Film & Buch „Drei Schritte zu dir“ von Rachael Lippincott, Mikki Daughtry, Tobias Iaconis – Zuerst kam der Film, dann erst das Buch, was gefiel mir besser?

Hallöchen meine Lieben,

es ist Freitag! Endlich, noch einmal Spätschicht, dann Wochenende. Meine Woche war gar nicht so schlimm wie es klingt, aber irgendwie zog sie sich trotzdem. Die Tage waren einfach sehr lang, aber meine To Do ist dafür geschrumpft. Allerdings steht dieser Beitrag noch drauf und den versuche ich jetzt einmal mit Leben zu füllen.

1,50 m Abstand in einer anderen Dimension

Die Idee, das Buch zu lesen und im Nachgang den Film zu schauen, reifte in mir seit der Film letztes Jahr im Kino erschien. Zwei junge Menschen, beide an Mukoviszidose erkrankt, beiden ist kein normales Leben gegönnt, beide mit unterschiedlicher Auffassung, wie sie mit ihrer Krankheit umgehen, begegnen sich im Krankenhaus. Für Stella & Will ist es bestimmt keine Liebe auf den ersten Blick, doch manchmal kommt es anders als man denkt. Das Problem ist, aufgrund ihrer Krankenakte müssen sie Abstand halten. Das bedeutet, sie dürfen sich nie und nimmer berühren! Bitte lasst das auf euch wirken und bedenkt dabei, dass die Beiden 17 Jahre alt sind und sich ineinander verknallen (das ist kein Spoiler). So blöd das klingt, aber die Geschichte von Stella und Will zeigte mir, dass die aktuellen Regelungen aufgrund von Corona doch ziemlicher Kikifax sind und wir es damit noch sehr leicht haben. Wahnsinn, was Stella für einen Aufwand betreibt, um überhaupt in Wills Nähe sein zu können. Ich sage nur Ganzkörperkondom, um überhaupt sein Zimmer betreten zu können. Weder im Buch, noch im Film wird irgendetwas beschönigt, was die Situation angeht.

Kreative Charaktere, liebevoll gezeichnete Nebendarsteller

Im Buch mochte ich die Protagonisten und Nebendarsteller sehr, sehr, sehr. Vor allem die Krankenschwester Barb und Stellas bester Freund Poe, der auch an Muko erkrankt ist, haben es mir angetan. Was mir wirklich gut gefallen hat, dass nicht nur die Hintergründe für das Doing von Stella und Will beleuchtet werden, sondern auch für alle anderen. Warum ist Barb so crass darauf bedacht, dass Will und Stella sich am besten gar nicht sehen? Warum stößt Poe jeden potenziellen Partner von sich? Warum kann Wills Mom ihm nicht seinem freien Willen überlassen? Warum versucht Stella es der ganzen Welt recht zu machen? Alle Fragen werden tiefgründig beantwortet und gerade zu Stella benötigte ich das sehr, denn zu Beginn musste ich wirklich mit ihr warm werden. Ihr akribischer Tagesablauf, das ständige Lächeln vor Freunden und Familie verstand ich zwar schon, aber es wirkte falsch, ja, nicht ehrlich. Stella und ich brauchten Zeit, doch das hat sich gelohnt. Mit dem rebellischen Will kam ich dagegen sofort klar. Er macht in jeder Situation deutlich, was man von ihm zu erwarten hat. Teilweise schon crass, doch warum Zeit verschwenden, wenn man wahrscheinlich keine mehr hat?

Boah, mich hat das emotional so gepackt

Das Buch ist abwechselnd aus Stellas oder Wills Ich-Perspektive geschrieben und umso weiter die Story fortschritt, umso weiter ich in ihr Leben, ihre Chancen, ihre Hoffnungen und Träume, ihre Versäumnisse und Gefühle eintauchte, um so mehr traf es mich mitten ins Herz. Gerade mal knapp 300 Seiten und es fühlte sich genau richtig so an. Rachael Lippincott schrieb die Geschichte als Roman zu einem Drehbuch. Das bedeutet, den Film gab es an sich zuerst. Allerdings nahm sich die Autorin anscheinend heraus, einige Handlungsstricke bezüglich der bereits oben genannten Nebendarsteller hinzuzufügen, die die Storyline mehr füllte als es der Film tat. Vielleicht wurden die Szenen auch einfach aus dem Film gestrichen, I don´t know. Der Film fokussierte dafür Wills & Stellas aufkeimende Zuneigung ganz wunderbar. Es waren allerhand Szenen zwischen Buch und Film identisch, genauso wie die Ansprache der Themen Leben, Tod, Trauer und Hoffnung. Das vorab Gelesene in Bildern zu sehen ist immer packend und als Sandra und ich den Film schauten, wurde es zunehmend stiller zwischen uns, weil wir die Mimik und Gestik der Schauspieler so aufsogen. Die Besetzung ist absolut großartig gewählt.

Ein bisschen Kritik

Die Quintessenz ist, dass mir das Buch besser gefallen hat. Film und Buch gleichzusetzen ist Schwachsinn, da zum Film doch ein bisschen mehr gehört. Nur gibt es Dinge, die meiner Meinung nach im Film, mit ein wenig mehr Feingefühl, hätten besser sein können. Die unterschiedliche Übersetzung der Dialoge zwischen Buch und Film meckere ich nicht, da die Themen trotz allem doch ziemlich gleich „abgehandelt“ wurden und genauso viel Emotion darin lag. Jetzt kommt das große Aber: Die Musik. Eine Lovestory, die so dramatisch daher kommt, sollte musikalisch deutlich untermalt sein. Ich kann euch sagen, mir ist nichts im Gedächtnis geblieben, geschweige denn, dass ich das Gefühl habe, dass überhaupt viel Melodie im Hintergrund vorhanden war. Warum wurde an diesem i-Tüpfelchen gespart? Keine Ahnung. Ebenso irritierte das abgewandelte Ende im Film. Sandra und ich schauten uns an und sagten nur „Wo ist das Ende geblieben?“. Für euch als Tipp, die eigentliche Szene wurde als Special in die alternativen Szenen gepackt. Das muss ich nicht verstehen.

Fazit:

Trotz der kleinen Kritikpunkte am Film vergebe ich die volle Punktzahl, einfach, weil der Jugendroman großartig vielschichtig und berührend ist, sich emotional langsam aufbaut und die Nebendarsteller Farbe bekommen statt im Hintergrund zu bleiben.

5 von 5 Pfoten

Sandras Beitrag findet ihr übrigens hier.

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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