Ziel ist es, aller 2 Monate einen unter den Mitgliedern ausgelosten Klassiker zu lesen und zu besprechen. Die 1. Wahl fiel auf Peter Pan, was mir sehr entgegen kam. Denn Kinderbücher sind bei den Klassikern doch noch einfacher zu lesen als manch andere Bücher… Wer sich dafür interessiert, für welche illustrierte Fassung ich mich entschieden habe, sollte einmal hier nachsehen.

Es hieß also auf nach Nimmerland! Doch nachdem ich kurze Zeit in das Buch versunken war, fiel mir auf, dass Filme wie „Hook“ oder die Zeichentrickvariante von Disney ein sehr viel lieblicheres Licht auf die Geschichte warfen als gedacht. Ja, ich weiß, so ist es doch immer. Nur jetzt habe ich durch das Original definitiv Wissenslücken geschlossen. Für euch habe ich ein paar Punkte zusammen gesammelt, die sich vor dem Buch meiner Kenntnis entzogen (Achtung Spoilergefahr!  Zur Kurzrezension geht es weiter unten):

  1. Peter ist ein Meuchelmörder

Für mich stand die Hauptperson immer für Spaß, Freude und Abenteuerlust, doch das wurde ergänzt durch Arroganz, Naivität und Skrupellosigkeit. Innerhalb der Geschichte wird gemordet und das nicht zu wenig.

  1. Kapitän Hook nennt sich selbst „Jas“

„Jas“, so eine Art Kosename oder weil es ihm einfach nur besser gefällt als „James“? So richtig habe ich das nicht herausgelesen. Das Hook allerdings privilegiert aufgewachsen war, habe ich mir anhand seines Benehmens schon immer gedacht.

  1. Es gibt nur 6 verlorenen Jungen und die haben Angst vor Peter Pan

Irgendwie dachte ich, es wäre eine ganze Horde. Jedoch bestehen die verloren Jungs „nur“ aus den Zwillingen, Tootles, Slyghtly, Curly und Nibs. Sehr unterschiedliche Charaktere, obwohl kaum einer wirklich mal im Mittelpunkt steht. Erstaunt nahm ich allerdings wahr, wie viel Angst die Jungs vor Peter und seinen Strafen hatten. Sie taten wirklich alles für ihn, jedoch nicht aus Freundschaft. Zumindest meines Erachtens.

  1. Der Flug nach Nimmerland dauert mehrere Tage

Von wegen „die Zweite rechts, dann geradeaus bis zum Morgen.“ – Der Flug machte den Kindern wirklich zu schaffen. Tagelang flogen sie über das Meer. Schlafen und essen so gut wie unmöglich, die Anstrengung steckte spürbar in ihren Knochen. Auf jeden Fall ist das realistisch beschrieben.

  1. Peter besucht nach Wendy nicht nur deren Tochter, sondern sogar die Enkeltochter

Die Rede ist von Jane und Margaret. Peter trieb es mit den Besuchen und Abholen also noch Jahrzehnte. Von wegen, er verliebt sich und bleibt. Nein, nein, so ist es nicht, denn Peter Pan braucht immer eine Mutter in Nimmerland.

  1. Barrie beschreibt die Kinder sogar als herzlos

Der Autor zeigt seine raue Seite gegenüber Kindern. Nicht, weil er keine Kinder mochte, nein, sondern weil sie so unwissend, unschuldig und naiv waren. Kinder lernen doch erst durch die Erwachsenen, was richtig oder falsch sein könnte. Bis dahin machen sie alles, was ihnen Spaß macht, egal wie grausam oder intolerant das manchmal wirkt.

  1. Mr. Darling, der Pfennigfuchser

Der Vater von Wendy, John und Michael fand es gar nicht witzig drei Kinder zu haben. Denn für ihn entstanden dadurch mehr Kosten, selbst eventuell vorkommende Krankheiten wurden in Pfund, Guinee und Schilling gerechnet.

Na, Überraschung gelungen? Oder kanntet ihr die Fakten bereits? Jedenfalls ist das der Punkt, an dem es sich lohnt Klassiker zu lesen. Allerdings habe ich mich dagegen entschieden eine ausführliche Rezension zu schreiben, schon allein, weil jeder grob die Handlung kennt und da die Würze in der Kürze liegt, gibt es eine Kurzrezension von mir:

