„One of us is lying“ von Karen M. McManus – Anfängliche Skepsis wich dem Lesesog

Hallöchen bookish People,

und da war es wieder ein paar Tage still auf dem Blog. Letzte Woche fand ich irgendwie nicht genügend Zeit und Muße, um mich mit Blogbeiträgen zu befassen. Diese Woche soll es wieder anders aussehen. Lesetechnisch läuft es soweit ganz gut. Ich lese mit Sandra von „Piglet and her Books“ in aller Ruhe „Das Gold der Krähen“ und wow, ich mag diese Dilogie wirklich sehr. Wahnsinn, wie Leigh Bardugo sich seit der Grisha-Trilogie weiterentwickelt hat. Nebenbei lese ich noch „Auf sieben Beinen“ von Fine Sturm. Die Story holt mich bisher nicht so ab, wie ich es mir erhofft habe. Doch es liegen noch etliche Seiten vor mir und ich bin guter Hoffnung.

Heute allerdings dreht es sich um eine ehemalige SUB-Leiche. Ich habe etliche unterschiedliche Rezensionen gelesen und immer wieder unter den jeweiligen Blogs kommentiert, dass ich das Buch endlich mal lesen müsste. Tja, nun liegt die Story hinter mir und was soll ich sagen – den 2. Band werde ich auch lesen. Heute will ich zudem einen neuen Rezensionsaufbau probieren – spontaner, flexibler, stimmungsabhängiger.

Wie vermeintliche Stereotypen sich wandeln und die Suche nach dem WER und WARUM?

Das Buch lag bestimmt 2 Jahre auf meinem SUB. Woran das lag? Vermutlich, weil es Thrillerelemente beinhaltet und ich selten Lust auf so etwas habe und weil die Meinungen dazu sehr auseinander gingen. Nachdem aber bereits das 4. Werk der Autorin erschienen ist und ich mich fragte, ob an dem Mix aus Gossip Girl und Breakfast Club wirklich etwas dran ist, fing ich an zu lesen. Der Klappentext ließ es zumindest vermuten: Simon stirbt beim Nachsitzen mit der Schulschönheit Abby, dem Kleinkriminellen Nate, dem Baseballstar Cooper und der Streberin Bronwyn. Die Umstände sind mysteriös, die Indizien unzureichend bis Stück für Stück die vier Nachsitzer*innen ins Licht der Ermittlungen rücken. Denn jeder von ihnen hat einen Grund Simon eins auszuwischen, denn seine Plattform „About that“ enthüllt die Abgründe und Geheimnisse jeden Schülers der Bayview High…

Über 400 Seiten Hardcover, unterteilt in 3 Teile, wobei ich solch eine Unterteilung sinnlos finde, weil zudem noch die jeweiligen Kapitel der 4 Ich-Perspektiven mit Datum und Uhrzeit integriert sind. Daher habe ich mich nicht wirklich auf die große Unterteilung konzentriert. Eins muss ich der Autorin lassen, sie handelt den Einstieg mit Simons Ableben bereits innerhalb der ersten 40 Seiten ab – keine langwierige Einführung oder Charaktervorstellung. Stattdessen ergründe ich die Figuren und die Auflösung des vermeintlichen Unfalls, Mords oder wie auch immer (spoilern werde ich nicht) im Verlauf der Handlung. So macht das Spaß. Also bis auf ein paar Tatsachen, die mich störten oder die Augen verleiern ließen. Kleinkariert wie ich bin, störten mich Namen: Vor allem Bronwyn – selbst in Gedanken lässt sich der Name nicht gut aussprechen. Der hat etwas Mittelalterliches, ich kann mir nicht helfen und es passt nicht. Ich glaube, dass die Autorin sich debenso mit Namen wie „Officer Hank Budapest“ einen Spaß erlaubte. Vielleicht eine kleine Expertise an längst vergangene Krimiserien? So richtig ernst nehmen konnte ich das nicht. Gut, nach einer Weile gewöhnte ich mich dran. Genauso wie an den ein oder anderen Logikfehler im zeitlichen Ablauf (nein, das war nicht gestern, sondern vor 4 Tagen…) oder dass ein Detective die Schüler mit ihrem Kurz- bzw. Spitznamen anspricht. Es sei verziehen. Manchmal braucht man Eingewöhnungszeit, um mit dem Stil klar zu kommen, aber wenn man einmal warm ist, dann stoppt einen nichts mehr. Wie hier.

