Rezi das dunkle Archiv

„Das dunkle Archiv“ von Genevieve Cogman – Indiana Jones meets Sherlock Holmes im New York der 20er Jahre

Guten Morgen liebste Buchmenschen,

nachdem ich gestern nach 2 Tagen Schlafmangel fix und foxy war, ging nichts mehr. Gut, dass ich die Rezension zu diesem Buch schon fertig hatte. Ja, sie ist etwas länger geworden, aber ich mag diese Bücher sooo gern und ich finde, sie haben Beachtung verdient! Also auf gehts:

Wie gerissene Gangster und arrogante Drachen die Bücherjägerin durch halb New York verfolgten

Allgemein:

In der Reihe um „Die unsichtbare Bibliothek“ erschien 2018 mit „Das dunkle Archiv“ der 4. Teil im Bastei Lübbe – Verlag. Die Autorin Genevieve Cogman schickt ihre Heldin Irene Winters erneut auf eine Mission, die gelingen muss, sonst verliert die Bibliothekarin alles. Was ist dran an dem Gerücht, dass ein Bibliothekar die Drachen bei der Suche eine Buches unterstützt? Es ist ein schwerwiegender Fehler sich in die politische Angelegenheiten eines magischen Volkes einzumischen und damit die Neutralität der Bibliothek in allen Parallelwelten gefährdet. Irene und ihr Lehrling Kai machen sich auf in „ein“ New York der 20er Jahre, um dem vermeintlichen Bücherjäger zuvor zukommen.

Mein Bild:

Seit ich auf der Leipziger Buchmesse erfahren habe, dass ein 5. Band erscheinen wird, wusste ich, dass ich den 4. Band endlich lesen muss. Die über 400 Seiten Paperback erstrahlen in dem inzwischen bekannten historisch-verschnirkelten Look und einer Stadtansicht, die dieses Mal den Hinweis auf die Metropole New York gibt. Ein wenig erschrocken bin ich über die Pistolen, die nicht nur das Cover, sondern auch die Seitenzahlen und Kapitelüberschriften zieren. Die „Symbolik“ erschloss sich mir beim Lesen jedoch schnell, denn es geht mit ordentlich Munition zur Sache.

Im Klappentext wird damit geworben, dass es eine in sich geschlossene Geschichte ist und ich kann das bestätigen. Die Autorin hat es über Rückblenden und Nebendarstellungen geschafft, dass der Leser die Komplexität der Reihe erfassen kann ohne die Vorgängerbände gelesen zu haben. Details, die nicht in Gänze erläutert werden, spielen kaum eine Rolle.

Zudem hat mich Genevieve Cogman wieder einmal mit ihrer Logik und ihrem Einfallsreichtum überrascht. Sie nutzt einfach den Zugang zu Parallelwelten um außergewöhnliche Geschichten zu erschaffen. Politisch neutraler Ausgangspunkt ist dabei immer die unsichtbare Bibliothek, die ihre Bibliothekare aus verschiedenen Gründen auf Bücherjagd in magische oder auch solide Welten schickt. Nichts scheint unmöglich! Dabei spielen zwei Völker in diesen Welten eine wesentliche Rolle: Zum einen die Elfen, die für das Chaos und Drama stehen, zum anderen deren Feinde, die ordnungsliebenden Drachen (die in diesem Band übrigens eine größere Rolle intus haben). Beide Parteien beeinflussen jene Welten politisch wie auch magisch. Neben diesen trifft der Leser natürlich auch auf Menschen, aber ebenso können Vampire und Werwölfe ins Spiel kommen. Klingt skurril, macht jedoch einen heiden Spaß.

Allerdings verwirrte mich der Einstieg in Form einer E-Mail-Korrespondenz aus der Biblitohek. Mir leuchtete der Inhalte erst später ein und ich finde, dann kann man diese Art von Prolog auch sein lassen. Dewegen empfehle ich, lasst es weg, lest die Mail zum Schluss und begebt euch lieber gleich zu Kapitel 1, denn das hat es in sich: Rein ins Abenteuer ohne Vorgeplänkel!

