„Someone New“ von Laura Kneidl – Eine weitere Stimme meldet sich zu Wort

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Hallo meine Lieben,

puuh, ich schiebe das Schreiben dieses Beitrages jetzt schon Tage vor mir her. Einerseits denke ich, dass viel Wichtiges schon gesagt wurde, andererseits brennt es mir doch auf der Seele, ein paar Worte los zu werden. Ich glaube, das wird jetzt keine Standardrezension von mir, aber ich kann auch noch nicht sagen, wie der Beitrag zum Schluss aussieht. Wir lassen uns einfach gemeinsam überraschen.

„Someone New“ und der Hype

Gefühlt bin ich spät dran, denn inzwischen hört man kaum noch etwas von dem Buch. Schade, denn es wurde doch größtenteils als so wichtig angepriesen und das ist es meines Erachtens auch. Die Werbetrommel stand jedenfalls Anfang des Jahres nicht still. Der LYX-Verlag als auch die Autorin machten die Leser neugierig. Divers sollte es werden, bunt, voller Gefühl. Sonderedition, Illustrationen, eine offizielle Playlist, eine Bookpreview-Party, es wurde an alles gedacht. Grandioses Marketing trotz der Reizüberflutung.

Zumindest bis zur Erscheinung am 28. Januar, dann ging es richtig los, Rezension über Rezension, die Social Media-Kanäle quollen über, es gab Redebedarf ohne Ende. Ich dachte mir nur: „Was ist denn hier los?“. Sorry für meine Naivität, aber das war der erste richtige Hype, der die Bloggerblase spaltete, den ich mitbekam. Von „superduper-phänomenal-ihr-müsst-es-lesen-sonst-verpasst-ihr-was“ bis hin zu „langweiliger-Plot-und-alles-nur-angerissen-so-ein-quark“ war wohl alles dabei. Angeblich wurde es auch an mancher Stelle zu persönlich, wenn man die Meinung nicht teilte. Davon habe ich jedoch selbst nichts gelesen, nur davon gehört.

Die Welle ist inzwischen, nach gerade mal über 1 Monat, verebbt. Als hätte man keine Kraft mehr darüber zu diskutieren oder man hat eben alles gesagt. Das Buch steht im Shelf, fertig. Ich sehe es noch hier und da bei dem ein oder anderen im Monatsrückblick, aber ansonsten ist es innerhalb der Bubble ruhig geworden. Wenn ich mir allerdings die Bestsellerliste anschaue, kann man nur gratulieren: Es hat die Leser erreicht und das tut es immer noch. Großartig!

„Someone New“ und ich

Natürlich kam ich nicht dran vorbei. Warum auch? Es war überall. Instagram, Twitter, Facebook, im Newsletter des Verlags. Mir gefiel das Cover, ich hörte immer die Worte „divers“ und „LGBTQ“, freute mich darüber. Denn nach wie vor fehlt es doch an Vielfalt in der kommerziellen Literatur, auch wenn es sich Stück für Stück annähert. Wollte ich es lesen? Zunächst nicht, obwohl schon Wochen vorher deutlich wurde, dass „alle“ das Buch lesen wollten. Mir reichten nur der Klappentext und die Infos bis dato nicht aus. Mein Interesse kam erst mit den ersten richtigen Stimmen und dem Verlagsnewsletter. Neugier überkam mich. Noch bevor ich das Buch selbst gelesen habe, bin ich einige Rezensionen durchgegangen und verstand vorab schon die Kritik. Im Nachhinein verstehe ich sie übrigens immer noch.

Nun ist es ausgelesen. Gehe ich nach dem Punkteprinzip bis 5 Punkte, war der Beginn für mich 2 Punkte wert, die Mitte bis fast zum Ende 4 Punkte und der Schluss 3 Punkte. Warum? Das versuche ich jetzt in Worte zu fassen. Für euch zur Orientierung, da ich wahrscheinlich mit Seitenanzahlen daher komme, ich habe die e-Book-Variante mit knapp über 400 Seiten gelesen. Die Paperback-Variante weicht mit 534 Seiten doch etwas davon ab.

Was habe ich erwartet?

Jeder weiß inzwischen, dass es sich um die 18-jährige Micah dreht, die sich um ihren Bruder Adrian sorgt. Er wurde von den Eltern rausgeworfen, nachdem sie mitbekamen, dass ihr einziger Sohn schwul ist. Noch dazu lernt Micah den geheimnisvollen Kellner Julian kennen, der sie total anzieht und durch Zufall wird sie später auch noch seine Nachbarin. Soweit so gut.

