„Ein Song bleibt für immer“ von Alice Peterson – authentisch, bewegend, schnelllebig

Einen wunderschönen guten Tag liebste Buchmenschen,

jetzt ist schon wieder Mittwoch! Da ich Montag frei hatte, fühlt sich die Woche noch nicht wirklich fortgeschritten an. Naja, spätestens zum Samstagsdienst hat sich das bestimmt wieder erledigt. Wie läuft eure Woche? Was lest ihr aktuell? Ich bin momentan in NA- und Liebesroman-Laune, daher gibt es heute eine passende Rezension dazu. „Ein Song bleibt für immer“ hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck, lest selbst:

RIP Alice Martineau

Allgemein:

Alice Peterson schrieb mit „Ein Song bleibt für immer“ die dramatische Geschichte um Alice, die seit ihrer Geburt an Mukoviszidose leidet. Die Lungenkrankheit hält sie allerdings nicht davon ab, ihr Leben, unter schwersten Bedingungen, so normal wie möglich zu führen und zu versuchen ihren größten Traum wahr werden zu lassen – eine berühmte Sängerin zu werden. Ihre Familie und ihr Liebe Tom stehen ihr zur Seite bis es Alice unweigerlich schlechter geht. Der einzige Weg zur Rettung: Eine Transplantation. Bastei Lübbe veröffentlichte den Roman, der zum Teil auf dem Leben der britischen Sängerin Alice Martineau beruht, 2018 in Deutschland.

Mein Bild:

Ich wusste eindeutig nicht, was auf mich zukam, als ich bei einem Leserportal ein paar Punkte für dieses Buch einlöste. Mir gefiel das farbenfrohe Cover, dass eine frühlingshafte Stimmung in mir hervorrief. Ok, die Protagonistin ist krank, aber ich dachte, das es bestimmt eine Story mit einem glücklichen Verlauf ist. Ich hätte mich mehr belesen müssen, denn das Buch weckte in mir tiefe Empfindungen und rührte mich zutiefst. Also nichts mit locker, leichter Lovestory.

Die Autorin Alice Peterson nutzte als Grundgerüst die Lebensgeschichte der britischen Sängerin Alice Martineau, die 2002 ihrer Krankheit erlag und das kurz nachdem sie den langersehnten Plattenvertrag in der Tasche hatte. Die Autorin recherchierte haargenau, sprach mit Familie, Freunden, Musikern, nutzte sogar Alice Martineaus Songtexte, die wirklich wunderschön sind, für den Roman. Ebenso setzte sie sich mit der Krankheit Mukoviszidose intensiv auseinander und baute aufgrund einer eigenen chronischen Erkrankung ein Verständnis dafür auf, dass kein Laie aufbringen könnte. Zumindest lese ich das auf jeder Seite dieses Buches heraus! Ich habe nach dem Ende des Buches nach Alice Martineau im Internet gesucht. Ich wurde fündig und hörte ihre Songs, deren Texte ich zuvor gelesen hatte. Aus Fiktion wurde für mich greifbare Realität… Ich ließ ein paar Tränen.

Ich kann nicht genau sagen, welche Handlungsstränge fiktiv sind, aber ich habe so meine Vermutungen bezüglich Alice wahnsinnig tollen Freundinnen, mit denen sie die „Anti-Selbsthilfegruppe“ gründet. Aber genau diese drei Frauen zeigen diesen unbändigen Lebenswillen, den ich sehr bewundere. Ebenso wie Alice toughe, lebensfrohe Art, mit der sie ihre Ziele verfolgt. Ich mochte sie total, auch wenn ich kaum eine Entwicklung sah. Sie war einfach immer die gleiche Alice von Anfang bis Ende des Buches. Und ich verstand das. Denn egal, was sie tat, ihre Krankheit hemmte ihr Leben in vielen Aspekten. Sie konnte nicht von zu Hause ausziehen, studieren, lange reisen, sich beruflich weiterentwickeln. Die Beschreibungen dafür sind beispielhaft, verständlich und hart. Es war authentisch, teilweise grausam, ich glaubte alles und wünschte mir umso mehr, dass Alice das bekam, was sie sich wünschte. Gott, die letzten Seiten habe ich echt hinausgezögert, aus Angst, dass mir das Ende nicht gefallen würde.

Die gut durchdachte Storyline zieht sich vom Jahr 1998 bis 2002, also ein ziemlicher langer Zeitraum für 425 Seiten. Das merkt man leider auch, denn am Anfang der Geschichte lagen zwischen den Kapiteln und Leseabschnitten nur Tage und Wochen, denen im Verlauf schlussendlich ganze Monate fehlten. Die zeitlichen Sprünge wurden riesig. Das fand ich unausgewogen. Ich kann mir nur vorstellen, dass sich die Autorin auf markante Eckpunkte in Alice Leben konzentriert wollte. Der flüssige Schreibstil unterstrich jedoch die emotionalen Bilder in meinem Kopf, genauso wie die verschiedenen Erzählperspektiven: Zum einen Alice Ich-Perspektive, dann die personale Perspektive von Tom und die Tagebucheinträge von Alice Mum, die auch in der Ich-Perspektive verfasst sind. An Abwechslung und Sichtweisen, gerade zum Alltag mit der Krankheit und den Ängsten darum, hat es definitiv nicht gefehlt. Allerdings mag ich es lieber, wenn alle Perspektiven die gleiche Form nutzen, um beim Lesen eines so mitreißenden Buches nicht aus dem Flow gerissen zu werden. Also im Klartext, ich mochte Tom, aber optimal wäre seine Ich-Perspektive gewesen.

Ich werde das Buch nicht vergessen. Ich habe von Alice und ihren Herzensmenschen gelernt, mit ihnen gebangt, mitgefiebert und Alice singen hören. Ihre Geschichte hat auf jeden Fall noch mehr Aufmerksamkeit verdient.

Fazit:

Ein rundum authentischer und emotionaler Roman, der dem Leser sowohl die Tränen der Freude als auch der Traurigkeit entlockt. Lasst Alice in eure Herzen, selbst wenn Zeitsprünge und Perspektivenwechsel manchmal zu viel des Guten sind.

4 von 5 Pfoten

Was haltet ihr von autobiografischen Romanen? Sind sie für euch greifbarer als rein fiktionale Geschichten?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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