Blick ins Buch – „Fabula – Das Portal der dreizehn Reiche“ von Akram El-Bahay

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Happy Bookbirthday an Fabula!

Völlig überraschend traf das Buch bereits vor einigen Wochen bei mir ein und ich habe mich echt gefreut, einfach, weil der Autor mich damals mit seiner „Bibliothek der flüsternenden Schatten“ in eine Welt voller magischer Wesen und einer Geschichte, die einem breitgefächerten, epischen Märchen gleich kam, überzeugte. Ähnlich ging es mir mit Fabula.

Zwerge, Riesen, Sirenenelfen, Kobolde, Wassermänner, Einhörner, kopflose Reiter… Alles in einer Geschichte? Unmöglich? Nicht hier!

Stell dir vor, du besuchst einen dir allzu bekannten Park an einem warmen Sommertag. Es ist fast alles wie immer. Fast. Bis auf dieser Baum, der so einzigartig wirkt, dass er keinem dir bekannten gleicht. Dessen Schatten so dunkel ist, dass man nichts erkennen kann. Und ist das etwa eine Elfe? Du schüttelst den Kopf. Das kann nicht sein! So ähnlich geht es dem 13-jährigen Will bei einem Schulausflug, der ihn genauso wenig interessiert wie die Zeitung von gestern. Bis ihm mitten im belebten New Yorker Central Park ein kleines Wesen mit durchsichtigen Flügeln begegnet. Seine neunmalkluge Zwillingsschwester Charlotte hält ihn für übergeschnappt. Doch als sie zuhause ankommen und eine waschechte Furie in ihrer Küche steht, wissen sie, dass irgendetwas überhaupt nicht stimmt. Vor allem, weil ihre geliebte Mutter spurlos verschwunden ist. Der Trip in eine andere Welt beginnt, die Suche ihrer Mutter, die sie kaum atmen lässt und der Fingerzeig ihres persönlichen Ursprungs, der sich offenbart.

Zunächst einmal große Hardcoverliebe. Auffallend bunt, verschnirkelt mit den beiden Hauptcharakteren auf den beiden Seiten des ominösen Baumes. Dazu noch die Feenzeichen für die Reiche Fabulas, die ebenso die Kapitelüberschriften zieren. Kleiner Fehler dabei: Auf dem Cover zeigen sich nur 12 der 13. Das könnte bei dem ein oder anderen Lesenden Fragen aufwerfen. Für euch zur Beruhigung, das klärt sich ganz bestimmt. Die Innenklappe zeigt zusätzlich noch „Aufzeichnungen“ von Figuren Fabulas und weitere kleine Details, die die Fantasie befeuern und den Inhalt ergänzen. Das ist schon cool. Der Verlag empfiehlt die knapp 350 Seiten für Lesende ab 10 Jahre. Das unterschreibe ich so. Komplex, aber farbenfroh und mit genau dem richtigen Maß an Spannung. Für Erwachsene allerdings ist es doch vorhersehbar. Dazu komme ich gleich. Ach, und bevor ich es vergesse. Zum Schluss gibt es ein kleines Quiz, dass den Lesenden einem Charakter zuordnet. Ich finds witzig eine Sirenenelfe zu sein.

Akram El-Bahay beginnt seine Geschichte mit einem magisch-mystischen Prolog wie ein Geschichtenerzähler. Es fühlt sich an, wie ein Stück Vergangenheit, das Jahre später den Faden wieder aufnimmt. Das ist wichtig, so dass sich niemals jemand fragen muss, wieso dieses oder jenes passiert ist. Jede einzelne Frage wird beantwortet, kein Detail bleibt offen und das innerhalb der kompletten Story. Ihr könnt euch wohl vorstellen, wie viele Fragen ich mir gestellt habe als ich mit Will und Charlotte nach Fabula gereist bin – einer völlig neuen Welt. Ok, manche Antwort ließ mich bewusst warten, um genau in den richtigen Augenblick zu erscheinen. Andere Antworten lagen so glasklar auf den Servierteller, dass ich mich gefragt habe, wie Will und Charlotte so auf dem Schlauch stehen konnten. Beispielsweise, in welchen Zusammenhang die Eltern der beiden mit Fabula stehen und wie langsam sie ihrem eigenen Ursprung auf die Schliche kommen. Allerdings stießen die beiden auf einige wundersame Ereignisse und Probleme.

