„Nebenan funkeln die Sterne“ von Lilly Adams – Die traumhafte Kulisse Londons, kantige Nebendarsteller, aber eine nicht überzeugende Protagonistin

Hello liebste Buchmenschen,

nach anderthalb Wochen wieder auf Arbeit hat sich mein Biorhythmus leider noch nicht umgestellt und ich bin gefühlt dauermüde. Ich hoffe, mein Körper merkt bald, dass das mit dem Urlaub vorbei ist. Tja, und die Zeit fehlt natürlich, um mehr zu lesen, zu bloggen, zu „socialmedian“… Bitte verzeiht mir das.

Doch eine Rezension muss definitiv sein, denn die Gedanken zu „Nebenan funkeln die Sterne“ schwirren schon einige Tage in meinem Kopf herum. Vielen Dank an den LYX-Verlag für das Rezensionsexemplar.

Wie die heile Welt von Instagram infrage gestellt wird

Allgemein:

Unter dem Pseudonym Lilly Adams schrieb die Autorin Bettina Brömme den Liebesroman „Nebenan funkeln die Sterne“, der 2018 bei LYX erschien. Inhaltlich dreht es sich um die, von all ihren Followern geschätzte, Instagrammerin Emma. Ihre hochgeladenen Bildern versprühen pures Glück und Lebensfreude. Was jedoch niemand weiß: Emma lebt wie eine Einsiedlerin in einer londoner Dachgeschosswohnung und schottet sich in ihrem Elfenbeinturm von der Außenwelt ab ohne das es jemand merkt. Offline existiert sie so gut wie gar nicht mehr, zumindest bis nebenan der äußerst sympathische Fahrradkurier Nathan einzieht und Emma aus ihrem Versteck lockt.

Mein Bild:

Das Cover liebe ich wahnsinnig! Diese paillettenartigen Lichter, der Titel zwischen einer Lichterkarte und die dezente Farbgebung erinnern mich an laue Sommerabende und romantische Begegnungen. Schön und schnulzig. Allerdings ist die Geschichte keine übertriebene Romanze. Der Mittelpunkt liegt einfach auf dem ungewöhnlichen Leben der Protagonistin Emma, sowie die Aufarbeitung des dazugehörigen Hintergrundes.

Die Story wird reinweg aus ihrer personalen Sichtweise erzählt. Das fand ich schade, denn ihr zu Folgen bedeutetet auch einige Längen in Kauf zu nehmen. Hauptsächlich lag es daran, dass ich ihr nicht alles abkaufte und das ständige Wiederholen ihrer Zweifel nicht ausreichte, um ihre Gefühle glaubhaft zu machen. Doch warum ist das so? Nun, Emma ist Mitte, maximal Ende 20, sie ist selbstständige Webdesignerin und arbeitet von zu Hause aus, sie telefoniert mit ihren Kunden per Skype, und das ziemlich selbstbewusst. Sie ist kreativ, klug und ist sehr organisiert. Es wirkte auf mich fast schon schizophren, als ich las, dass sie verdammt nochmal nie das Haus verlässt, Angst vor Menschen hat, ihre Umwelt belügt und das seit 18 Monaten durchzieht. Natürlich wird der Hintergrund Stück für Stück offenbart, aber das war mir einfach nicht tiefgründig genug. Es geht um soziale Isolation, eine förmliche Selbstgeiselung, die mir inhaltlich zu oberflächlich gestaltet ist. Noch dazu habe ich schnell den Eindruck gewonnen, dass die Protagonistin ihre Ängste schnell fallen lassen kann.

Nichtsdestotrotz stellte die Autorin die Social Media – Welt infrage und lädt zum Nachdenken ein. Gerade Instagram lebt von dem Motto „Ich mach die Welt wie sie mir gefällt“. Nur wie viel davon ist Wahrheit? Wer sind die Menschen hinter den Accounts? Es geht um Verschleierung oder auch Selbstbetrug. Ich fand diesen Aspekt wahnsinnig spannend, gerade weil ich auch auf Instagram unterwegs bin. Der Protagonistin Emma muss man trotz ihrer Instagramscheinwelt zu Gute halten, dass sie sich wirklich um ihre Follower bemüht, die durch die unterschiedlichsten Menschen verkörpert werden.

Um sich der Instagramthematik noch näher zu fühlen sind putzige Details wie Hashtags, Followerkommentare oder Chatverläufe im Buch zu finden, immer passend zum jeweiligen Kapitel. Und definitiv ein Schmunzler wert. Ebenso wie der gegenwärtige, leichte Schreibstil, der in manchen kreativen Gefühlsausbruch der Protagonistin sogar ins Philosophische geht. Das einzig Nervige war an mancher Stelle die Wortwahl. Blicke, die sich „verschränken“ oder man erhöht die Tretkraft „signifikant“… What? Das störte meinen Lesefluss. Es passte einfach nicht zum Rest.

Ein Händchen bewies die Autorin dafür beim Setting. London in seinen schönsten Facetten. Orte, von denen jeder was gehört hat, unterlegt mit passenden Erinnerungen an Filme oder Songs. Dank des fast zu perfekten Schwamrs Nathan mit den honigfarbenen Augen und den stark wiedererkennbaren Nebendarstellern wie die Friseurin Brittany, die Vermieterin Mrs. Frampton oder Emmas Schwester Julia zeigte sich die Stadt von ihrer einnehmenden Seite. Ich bin mir zwar nicht sicher, ob die Briten wirklich so viel Alkohol trinken wie es in dieser Geschichte heißt, aber das nur nebenbei gesagt.

Zum Schluss freundete ich mich übrigens doch noch mit Emma an. Ehrlichkeit, den Blick nach vorn richten und auch mal Hilfe annehmen ist eben nicht verkehrt. Weiterhin war ich froh, dass keinerlei Fragen des Plots offen geblieben sind. Denn glaubt mir, so ziemlich jeder in diesem Buch schleppte ein kleines Geheimnis oder Problem mit sich herum, das schier gelöst werden musste!

Fazit:

Eine Liebesgeschichte bei der Selbsterkenntnis und Ehrlichkeit die Hauptrolle spielen. Für Londonliebhaber, Instagramhelden und Leser, die glückversprechende Geschichten mögen.

3 von 5 Pfoten

Könnt ihr die infrage stellenden Aspekte der heilen Instagramwelt nachvollziehen? Gefallen euch Bücher, in denen Social Media eine Rolle spielt?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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