Fantasie wird Wirklichkeit. Wirklichkeit wird Fantasie

J.M. Barrie schuf mit Peter Pan eine Geschichte für die Ewigkeit. Musik, Theaterstücke und Filme sind inspiriert von um den Big Ben fliegenden Kindern, einem tickenden Krokodil oder leuchtenden, kleinen Feen. Ebenso einzigartig ist der Erzählstil, den Barrie anwandte. Es kam mir vor als würde ich die Handlung zusammen mit dem Erzähler gestalten, als wäre noch alles bis zu einem Punkt offen oder es bleibt einfach unerzählt, weil man sich für ein anderes Abenteuer entscheidet. Der Erzähler spricht mit seinen Lesern, fordert sie auf, sagte seine Meinung und machte Witze. Ich hatte durchweg Spaß. Die Charaktere sind inspiriert von Historie und anderen Abenteuergeschichten. Manchmal rollte ich trotzdem mit den Augen und versuchte mir danach wiederum klar zu machen, dass manch unüberlegtes, naives Verhalten natürlich ist. Woher sollten die Kinder es besser wissen? Sie wollen für immer Kind sein, imitieren im Endeffekt nur Erwachsenenverhalten. Ich hätte es in dieser Welt, wie sie nur Kinderaugen ausmalen können, ebenso gemacht. Für manchen Leser sind die teils mörderischen Handlungen sicherlich schockierend und ich rate davon ab, Kindern unter 8 bis 10 Jahren das Buch zu geben. Dafür empfehle ich es jedem Erwachsenen, der dem dem Alltag entkommen will, sich mit Feenstaub berieseln zu lassen.

5 von 5 Pfoten

Liebe Grüße Tina (& Diego)

8 thoughts on “Eine etwas andere Rezension zu „Peter Pan“ von J.M. Barrie – Wie Filme das Bild der Geschichte verschleiern”

  1. Hi Tina 🙂
    das ist mal eine coole Rezension, die ich sehr gut nachvollziehen kann. Genauso ging es mir nämlich auch. Peter Pan war mein erster Disney-Crush und jetzt weiß ich gar nicht so richtig, was ich denken soll. Durch das Buch ist er mir plötzlich irgendwie eher unsympathisch geworden… Und niemals würde ich das Buch kleineren Kindern geben. Wobei, was in Grimmschen Märchen passiert ist ja auch nicht besser.
    Wie dem auch sei. Ich bin völlig mit dir einer Meinung, was das Buch angeht.
    Liebe Grüße
    Katja

    1. Hey Katja,

      dankeschön! freut mich, dass wir einer Meinung sind.
      Es kommen sicherlich noch andere Geschichten dazu, die mein Bild erneut zurecht rücken.
      Die Gebrüder Grimm sind natürlich auch so ein Ding. Dahingehend sind die Varianten und Erscheinungen ja noch unterschiedlicher…

      Liebe Grüße
      Tina

  2. Hallo Tina,

    ich kannte die dunklen Hintergründe von Peter Pan tatsächlich schon. Kennst du Der Kinderdieb von Brom? Dort wird die Geschichte noch weiter in die Dunkelheit gezogen, das ist teilweise extrem gruselig.

    Liebe Grüße,
    Lena

    1. Liebe Lena,
      Schande über mein Haupt, ich habe viel zu wenig Klassiker in jeglichen Sinne gelesen. Dazu gehört auch „Der Kinderdieb von Brom“… Ich habe noch einiges aufzuholen, egal wie düster es ist

      Liebe Grüße
      Tina

  3. Ich habe das Buch auch gelesen und kannte vorher nur den Disney Film, sodass ich wirklich schockiert war. Bei einigen Aspekten war ich wirklich fassungslos, weil ich es als Kinderbuch im Kopf hatte und es so eindeutig keinem Kind zum Lesen geben würde. Gut fand ich es, aber ich glaube ich bleibe doch eher bei der Disney Version und versuche das unschuldige Bild von Peter Pan in meinem Kopf wiederherzustellen 😀

    1. Hallo Jacquy,

      eine Gleichgesinnte! Für mich war es auch eine Überraschung, aber trotzdem werde ich weiter daran arbeiten, die klassische Variante zu kennen und das ein oder andere Buch noch lesen, egal, ob düster oder nicht.
      Die Disneyfilme kann ich ja weiterhin genießen.

      Liebe Grüße
      Tina

  4. Hi Tina,
    die wahre Geschichte um Peter Pan kenne ich schon ein wenig länger. Ich finde diese auch besser als die Disneyversion. Kennst du das Buch Lost Boy von Christina Henry? (Bisher) nur auf englisch erhältlich aber ein absolutes Jahreshighligt meinerseits. Gehört auch eher in die Richtung düsterer.

    Liebe Grüße
    Lilly

    1. Hey Lilly,

      Lost Boy kenne ich tatsächlich nicht, zumindest habe ich das Buch nicht gelesen.
      Aber mir ist bekannt, dass die Autorin noch andere „Märchen“ anders interpretiert hat.
      Vielleicht erscheinen die Bücher ja noch auf deutsch.

      Liebe Grüße
      Tina

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