Fabula könnt ihr euch vorstellen als eine Mischung aus Phantasien (unendliche Geschichte), Mittelerde (Herr der Ringe/Hobbit), die Harry Potter Welt, dem letzten Einhorn und Endor (den Waldmond der Ewoks aus Star Wars). Klingt irre? Ja, nur ist es so cool. Will und Charlotte erkundeten diese Welt zudem auf simple Art und Weise. Zum einen durch Hilfsmittel, die bestimmte Tätigkeiten effizienter gestalten (magisch, versteht sich), zum anderen, weil in Fabula fußläufig Orte aufgrund eines Stadtviertelschemas schnell erreicht sind. Eine Karte wäre wunderbar gewesen. Ich glaube, das fehlt mir in der Gestaltung. Ich mochte das Dorf der Jäger hoch in den Bäumen, ging gern durch das Viertel der kleinen Wesen, hatte Höhenangst auf dem Turm des Erzählers und möchte niemals im Schlund gefangen sein.

Passend dazu hat sich Akram El-Bahay bekannte wie auch, für mich, neue Fabelwesen als BewohnerInnen zunutze gemacht. Es werden viele Mythen vermischt. Gute wie böse Gestalten begegneten mir. An mancher Stelle war mir das zu viel in die schwarze oder weiße Richtung gedacht. Es gibt schließlich genauso grau. Niemand vereint nur einen Schwerpunkt in sich. Dafür gibts einen großen Punkt für die Gleichberechtigung und die Rolle der Frau, insbesondere bei der Herrschaft über Fabula.

Besonders ans Herz gewachsen ist mir übrigens Orion, ein Vertreter des Volkes der Jäger – ein sehr hochgewachsenes Völkchen. Seine Eigenschaften werden auf humorvolle Weise hervorgehoben und wiederholt. Ich hab so oft gelesen, dass er dieses oder jenes nicht empfiehlt, weil er es selbst aus eigener Erfahrung weiß – die Schmunzler sind hier vorprogrammiert. Trotzdem hegt er ein Grundvertrauen in die Dinge des Lebens, sodass ich mir denke, davon könnte ich mir eine Scheibe abschneiden. Er bevormundet Will und Charlotte nicht, beschützt sie dennoch mit all seinen Mitteln – ein toller Freund. Die Jäger sind eines von vielen Völkern in Fabula. Einige Vertreter*innen lernte ich detailliert kennen und das nicht nur durch die Beschreibungen der einzelnen Perspektive, sondern verschriftlichte Informationen – quasi ein Guide (mehr verrate ich an dieser Stelle nicht). Natürlich gibt es typische Eigenschaften bei bekannten Figuren wie zum Beispiel den Zwergen. Trotz der Fülle fühlte ich mich nie überfordert, sondern sah die Bilder vor meinem geistigen Auge entstehen. Lasst eurer Fantasie also freien Lauf.

Will und Charlotte verkörperten ein gewisses Geschwisterklischee. Er, der „Lausbub“, der sich aus allem rausredet und super Geschichten erfindet und den Tag gern so verbringt, wie er kommt, jedoch nie von der Frage los lassen kann, was mit seinem Vater passiert ist. Sie, die „Vorzeigeschülerin“, verantwortungsbewusst, klug, beliebt und in ständiger Sorge um ihren Bruder. Glücklicherweise streiten sie nicht ernsthaft, stattdessen gibt es eine Zwillingen oft nachgesagte Kommunikation ohne Worte. Hilfreich und weniger zickig. Beide Perspektiven besaßen ihren eigenen Reiz, wobei ich Will öfter begleitete. Ich denke, der Grund dafür ist, dass er furchtbar neugierig ist und die Augenblicke anders aufsaugt als seine Schwester. Lockerer, finde ich. Im Laufe der Handlung legen beide eine Entwicklung hin, die sie in neue Richtungen gehen ließen. Die Motivation, verborgene Talente zu fördern bzw. sich zu nutze zu machen, sehe ich als wichtige Botschaft an.

Eine weitere wichtige Botschaft, die innerhalb der Handlung verwoben wurde ist, dass ohne Fantasie und ohne, dass sie jemand nutzt bzw. davon erzählt, keine Geschichten existieren würden und damit ein wichtiges Fundament, ja, ganze Welten ausgelöscht wären. Das erinnert wieder an die unendliche Geschichte, ich weiß. Ich kann jedoch nie genug davon bekommen, wenn eine Geschichte in einer Geschichte erzählt wird. Diese Abenteuerreise ist nicht nur märchenhaft erzählt, besitzt nicht nur spaßige Momente, sondern es ruht ein gewisser Ernst darin. Kein Tag geht spurlos an jemanden vorbei. Nicht jede Entscheidung wird mit Freuden ausgesprochen. Es werden Kämpfe ausgefochten, Rätsel gelöst und Ängste überwunden. Ich langweilte mich nie, mochte die gewitzten Dialoge und den Mix dieser Welt.

Willkommen in Fabula – Ihre werdet euch wie zuhause fühlen und trotzdem Neues entdecken! Daher klare Leseempfehlung.

Liebe Grüße Tina (& Leo)

*Das Buch wurde mir kostenfrei als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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