Die Krähen-Dilogie von Leigh Bardugo: Ein Fantasy-Lobgesang an die Schöpferin des Grishaverse

Hallöchen zusammen,

ich melde mich mal aus der Versenkung. Und wieder ist eine Woche vorbei und eine neue Woche im Gange, so schnell kann es gehen. Die vergangenen Tage ließen mich nicht so Luft holen wie ich es mir gewünscht hätte. Dafür gab es neue Bücher und ich habe meinen Buddyread mit Sandra von „Piglet and her Books“ fleißig durchgezogen. Um den soll es heute auch gehen.

Mein Zugang zum Grishaverse

Ich hatte die Grisha-Trilogie vorletztes Jahr gelesen als dieser tolle Taschenbuchschuber bei Knaur erschienen ist und war total in love mit dem russisch angehauchten Setting, den Mythen, der Magiebegabung der Grisha, der gefährlichen Schattenflur und so manchen markanten Charakter. Ich muss dazu sagen, es war nicht perfekt. Es war ein Debüt mit einer fantastischen Idee, aber auch ausbaufähig im Schreibstil und der Charakterentwicklung. Gern gelesen habe ich es trotzdem. Denn wer hätte nicht wissen wollen, wie es der Kartografin Alina mit ihren neu entdeckten magischen Fähigkeiten in der Zweiten Armee Ravkas ergeht, wie sie gegen das Böse und sich selbst kämpft. Hier einmal die Verlinkungen zu den Rezensionen der einzelnen Bände:

„Goldene Flammen“

„Eisige Wellen“

„Lodernde Schwingen“

Da kommt eine Serie!

Das schöne an den Hype eines entstandenen Fantasyuniversums – es kann ausgebaut werden. Leigh Bardugo tat das. Warum weiß ich nicht. Vielleicht, weil die Fans gern in dem Setting mit den Charakteren unterwegs waren. Jedenfalls erschien als nächstes eine weitere Reihe – Die Krähen-Dilogie. Der 1. Band mit dem Titel „Das Lied der Krähen“ und der 2. Band mit dem Titel „Das Gold der Krähen“. Das Wagnis daran? LeserInnen kehren nicht direkt in das russische Ravka zurück, sondern landen auf einen anderen Fleck im Grishaverse. Nämlich auf der Insel Kerch, genauer gesagt in der Stadt Ketterdam und folgt sechs sehr, sehr individuellen Außenseitern in einer sehr, sehr eindrucksvollen Story. Dazu komm ich aber gleich noch. Mein Plan diese Bücher zu lesen wurde vor allem vorverlegt, weil Netflix die dazugehörige Serie mit dem englischen Titel „Shadow and Bone“ ankündigte. Tja, nun ist es soweit, wir haben noch 3 Tage bis zum Start der 1. Staffel. Laut den mir vorliegenden Infos dreht es sich zwar hauptsächlich um Alina & Co. aus der Grisha-Trilogie, doch die Macher bauten ebenso die Protagonisten der Krähen-Dilogie ein. Ich bin vorbereitet. Es kann los gehen! Doch vorab…

…ein Lobgesang auf „Das Lied der Krähen“ und „Das Gold der Krähen“

Halleluja, was für ein Konstrukt! Es ist ganz doll schwer, etwas über den Inhalt zu erzählen ohne zu spoilern. Ich werde es dennoch versuchen. Ich wusste absolut nicht, auf was ich mich einlasse. Ich wusste, es dreht sich um sechs Charaktere, dir irgendeinen Auftrag erledigen sollen. Es wird gefährlich. Es gibt Grisha. Ich war gespannt und spreche jetzt eine absolute Leseempfehlung für alle Fantasyliebhaber aus, die es komplex und aufregend mögen. Vorsicht! Man kann es lesen ohne die Grisha-Reihe zu kennen, aber ich gebe euch den Rat, es nicht zu tun. Es gibt im Verlauf genügend Anspielungen, die historisch gewachsen sind und ihren Ursprung in Grisha haben. Ich finde zur Nachvollziehbarkeit sollte man Grisha kennen.

Leigh Bardugo entführte mich nach Ketterdam. Schon da war ich etwas perplex. Wo bin ich den hier gelandet? In einem zwielichtigen Amsterdam? Ja, so ungefähr. Kanäle, Häfen, bunt gemixte Häuser, illustre Viertel, zwielichtige Gestalten, bestimmt durch einen Krämerrat und knallharte Gangsterbosse. Leigh Bardugo zeigte mir die beleuchtete Stadt, mit all ihrem Vermögen und fröhlichen Tourismusverführungen, jedoch noch mehr die Schattenseiten des Barrel mit seinen kriminellen Machenschaften.