Erneut begleite ich die Bibliothekarin Irene Winters, deren Loyalität zur unsichtbaren Bibliothek auf die Probe gestellt wird. Sie ist ein bemerkenswerter Charakter mit dem Herzen am rechten Fleck. Ich bin der Meinung, dass sie mehrere zeitliche Epochen in einer Person vereint und ein absolutes Ausnahmetalent in der Bücherjagd ist. Ich vergöttere sie, sie is the one and only Booknerd. Irene kann zudem, ohne mit der Wimper zu zucken, in die verschiedensten Rollen schlüpfen und trotzdem sehe ich sie selbst immer durchblitzen. Ich zitterte, lachte und war gebannt wie Irene, ob man ihr die jeweilige Rolle abkaufte oder nicht – Ein Katz und Mausspiel!

Und ich sage euch, das ganze Buch war ein Katz- und Mausspiel, denn sie und Kai wurden von den verschiedensten Gruppen verfolgt, die entweder einer höheren Macht oder einfach „nur“ Kriminellen angehörten. Das Setting spielte dabei eine wesentliche Rolle. Die Autorin greift den Puls der 20er in New York filmreif auf. Flüsterkneipen, Prohibition, Gangster mit Knarren, bestechliche Polizisten, die typische Mode, prall gefüllte Straßen, aber ebenso Vorurteile und eine gewisse Rücksichtslosigkeit. Trotzdem ging mir die ständigen Verfolgungsjagden nach einer gewissen Zeit auf die Nerven. Weniger davon hätte nicht geschadet, dafür mehr Bezug zum Buch und die Bibliothek(en)! Das titelgebende Archiv spielt nämlich kaum eine Rolle. Das fand ich dermaßen schade, vor allem weil der Klappentext doch genau das versprach.

Unterbrochen werden die Verfolgungsjagden und Verhöre nur durch die Darstellungen der Protagonisten, die allesamt gelungen sind, wenn auch manchmal stereotypisch daherkommen. Ich hatte Bilder vor Augen und könnte selbst die Nebencharaktere sehr genau beschreiben.

Von unserem Dream-Team Kai und Irene ganz zu schweigen. Die Dialoge der Beiden leben von Charme, einen smarten Austausch und davon, dass Irene als Kais Vorgesetzte die Hosen anhat. Nicht zu vergessen, das Knistern, das spürbar in der Luft hängt.

Sprachlich ist die Story eine absolute Empfehlung. Sie liest sich leicht und verständlich, hat aber eine gewisse literarische Note aus einer anderen Zeit. Ich finde, das muss man genießen, obwohl die Story zu einem wahren Pageturner mutiert. Dafür sorgen Minicliffhanger am Ende der Kapitel und viele, nicht vorhersehbarer, Plottwists. Was wirklich unter keine Kuhhaut geht, waren meine Wünsche, die auf einmal in Erfüllung gingen. Wie ich das meine? Beispielsweise teilte sich der Handlungsstrang nach der Hälfte des Buches und ich wünschte mir einen Perspektivenwechsel, um alles miterleben zu können – Und zack, es kam so, ich war völlig überrascht, weil ich bis dato nur Irenes personale Perspektive kannte. Mir schien es so, als hätte die Autorin sich bereits vorab mit den Wünschen ihrer Leser beschäftigt.

Das Ende erstaunte mich, weil ich zuvor auf eine andere Fährte gelockt wurde. Umso zufriedener bin ich nun und freue mich auf den nächsten Band „Das tödliche Wort“.

Fazit:

Unabhängig von den anderen Büchern der Reihe lesbar – Für Fantasy-Fans, die gern durch die Zeit reisen, rasante Verfolgungsjagden und komplexe Welten lieben. Für magische und spannungsgeladene Momente ist gesorgt.

4 von 5 Pfoten

Was haltet ihr von Reihen, in denen man die Bände unabhängig von den anderen lesen kann?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

2 Kommentare

  1. Liebe Tina, ich kenne die Reihe tatsächlich nicht du hast mich aber auf jeden Fall neugierig darauf gemacht. Eine tolle Rezension, die du da geschrieben hast! <3

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