„Splitterlicht“ von Megan Miranda – Der Tod als emotionales Thema wird zur Nebensache

Hey meine Lieben,

ich habe wieder ein Buch, dessen Erscheinung länger als 1 Jahr her ist, vom SUB befreit. Kennt ihr Bücher von Megan Miranda? Steht Splitterlicht bei euch im Shelf? Wie fandet ihr die Dramatik in dieser winterlichen Geschichte? Viel Spaß beim Lesen der Rezi!

 

Was würdest du tun, wenn du wüsstest, wer als nächstes sterben wird?

Allgemein:

„Splitterlicht“ ist ein Jugendroman der Amerikanerin Megan Miranda, der 2015 durch Ravensburger in Deutschland veröffentlicht wurde. Die Autorin schreibt nicht nur Jugendbücher, sondern auch Thriller, wobei Splitterlicht eines ihrer beliebtesten Bücher ist. Es umfasst die Geschichte der siebzehnjährigen Delaney, die einen Unfall überlebt. Es ist ein Wunder. Denn niemand zuvor blieb 11 Minuten unter eiskaltem Wasser gefangen und überlebte! Doch nichts ist wie vorher, etwas hat sich in Delaney verändert. Der Schock ist groß, als sie erkennt, dass sie ein Gespür dafür entwickelt hat, welche Menschen bald sterben werden. Wie soll sie diese Fähigkeit deuten? Gabe oder Fluch?

Mein Bild:

Und wieder war es ein unwiderstehlicher Coverkauf bei einem großen Aktions-Buch-Verkauf. Das Cover glitzert zart blau, so wunderschön winterlich mit einem hübschen weiblichen Gesicht dazu. Der Klappentext klang nach Drama und Spannung, obwohl ich mir die Frage stellte, in welches Genre man das Buch wirklich stecken sollte. Einfach nur Jugendbuch? Schließlich scheint die Protagonistin eine übermenschliche Gabe zu besitzen. Auch nach dem Lesen des Buches blieb bei mir ein Fragezeichen.

319 Seiten verbrachte ich im winterlichen Maine. Die Beschreibungen der Autorin reichten aus, um das Setting bildlich darzustellen. Nichts war übertrieben blumig ausgeschmückt und trotzdem hatte ich eine Vorstellung darüber wie Straßen verliefen oder Delaneys Familie lebte.

Sicherlich lag das auch an der Ich-Persepektive der Protagonistin. Das Hauptaugenmerk lag auf ihr und die Zeit nach dem dramatischen Unfall. Megan Miranda versuchte darzustellen, dass für Delaney, nach der Nahtoderfahrung, alles anders ist. Durchaus nachvollziehbar, Nur bissen sich angeblich vorhandene Eigenschaften mit ihrem Verhalten „danach“. Delaney sei „davor“ eine gut organisierte Musterschülerin gewesen, eine Mitläuferin innerhalb ihrer Clique, die aber sonst nie ein Risiko eingeht, eine Tochter, die umsetzt, was man ihr sagt und nachdenkt, bevor sie spricht. Jetzt verhält sie sich sprunghaft, ist überladen mit Gefühlen, gibt sich rebellisch gegenüber Freunden und Eltern, stößt andere vor dem Kopf. Wenn sie versuchte, ihr altes Verhalten an den Tag zu legen, passte es einfach nicht zusammen. Sollte der Kern des Charakters nicht erhalten bleiben? Mir fehlte die Authentizität. Ich kam damit nicht zurecht.

Dennoch fand ich die Grundidee aufregend: Delaney spürt körperlich, wer als nächstes sterben würde. Ich stellte es mir spannend vor, wie sie versucht damit umzugehen, eine Lösung zu finden, damit zu leben, vielleicht sogar zu helfen. Leider plätscherte die Idee vor sich hin. Schade, dass ein so emotionales Thema nicht komplett in den Mittelpunkt gestellt wird. Erst in den letzten 100 Seiten widmet sich Delaney ausschließlich ihrer Gabe. Zu kurz, aber das Konstrukt wird trotzdem sauber aufgelöst. Doch warum erst dann?

Tja, der Fokus richtet sich im Hauptteil der Geschichte auf mehrere Probleme: Überforderte Eltern, der beste Freund, der einen liebt, ein geheimnisvoller Typ, der auf einmal auftaucht und die Clique, die auf einmal mehr Interesse zeigt. Das ist zu viel für 300 Seiten. Dabei spielen die Vergangenheit der Beteiligten, Erinnerungen und nicht ausgesprochene Worte eine Rolle. Dinge, denen man glatt extra Bücher widmen könnte. Das ein oder andere hätte man weglassen und sich stattdessen auf eine Sache „spezialisieren“ sollen.

Einen Vorteil hat die Verzweigung des Plots allerdings: Es verleiht der Story zusätzliche Spannungsbögen mit dramatischen Szenen, die mitfiebern lassen oder einfach unerwartet daher kommen. Das ließ den Verlauf nicht vorhersehbar werden, auch wenn die Nebendarsteller stereotypisch sind. Decker, der beste Freund, der immer da ist und auf dem man sich immer verlassen kann. Im Gegenzug, der plötzlich auftauchende Troy, so undurchsichtig und anziehend. Delaney hat die Wahl der Gegensätze. Trotz Klischees sind die Jungs gut gelungen. Sie sind in ihrem Verhalten einfach selbstsicher. Der Leser fühlt bei den Beiden das, was er fühlen soll. Bei Decker fühlte ich mich geborgen und vor Troy hatte ich irgendwie Angst.

Das Ende war definitiv packend umgesetzt und ein Cliffhanger blieb mir erspart, obwohl ich der Meinung bin, dass man daraus noch mehr Bände spinnen könnte.

Fazit:

Abwechslungsreich, nicht vorhersehbar, aber sprunghaft und wenig fokussiert. Für Leser, die es lieben, wenn ein Jugendoman handlungsübergreifende Punkte anspricht.

5 von 5 Pfoten

 Viele Grüße Tina (& Diego)

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