Ich erwartete eine klare Rebellion der Protagonistin gegen ihre Eltern und Nachforschungen im LGBTQ-Bereich als aufklärenden Aspekt für den Leser. Den Plot verwickelt in die spannende Suche nach dem Bruder, gemeinsam mit Julian, dessen Geheimnis sie natürlich lüftet. Es ist mein erstes Buch von Laura Kneidl und man hört von ihr viel Gutes. Ich erhoffte mir also tiefe Gefühle und Gewissenskonflikte, die ich nachvollziehen konnte und das in einem angenehm fließenden, realistischen Schreibstil.

Wurden meine Erfahrungen erfüllt?

Wenn ich meine Erwartungen so lese, dann teilweise, denn der Weg war steinig. Es ging schon damit los, dass die Autorin sich am Klischee einer reichen angesehenen Familie bedient hat. Das Ansehen ist wichtiger als alles andere und deswegen akzeptieren die Eltern ihren homosexuellen Sohn nicht akzeptieren. Für mich ist das einfach realitätsfremd und archaisch. Als wäre die Personengruppe „reich und schön“ allein dazu prädestiniert, sich gegen eine offene und vielfältige Welt auszusprechen. Vorne hui, hinten pfui quasi. Das hat mir wirklich nicht gefallen.

Micah als Protagonistin war für mich ganz lange ein Widerspruch in sich. Ich meine, sie führt mich mit ihrer Ich-Perspektive durch die Geschichte. Von daher sollte mir als Leser jedes Gefühl und jeder Gedanke klar vor Augen gehalten werden, wieso oder warum sie sich gerade so verhält.

Es hat nicht funktioniert, Micah und ich sind einfach keine Freundinnen geworden. Ich habe sie zu lange nicht verstanden. Einerseits ist sie ein Freigeist, kreativ, offen, delegiert gern Dinge, mischt sich in die Angelegenheiten anderer Leute ein (echt nervig) und bei ihren Eltern ist sie lammfromm, weil sie die Familie wieder zusammenbringen möchte, obwohl sie sieht, dass ihre Eltern ohne Rücksicht auf Verluste ihr Ding durchziehen. Egal, wie dankbar man seinen Eltern für die tolle Kindheit etc. ist, so geht das nicht.150 Seiten habe ich gebraucht, um mit ihr warm zu werden bzw. bis ihre Entwicklung in eine Richtung ging, die sich mit ihrem Charakter deckte.

Das lag sicherlich auch daran, dass auf den ersten 100 Seiten nicht wirklich etwas passiert, wie viele Blogger bereits selbst erwähnt haben. Im Endeffekt lerne ich einen Haufen wirklich toller Menschen kennen, die unterschiedlicher bzw. diverser nicht sein können: Eine junge, alleinerziehende Mutter, die mit ihrem Körper nicht zufrieden ist. Eine erfolgreiche Instagrammerin, die ihr modernes Leben mit Traditionen ihrer Religion und Familie versucht unter einen Hut zu bringen. Ein Pärchen, das so besonders zusammen wirkt, das es Angst vor der Reaktion anderer hat. Und natürlich auch Adrian und Julian, jeder auf seine Weise Wow! Ich mochte sie alle. Obwohl ich die Zufälle, wie Micah auf sie trifft teilweise so künstlich herbeigeführt finde, dass es kaum glaubhaft wirkt. Warum sollte ich bei meinem Nachbarn klingeln, um „Hallo“ zu sagen, wenn ich ein Elfenkostüm trage? Witzig ja, realistisch nein. Hätte ich das gebraucht? Nein.

Es wurde bisher kritisiert, dass die Geschichten dieser Nebenfiguren nur angerissen werden. Ich muss sagen, das hat mich nicht gestört. Zum Teil, weil es „nur“ Nebenfiguren sind, sie aber trotzdem ihren Platz haben, zum anderen soll es doch in den Folgebänden so sein, dass es sich mehr um sie drehen soll. Korrigiert mich, aber das besondere Pärchen, dass Angst vor den Reaktionen anderer hat, ist im nächsten Band meines Erachtens Hauptthema. Oder?

