2 in 1 Rezension zu „Macbeth“ von William Shakespeare – Lesen und verstehen, für die eine schwer, für die andere einfach

Hallöchen liebste Buchmenschen,

erneut hat die #readingclassics – Lesegruppe eine Wahl getroffen! Gelesen wurde zwischen April und Mai ein Shakespeare, so richtig, keine Adaption, höchstens die deutsche Übersetzung. Und das Fazit aller war: Das ist nicht einfach zu lesen. Celina und ich sind uns zudem einig hier, wie bei so manch anderem Klassiker, keine Pfoten-Bewertung abzugeben. Man kann „Macbeth“ einfach nicht mit dem gegenwärtigen Maßstab zeitgenössischer Literatur vergleichen. Das wäre fast schon zu fies.

Bevor wir zu unseren Kurzmeinungen kommen, gibts einen kleinen Macbeth – Crashkurs für alle, die eher noch „Romeo und Julia“ oder eventuell noch „Hamlet“ von Shakespeare kennen, darüber hinaus aber kaum Berührungspunkte hatten:

  • Die Tragödie entstand Anfang des 17. Jahrhunderts
  • Die Story ist in 5 Akten mit etlichen Szenen und allerhand Charakteren ausgestattet
  • Aufgebaut ist das Ganze als Theaterstück (Drehbuchcharakter) und die Dialoge sind in Versform verfasst
  • Grundsätzlich wird die Geschichte des Heerführers Macbeth erzählt, der siegreich für Schottland gekämpft hat und dem prophezeit wird für Höheres bestimmt zu sein. Sein Weg über diverse Gräuel- und Mordtaten führt ihn auf den Thron von Schottland. Doch ob das wirklich langfristig gut geht?

Ich hab mich in die Schulzeit zurück versetzt gefühlt

(sagt Tina)

Nicht mal 130 Seiten. Das ist doch ein Klacks, da brauchste nicht lange, dachte ich. Im Endeffekt habe ich nicht lange gebraucht, doch es war eine Herausforderung. Texte zu verstehen, die mit vielen, mir nicht wirklich bekannten, altbackenen Wörtern gespickt sind, habe ich ewig nicht mehr in so einer Vielzahl gelesen. Ich erinnerte mich an meine Schulzeit und die vielen Interpretationen zu Klassikern. Damals nahmen wir „Romeo und Julia“ im Klassenverbund mit unserer Deutschlehrerin und (jetzt kommts) zusätzlich der Leo DiCaprio – Verfilmung auseinander. Mit „Macbeth“ saß ich nun 18 Jahre nach meiner Schullaufbahn allein da. Es liest sich schnell, so viel ist es ja nicht. Begriffen habe ich den Inhalt trotzdem oft erst als ich die einzelne Szene komplett gelesen habe. Für mich gab es also den „Aha, darum gehts gerade“ – Effekt erst zum Schluss einer Situation. Ich kam mir beim Lesen teilweise echt dumm vor, weil ich die Dialoge nicht sofort begriff. Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, weil die Handlung selbst relativ geradlinig ist: Heerführer intrigiert, tötet, wird König, irgendjemand kriegt es mit, Spieß dreht sich. Komplex wurde es dennoch durch die einzelnen Charaktere. Ich danke für die Auflistung und die förmliche Erläuterung, welcher Adel wohin gehört, auf der ersten Seite. Das hat geholfen. Die Reichen und Schönen haben es mir im Buch nicht so angetan wie die Hexen. Die mochte ich einfach am liebsten. So richtig traditionell, auch in ihren Zaubersprüchen und Humor – so soll es sein. Die bringen das Rad ins rollen, schubsen es weiter und nehmen dabei wenig Platz ein. Ich denke, nochmal werde ich „Macbeth“ nicht lesen. Wahrscheinlich liegt es auch an der Übersetzung von Dorothea Tieck, die erstmals 1833 erschien. Im Englischen soll es viel besser sein. Was ich mir allerdings antun würde: Das Theaterstück. Die beschriebenen Settings und Effekte machen auf der Bühne bestimmt einiges her.

Ich hatte keine Ahnung was mich erwartete

(sagt Celina)

William Shakespeare gehört zu meinen Lieblingsautoren des Dramas. In der Schule hatte ich „Romeo & Julia“ und „Hamlet“ von ihm gelesen. Beide Werke hatten mich mehr als überrascht und überzeugt. Ich habe mich in beide Werke verliebt, weshalb es für mich mehr als logisch war, dass ich „Macbeth“ auch noch von ihm lesen möchte. Zusammen mit Reading Classics habe ich diesen Plan endlich in die Tat umgesetzt und mich außerhalb der Schule an ein weiteres Drama herangewagt.

