„Die letzte Dichterin“ von Katharina Seck – Viel mehr als ein Märchen, so wahr, so fesselnd, mit Tiefgang, für einen Booknerd der absolute Rausch

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Hello bookish People,

heute ist Mittwoch, richtig? So ein Feiertag am Wochenenanfang kann manchmal wirklich verwirren. Mir kommt es schon wieder vor als würde die Zeit rasen. Ich wollte doch noch so viel machen. Ich habe mal gehört, man soll sich nie mehr als 3 Punkte am Tag vornehmen, weil mehr eh nicht machbar wäre. Inzwischen glaube ich, dass das der Realität sehr nahe kommt. Aber eine Rezension sollte möglich sein und ich mochte dieses Buch sehr, sehr, sehr!

Künste erschaffen eine Magie ohnegleichen, selbst in der realen Welt sollte man das nie vergessen

Allgemein:

Katharina Seck ist eine deutsche Autorin, die sowohl fantastische als auch Gegenwartsliteratur schreibt. 2017 wurde ihr Debütroman „Die silberne Königin“ mit einem Literaturpreis ausgezeichnet. Inzwischen folgten weitere Romane, unter anderem der Fantasy-Einzelband „Die letzte Dichterin“, der Anfang 2020 bei Bastei Lübbe erschien. Innerhalb der Geschichte landet der Leser bzw. die Leserin im Land Phantopien, das einmal berühmt für seine Magie und dem Ausleben der 4 Künste war. Doch außer in der unauffindbaren Hauptstadt Fernab, scheint jegliche Magie verloren zu sein. Die Geschichtenerzählerin Minna reist durch Phantopien, um den Menschen mit honigsüßer Stimme einen Hauch der alten Zeit wiederzugeben. Leichter gesagt als getan, bis sie die Chance bekommt an einem Dichterwettstreit in Fernab teilzunehmen. Das Schicksal bringt sie mit dem angehenden Schatzsucher Finn zusammen, der sein bisheriges Leben eher wie ein Dieb verbracht hat. Was beide nicht wissen, Phantopiens Magie soll wieder zurückkehren, dafür will die Königin einen dunklen Plan umsetzen. Die Frage ist nur, zu welchem Preis?

Mein Bild:

Ich glaube, das Buch wäre als Hardcover glatt noch schöner gewesen. Doch der Einstieg über das Bildnis eines aufgeschlagenen Buches und einer Frau, die durch ein Tor auf ein scheinbar wunderschönes Schloss zugeht, war sehr einladend. Als würde das Buch sagen „Begleite mich!“. Dem Aufruf bin ich gefolgt und was soll ich sagen, außer, dass ich es kein Stück bereue. Katharina Seck war mir bisher eine Unbekannte. Als Liebhaberin schöner Cover fiel mir ihr Buch „Tochter des dunklen Waldes“ bereits auf, aber gelesen habe ich es nicht. Inzwischen frage ich mich, wie ich mich dem nur verwehren konnte.

Der Schreibstil der Autorin ist schwerlich in Worte zu fassen. Ich weiß nicht, ob ihr Schreibstil immer so punktgenau zur Geschichte passt, doch hier war es der Fall. Märchenhaft, melodisch, mitfühlend, altertümlich mit einem modernen Schliff und auch gesellschaftskritisch. Kurz um, ein literarischer Augenschmaus. Der Aufbau der Storyline ist in 3 Abschnitte unterteilt, die im Buch ebenfalls ersichtlich sind. Zum einen die Reise nach Fernab, die ich durch eine im Buch untergebrachte Karte verfolgen konnte, der Aufenthalt in der Stadt und schlussendlich der Showdown, der alle Magie zurückbringen soll.

Der Weltenaufbau besitzt etwas Historisches, obwohl ich mich in der Epoche nicht festlegen möchte, schließlich ist es Fantasy. Eine Zeit, in der Wälder gefährlich waren, in dem Dorfschenken von Bauern aufgesucht und Kaufleute immer reicher wurden, Räuberbanden und Geschichtenerzähler durch die Lande zogen. Anders als in einem historischen Roman weiß aber jeder, dass Zauberei, ja, Magie einmal im großen Stil existierte. In den Wäldern gab es Nymphen, Stroh zu Gold zu spinnen war möglich und hinter vergoldeten Spiegel taten sich andere Welten auf. Ich fühlte mich wie in Grimms Märchen oder in einer Hommage an Cornelia Funkes „Tintenherz“ versetzt. Dementsprechend markierte ich mir etliche Stellen im Buch.