Mein Augenrollen bezüglich der Charaktere kostete mich jedoch zu Beginn Nerven. Abby ist ein Prinzesschen, dass sich völlig abhängig von ihrem Freund macht und keine einzige Entscheidung selbst fällt. Ich mochte sie eingangs nicht. Sie wirkte durch ihr Verhalten dumm und naiv. Cooper, die typische amerikanische Sportkanone und Daddys Aushängeschild. Mit ihm hatte ich eher noch Mitleid. Bronwyn ließ mich nicht an sich ran, aber ich war mir sicher, der perfekte Schein würde noch aufhören mich zu blenden. Lustigerweise ging mein High Five an den unbeliebtesten und bereits Verurteilten Nate. Ja, er hat Dreck am stecken und ja, sein Stereotyp ist genauso offensichtlich wie bei den anderen und doch: Er war ehrlich, nahm kein Blatt vor dem Mund und blendete niemanden mit seinem Ruf. Als der Stein so richtig ins Rollen kommt, entwickeln sich die vier Schüler in verschiedene Richtungen, so dass ich sogar Abby schlussendlich nur in mein Herz schließen konnte.

Ich gebe zu, ich habe sofort angefangen mit zu rätseln, was an den Geschehnissen kurz vor Simons Tod und auch danach inszeniert, kein Zufalls sein kann oder total logisch ins Bild passte. Das der Verstorbene im Leben kein Unschuldslamm war, wurde ebenso beleuchtet, wie jedes Geheimnis und die Hintergründe von Bronwyn, Cooper, Abby und Nate. Ich mochte diese Abwechslung und die gesellschaftlichen Probleme, die angesprochen worden: Erfolgsdruck, toxische Liebesbeziehungen, Gewalt, Verwahrlosung, Sexismus, Rassismus, Intoleranz, Inakzeptanz. Ebenso wie Dinge, die dem entgegenwirken. Und das alles nur, weil soziale Medien dem Menschen ein Bild von anderen Personen geben, dass dessen Leben gewollt wie ungewollt verändern kann. Hier vor allem in Form von Simons Plattform „About that“, die im Endeffekt so funktioniert wie die Offenbarungen in der Serie „Goospi Girl“. Fanfact: Simon lügt darin nie. Umso gruseliger ist es, wenn nach seinem Tod Posts erscheinen. Genau, das ist einer der Steine, der eine Lawine auslöst. Nebenbei versuchte ich herauszufinden, was die Vier zu verstecken versuchen. Zum Teil war das ultraeinfach zu erkennen – welch ein Erfolgserlebnis oder einfach nur vorhersehbar, zeitweise auch sehr klischeehaft. Zum anderen lag ich dann doch daneben und machte große Augen. Umso mehr Facetten hinzukamen, umso mehr entwickelte sich ein Sog, der mich Verbindungen schließen und Puzzleteile an die richtige Stelle setzen ließ. Dabei blieb es leicht und nachvollziehbar. Ich fands toll. Vor allem, weil aus Einzelkämpfer*innen ein Team wird, dass mit Vorurteilen abschließt. Dieser Aspekt lässt mich nicht los und zeigt, dass es anders gehen kann, auch wenn der Grund hier ziemlich dramatisch ist.

Zum Ende hin wurde es natürlich abenteuerlich, gar übertrieben. Ich kam mir vor, als sähe ich einen End-Neunziger-Teeniefilm. Ein bisschen Angst und Bange wurde mir trotzdem. Tja, an sich war mir bereits Seiten zuvor schon klar, wieso Simon starb. Ich klopfte mir also auf die Schulter als meine Vermutung sich bestätigte und noch mit einigen Details umrahmt wurde.

Fazit:

Ein klein wenig Gossip Girl, ein klein wenig Breakfast Club, ein bisschen Teeniefilm, aber ganz viel gegenwärtige Thematik und Problembewältigung mit Charakteren, die sich Dank ihrer eigenen Erkenntnisse weiter entwickeln. Spannend mit Sogwirkung und trotz vieler Facetten dem roten Faden treu bleibend. Empfehlung für leichte Jugendthriller-Leser*innen.

4 von 5 Pfoten

Liebe Grüße Tina (& Leo)

4 Kommentare

  1. Hallo Tina!
    Da musste ich doch mal bei deiner Rezension vorbeischauen. 😀
    Ich muss sagen, die ganzen Klischees haben mich nicht so extrem gestört, weil mich das Buch sehr stark an die Serie „Elite“ erinnert hat und diese ist auch so stark Klischeebehaftet. So konnte ich mich voll und ganz auf dieses locker, leichte (vom Stil her, nicht von der Thematik, zumindest nicht immer) Buch einlassen.
    Ich mochte auch Nate auf Anhieb. Bei den anderen dreien brauchte ich auch mehr Zeit, aber am Ende waren mir alle ans Herz gewachsen.
    Ich hatte schon viel negatives zu dem Buch gehört, aber mir hat es gefallen und ich freue mich auf den zweiten Band.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebe Diana,
      Klischees sind an sich nicht schlimm, aber manchmal nervt es much, dass es sooooo typisch wirkt. Aber die Autorin hat das gut genutzt um die Charaktere zu entwickeln.
      Es freut mich sehr, dass wir beide einige gemeinsame Dinge gut fanden 🙂

      Liebe Grüße
      Tina

    1. Hi Vangelis,

      er befragt die Jugendlichen, hat aber keine eigene Perspektive, von daher werden seine Gedanken nicht offenkundig dargestellt.

      Viele Grüße
      Tina

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