Der Plot kam demnach spät in den Gang. Ich war ziemlich enttäuscht von der Suche nach dem verschwundenen Bruder. Das war so ein Selbstläufer ohne Erfolgsaussichten, kein wirklicher Handlungsstrang, außer dass sich auf Micahs Gesicht Sorgenfalten bildeten und sie sich mit Frustkäufen und den Problemen anderer beschäftigte. Unter anderen natürlich mit Julian, mein Lichtblick in diesem Buch! Ich kaufte ihm, im Gegensatz zu Micah, alles ab. Diszipliniert, hilfsbereit und ein Typ, der trotz seiner introvertierten Art einfach nur sympathisch ist. Er tat mir oft leid, wenn Micah ihn förmlich bedrängte. Man kann sich sehr gut denken, wer die Hosen anhatte. Trotzdem ergänzten sich die Beiden nach einer Weile recht gut. Endlich lag der Fokus auf dem PAAR, ihrer Geschichte und ihren Gefühlen zueinander. Das tat so gut und hat eindeutig zu lange gedauert.

Und dann Julians Geheimnis! Warum lässt er niemanden an sich ran? Nach 150 Seiten war es für mich kein Geheimnis mehr. Viel, viel schneller als Micah (traurig, aber wahr) wusste ich es, die Hinweise waren so eindeutig. Mich interessierte brennend, wie Micah es raus bekommt und vor allem wie sie reagiert. Oh, das war wirklich spannend. Ich saß vorm Buch und dachte „Jetzt, jetzt kommts…“! Natürlich nicht, die Autorin spannte den Leser mit ganz vielen Emotionen und Tränen auf die Folter. Ich fühlte mit Micah und Julian. So fesselnd das war, so dramatisch war die Auflösung. Ich fand es too much für meinen Bedarf und hätte mir einen anderen Auslöser gewünscht, etwas Normaleres, zum Beispiel ein ruhiges Gespräch zwischen dem Paar. Für manche vielleicht zu langweilig, aber ich finde, wenn es um eine Lebensgeschichte geht, braucht es nicht noch mehr traumatische Erlebnisse als es schon gab.

Ein Ende ohne Cliffhanger, ein Ende mit dem ich zufrieden bin, ein Ende, dass einer schönen Filmszene gleicht. Absolut lesenswert ist übrigens das Nachwort im Buch (bitte aber wirklich erst nach der Geschichte lesen, ihr spoilert euch sonst selbst).

Fazit:

Ein New Adult-Roman mit der Message, dass der MENSCH zählt und nicht die Fassade. Leicht geschrieben, aber mit Längen, die den Plot nicht voranbringen. Für Leser, die die Vielfalt und die damit verbundene Bedeutung in der heutigen Zeit in einem Buch miterleben möchten.

3 von 5 Pfoten

Ich könnte noch viel mehr zu „Someone New“ schreiben, denn es regt zum Nachdenken an, führt zum Austausch, egal ob man es „super“ fand oder nur „ok“. Das ist gut so. Die Vielfalt ist großartig und gern möchte ich euch, die ein oder andere Meinung zeigen:

Zeilenwanderer

The Book Dynasty

Seitenglück

Josia Jourdan

Easy Peasy Books

Liebe Grüße Tina (& Diego)

*Das Buch wurde mir als kostenfreies Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung wurde davon nicht beeinflusst

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2 thoughts on “„Someone New“ von Laura Kneidl – Eine weitere Stimme meldet sich zu Wort”

  1. Liebe Tina, als erstes: Diego ist soooo süss auf diesem Bild! <3 Ich persönlich lese ja weniger New oder Yound Adult Bücher und kann da auch nicht wirklich mitreden. Dieses hier war aber gefühlt auf jedem Blog vertreten und die Meinungen gingen extrem auseinander. Ich finde dies äusserst interessant und auch gut! Denn Bücher sollen zum Nachdenken und diskutieren anregen 😀 findest du nicht auch?
    Bis ganz bald!

    1. Hey Elizzy,

      danke, das Foto ist echt gut geworden, war aber eher ein Zufallstreffer 😉
      Naja, ab und an wandert so ein „Adult-Schmöker“ mal in mein Shelf. Es freut mich, dass du die Rezension trotzdem gelesen und kommentiert hast, obwohl du dieses Genre nicht bevorzugst. Danke dir.
      Natürlich finde ich den Autausch gut, das habe ich auch zum Schluss noch einmal betont. Es war nur sehr viel und ist zu schnell verpufft.

      Liebe Grüße
      Tina

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