Zunächst muss ich sagen, dass ich keine Ahnung hatte, wer oder was Macbeth ist. Allerdings hatte ich aufgrund meiner Erfahrungen hohe Erwartungen an das Drama, auch wenn ich nicht ganz wusste, worum es überhaupt geht. Macbeth ist der Anführer des königlichen Heeres und trifft am Anfang des Dramas auf drei Hexen, die ihm die Zukunft vorhersagen. An diesen drei Hexen hat mir gefallen, dass sie in Reimen gesprochen haben, denn ich konnte dies besser lesen und verstehen als den Rest des Dramas, welcher nicht in Reimform geschrieben ist. In dem Werk ist die Besessenheit von Macht seitens Macbeth und seiner Frau stark spürbar, denn sie versuchen alles um die Zukunft, wie sie vorhergesagt wurde, Wirklichkeit werden zulassen. Allerdings wäre es kein Drama, wenn es keine Katastrophen geben würde und ich muss ehrlich sagen, dass ich sie sehr vorhersehbar fand. Sowohl in Hamlet als auch in Romeo und Julia fand ich die Katastrophe überraschender als in Macbeth. Es gab ein paar Stellen im Werk die ich mit Humor genommen habe, wie zum Beispiel der Satz „Du Ei!“, wodurch es noch einmal ein bisschen aufgelockert wurde und nicht so trocken war. Dennoch muss ich sagen, dass ich das Drama relativ schnell lesen konnte und auch keine großen Verständnisprobleme hatte.

Zusammenfassend kann ich sagen, dass es mal eine schöne Abwechslung zu meinen ganzen anderen Büchern ist und ich mich auch sehr darauf gefreut hatte wieder ein Werk von Shakespeare lesen zu können. Jedoch war ich etwas enttäuscht, denn ich hatte mir mehr Drama und Spannung erhofft. Außerdem fand ich das Werk etwas vorhersehbar, allerdings kann das auch daran liegen, dass ich schon andere Dramen von Shakespeare gelesen habe und somit ein paar Erfahrungen hatte.

Gemeinsam gefragt: Wie steht ihr zu Shakespeare?

Liebe Grüße Tina (& Leo) & Celina

5 Kommentare

  1. Hallo Ihr Lieben,

    irgendwie dachte ich immer, dass Macbeth eine Frau ist. :blush
    Ich habe keine Ahnung mehr, ob wir Shakespeare in der Schule gelesen haben. Ich meine, dass wir doch eher Zeitgenössisches gelesen haben. Und Brecht, wobei ich mich da an den Inhalt auch nicht mehr erinner. Wer mir in Erinnerung geblieben ist, ist Goethe mit „Die Leiden des jungen Werther“.
    Ich lese ja ganz gerne Klassiker, aber Shakespeare war da noch nicht drunter.

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Hallöchen Petrissa,

      eine Frau? Wegen Beth?
      Ich glaube, Schullektüre bleibt nur im Gedächtnis, wenn es einen in den Bann gezogen hat, wie immer, oder?
      „Die leiden des jungen Werther“ habe ich nie gelesen, aber mal eine gute Verfilmung ( meines Erachtens auch aus Dtl) gesehen.

      Mir persönlich war es erstmal genug Shakespeare für die nächste Zeit 😉

      Viele Grüße
      Tina

  2. Hallo Ihr 2!
    Hochachtung, dass Ihr Euch an Shakespeare gewagt habt – und dann auch noch Macbeth.
    Bisher habe ich um die Original-Texte immer einen großen Bogen gemacht und mich eher über die Adaptionen (Oper, Ballett, Musical, Schauspiel) an ihn heran getastet.
    Um die Original-Verse zu lesen, fehlte mir bisher die Traute…!
    Lieben Gruß
    Andreas

    1. Hallöchen Bruder im geiste,

      danke, danke. Ja, was tut man nicht alles, wenn man in einer Gruppe unterwegs ist.
      Ich verstehe jetzt allzu gut, warum du bisher einen kleinen Bogen um Macbeth machst.
      Danach ist erstmal wieder gut mit Shakespeare. *lach

      Solltest du dich doch einmal trauen, bin ich gespannt, wie dein Leseerlebnis ausfällt.

      Liebe Grüße
      Tina

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