Am besten jedoch sind die Charaktere gelungen. Man nehme verschiedene Sagen- und Märchenfiguren und verpasse ihnen ein facettenreiches Upgrade. Zack, haben wir Minna Fabelreich, Finn Minengräber, Königin Malwine Wüstenherz und Gabensucher Valerian Ohneruh – die Namen sind Programm. Zu Beginn lernte ich vor allem Minna und Finn besser kennen, wusste schnell wie sie tickten, welche Motive bzw. Ziele sie verfolgten, aber auch welche Zweifel sie plagten. Zwei Reisende, die mein Herz schnell eroberten. Die Königin und der Gabensucher öffneten vorerst nur ihre dunkle Seite für mich. Ihre negativen Gefühle erschienen vorerst schleierhaft, da sich mir die Beweggründe nicht erschlossen. Stück für Stück setzten sich die Teile zusammen, so dass ich meine Meinung über über Malwine und Valerian änderte. Katharina Seck spielte damit ein wenig das Schubladendenken aus. Ein sehr schöner Twist. Übrigens offenbarte sich der Tiefgang bei den Charakteren auch in den Überschriften desjenigen, den ich in personaler Perspektive begleitete. Beispielsweise wurde dem „Gabensucher“ irgendwann „Valerian“. Generell entwickelten sich die Figuren über den Plot hinweg in die passende Richtung, ohne dass es wirkt wie „die Moral von der Geschicht“, sondern eben total natürlich.

Die Handlungsstränge bewiesen nicht nur Abwechslung, sondern auch, dass die Autorin die Begabung besitzt, diese sinnvoll zu trennen und wieder zusammenzuführen. Einzelnen Figuren an verschiedenen Orten zu folgen oder von mehreren Figuren dieselbe Situation aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, war mega spannend. Kleine Kniffs in Form von Settingdetails wie einem magischen Flimmerlicht und einem Unterwasserkerker oder Rückblicke auf die Vergangenheit der Figuren rundeten die Story ab. Mir blieben keine Fragen offen. Wer jetzt überlegt, ob das Buch nicht zu viel Input bietet, den kann ich beruhigen. Der rote Faden geht nicht verloren, denn es dreht sich um die Magie, die Künste und wie sie durch die handelnden Figuren in Phantopien erneut erstrahlen kann.

Der Showdown sollte die Lösung für dieses Problem liefern. Ich fieberte förmlich daraufhin. Im Groben wurde mir vorher geliefert, was benötigt wurde, aber die Antwort auf die Frage nach dem Wie kam erst zum Schluss. Es hob mich nicht aus den Socken, aber das Ende der Figuren überraschte mich immens. Ein typischer Märchenabschluss blieb also aus. Ich stellte mir wirklich die Frage, ob ich das gewollt hätte – getreu dem Motto „Sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage“. Ich denke nicht. Katharina Seck beabsichtigte keine Klischees zu bedienen, sonder Individuen zu erschaffen. Und das ist ihr gelungen.

Fazit:

Ein Abenteuer – Märchen für Jugendliche und Erwachsene mit individuellen Charakteren ohne oberflächliches Getöse. Literarische Fantasy, eine Heldenreise, eine Hommage an die Gebrüder Grimm und Cornelia Funke, das alles steckt in „Die letzte Dichterin“ – absolute Empfehlung.

5 von 5 Pfoten

Märchenähnliche Fantasy ja oder nein? Was sagt ihr?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

*Das Buch wurde mir kostenfrei vom Verlag als Rezensionsexemplar zugesandt, meine Meinung bleibt davon unberührt

5 Kommentare

  1. Liebe Tina,

    das hört sich wirklich toll an. Alleine die Namen sind ja klasse!
    Ich werde mir das Buch mal merken.

    Lieben Dank für die Empfehlung!
    Petrissa

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