Das war reines Kopfkino und dann kamen die Protagonisten. Einer anders als der andere. Vielschichtig, markant, tiefgründig, sympathisch, unsympathisch, wandlungsfähig, die verschiedensten Kulturen in einer Gruppe. Kaz, der Leutnant eines Gangsterbosses. Ich habe noch nie jemanden kennengelernt wie ihn. Klar, gibt’s immer besonders schlaue Typen mit noch schlaueren Plänen, doch er ist unvorhersehbar. Inej ist das Phantom, sie ist eine der gläubigsten, leisesten Spione ever und so mutig. Jesper, ein Spieler, ein Revolverheld, ein Spaßvogel, mit ihm habe ich unendlich gern gelacht. Nina, eine Grisha, eine Powerfrau, das Herz auf der Zunge und steht dazu – ihr folgte ich fast so gern wie Inej. Matthias, mehr Barbar, Wikinger oder Nordmann als Mensch – mit ihm warm zu werden brachte schlussendlich sehr viel. Wylan ist so ein Typ, bei dem ich sagen muss, lass dich nicht durch ein bübchenhaftes Aussehen täuschen. Jeder von ihnen besitzt seine eigene Geschichte, wie es ihn nach Ketterdam verschlagen hat, wie der Charakter zu dem wurde wer er jetzt ist. Die Autorin hat es in die Storyline eingewoben und ich fühlte das stetige Näherkommen mit den Personen. Es war genauso als würde ich jemanden kennenlernen, es braucht Zeit, stellt offene Fragen in den Raum, ebenso wie Erkenntnisse sacken müssen. Und das für jeden individuell aus seiner Perspektive heraus. Mal abgesehen von Wylan, der bekam irgendwie sehr spät erst seine eigenen Kapitel. Wir haben echt lange darauf gewartet und die Erwartung hat dem dann, glücklicherweise, stand gehalten.

Die Hintergrundgeschichten der Protagonisten wurde in die Handlung der Gruppe eingewoben und das auf die verschiedenen Personen als einzelne Kapitel. Das war so genial. Ich habe nie den Überblick verloren und das ist bei sechs Personen echt ein Highlight. Die Autorin spielte natürlich mit den einzelnen Eindrücken und Wissensständen der einzelnen Charaktere, trennte Gruppen, oft sah ich nur einzelne Fäden eine gigantischen Planes, der so strategisch durchdacht war, dass ich mir nie alle Ergebnisse hätte erträumen können. Ab und an kam ich mir echt veräppelt vor, wenn die Fallstricke aufgelöst wurden und ich das große Ganze nie im Leben so gesehen hätte. Es war unvorhersehbar, dann mal wieder mit millionen Vermutungen gespickt. Furchtbar spannend. Meine Nerven haben mit jedem Twist am seidenen Faden gehangen, denn keine dieser Ideen oder Pläne funktioniert ohne ein enormes Risiko. Leigh Bardugo ist dahingehend nicht zimperlich. Von daher, ruft euch bitte ins Gedächtnis: Das sind sechs gefährliche Menschen mit noch gefährlicheren Gegnern und Partnern, denen man nicht unbedingt trauen kann. Mir kam es so vor, umso mehr sich die Charaktere entwickelten, umso komplexer wurde die Storyline. Trotz, dass ich die Charaktere im 2. Band schon richtig gut kannte. Auf jeden Fall steckt hinter allem mehr als ihr je ahnen werdet!

Die Dilogie vereint facettenreiche Aspekte vor allem durch die vielen Kulturen. Sie erinnerten mich an ein Zigeunerleben, irische Bodenständigkeit, skandinavische Widerstandsfähigkeit oder fernöstliche Höflichkeit. Stellt euch das vor – alles an einem Platz. Das scheint hier mehr als zu funktionieren. Ich stelle mir wirklich vor, wie Leigh Bardugo bei der Entwicklung dieser Bücher vor einem Whiteboard mit lauter Notizzetteln, Bildern, farbigen Symbolen stand und von einem zum anderen bunte Linien als Verbindungen gezogen hat. Das Ergebnis ist ein riesiges Netz, das schlussendlich absolut logisch ist und gar nicht anders hätte sein dürfen. Vereint mit ihrem stark verbesserten Schreibstil (im Gegensatz zu Grisha) bzw. einer angemessenen Übersetzung, gibts nichts zu meckern.

5 von 5 Pfoten

Ich freue mich auf „King of Scars“ und im Juni auf „Rule of Wolves“.

Liebe Grüße Tina (& Leo)

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