Die „Indigo“ – Dilogie von Jordan Dane – Schon mal was von Indigokindern gehört? Ja, die gibt es, also fast.

Hey liebste Buchmenschen,

ich hoffe, eure Adventskalender sind prall gefüllt und das 1. Türchen ist geöffnet. Heute sind mal wieder 2 „Bücherregalhüter“ (abgewandelt von dem Wort „Ladenhüter“) dran. Ja, sie sind schon etwas älter: Die Dilogie von Jordan Dane erschien im Englischen 2013 und 1 Jahr später bei uns in unter dem Label Darkiss beim MIRA-Taschenbuchverlag.

Ich bin durch Zufall an die Bücher gekommen, da meine Freundin sie ungelesen aussortierte und mir die Cover gefielen. Bis dato hatte ich kaum einen Schimmer, worin es inhaltlich geht, Schande über mein Haupt. Aber so schlecht war die oberflächliche Wahl gar nicht, das sei vorab gesagt. Jetzt haben wir Ende 2018, beide Bände sind ausgelesen und nun möchte ich euch „Indigo“ einmal vorstellen.

Worum geht’s?

Im uns bekannten amerikanischen Los Angeles macht die ominöse Church of Spiritual Freedom Jagd auf Kinder und Jugendliche mit besonderen Fähigkeiten. Einfacher gesagt: Die „Believers“ jagen die „Indigokinder“. Denn die übersinnlichen Kräfte dieser jungen Menschen machen sie zu Menschen 2.0, zur nächsten Stufe der Evolution. Die „Believers“ versuchen diese Entwicklung anhand grausamer Experimente innerhalb der psychiatrischen Klinik von „Havens Hill“ aufzuhalten. Doch was passiert, wenn die noch freien Indigos sich zusammenschließen, ihre Kräfte bündeln und zurückschlagen?

Die Grundidee:

Ich denke, es wurde oft genug bewiesen, dass der Mensch nicht allem offen gegenübersteht. Macht ihm etwas Angst, fängt er sogar an, es zu bekämpfen. Das gibt es in der Politik, im Alltag und ist leider immer aktuell. Jordan Dane appelliert an die Menschlichkeit und das schonungslos und brutal. Es ist ein absolutes Unding, dass junge, unschuldige Menschen so behandelt werden, nur weil sie anders sind.

Weiterhin ist die Thematik der Indigokinder nicht frei erfunden. Man braucht nur einmal die Suchmaschine anwerfen und man findet zig Treffer. Ursprünglich kommt die Bezeichnung aus dem esoterischen / spirituellen Bereich. Solche Kinder umgibt eine blaue Aura und sie besitzen ungewöhnliche physische und psychologische Eigenschaften. Selbst im Medizinischen Bereich wird dieser Begriff verwendet. Die Kinder seien ihrer Entwicklung weit voraus, haben eine niedrige Frustrationsgrenze, einen hohen IQ, handeln intuitiv, langweilen sich schnell usw…

Die Autorin adaptierte die Indigokinder zu etwas weitaus Größerem. Sie sind nicht nur begabt oder so, nein, sie besitzen locker gesagt machtvolle, magische Fähigkeiten. Inklusive der blauen Aura!

Mein Bild:

Eine Story, die einige Pro- und Kontrapunkte mit sich bringt. Zunächst bin ich super in die Geschichte rein gekommen. Die Autorin wendet einen gegenwärtigen, lockeren Sprachstil an, der sich der jeweiligen personalen Perspektive der Protagonisten anpasst. Ich finde, das hat sie wunderbar  umgesetzt, da ich schon nach kurzer Zeit wusste, wem ich nun folge. Dementsprechend wurde mir nie langweilig bzw. wurde es mir nie zu viel. Einziges Manko waren die Verniedlichungen von Vornamen. Beispielsweise wurde aus Gabriel auf einmal Gabe, dann wieder zurück oder aus Lucas Luke und wieder zurück. Das nervte mich, weil ich keinen Sinn darin sah.

Der Plot selbst ist strukturiert aufgebaut, es existieren mehrere Handlungsstränge, die aufeinander aufbauen ohne das es vorhersehbar wirkt. Ich ziehe echt meinen Hut vor Jordan Dane, dass sie dahingehend keine Logikfehler eingebaut hat. Auf actionreiche Situationen muss übrigens genauso wenig verzichtet werden wie auf ein bisschen Romantik.

Die Protagonisten sind zahlreich! Deswegen gehe ich nicht auf jeden Einzelnen ein. Insbesondere die Indigokinder haben mich gekriegt. Allesamt. Jeder gibt Stück für Stück seine eigene emotionale Geschichte preis, die bis zum Schluss aufgearbeitet wird. Keiner von ihnen ist ein wirklicher Held, keiner ist perfekt. Sie haben alle ihre Macken, brechen in Wut aus, schlagen den falschen Weg ein, trauern, bereuen, lieben, sind unentschlossen. Aber treffen sie aufeinander, sind sie ein Kollektiv, das zusammenhält und es entwickeln sich zudem noch interessante Beziehungen. Bemerkenswert! Auf der Gegenseite stehen die Angehörigen dieser Kirche. Es sind Erwachsene, klinisches Personal, das den Kindern ein unvorstellbares Leid antut. Als wären sie Laborratten. Vor allem im 2. Band sind diese Taten detailliert beschrieben und ich musste oft schlucken, wie heftig mit den Kindern innerhalb der Klinik umgegangen wird und wie fest der Glaube ist, im Recht zu sein. Absurd, jedoch fesselnd erzählt.

Allerdings muss ich zugeben, dass ich mir medizinische Erklärungen zu den unterschiedlichen Kräften erhofft habe. Dazu gibt es gar nichts. Die Kräfte sind da, jeder kann eine andere Fähigkeit besitzen, Punkt. Schon merkwürdig, wenn man bedenkt, dass es sich um eine evolutionäre Weiterentwicklung handelt. Es ist schließlich kein High Fantasy – Roman, bei denen man das so hinnimmt. Nein, es ist ein mystischer Jugendroman mit logischen Zusammenhängen, nur dieses Detail hat mir wirklich gefehlt um meine bildlichen Vorstellungen zu vervollständigen.

Des Weiteren wäre das Setting L.A. locker austauschbar gewesen. Zwar stand über sämtlichen Leseabschnitten der aktuelle Ort und die Uhrzeit, was aber überhaupt keine Rolle gespielt hat, da in der personalen Perspektive immer erwähnt wurde, ob es Morgen, Mittag oder Abend ist und ob sich derjenige gerade in einem Büro, in einem Krankenzimmer oder woanders befindet. Die Stadt selbst spielt keine Rolle, außer dem halbwegs bekannten Bristol Mountains, erkennt man kaum etwas wieder. Schade.

Abschließend sei gesagt, dass es ein aufregendes und sauberes Ende gibt. Ich mag nicht spoilern, daher gibt es keine weiteren Andeutungen von mir. Definitiv habe ich selten eine Reihe gelesen, bei denen alle Protagonisten so interessant waren wie hier. Selbst die „Bösen“ kamen mit vielschichtigen Facetten daher.

Fazit:

Ein mystischer Jugendroman mit sehr glaubhaften Darstellern, abwechslungsreichen Handlungsverläufen, aber austauschbaren Setting und unerklärlichen „Zauberkräften“.

3 von 5 Punkten

Was haltet ihr davon in der Realität vorkommende Tatsachen zu adaptieren und aufzupeppen? Spannend oder übertrieben?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.