2 in 1-Rezension zu „Frankenstein“ von Mary Shelley – Zwei Getriebene, die ihr jähes Ende selbst zu verantworten haben

Hallo liebste Buchmenschen,

der Frühling ruft, die ersten Schoko-Osterhasen sind bereits vor den Feiertagen vertilgt gewesen und überhaupt sollte man das (verlängerte) Wochenende versuchen zu genießen. Natürlich mit Abstand, versteht sich. Lina und ich verzichten auf das übliche Familientreffen, genau wie unsere Angehörigen, weil wir vernünftig sind. Klar, fällt es schwer. Jedoch wissen wir alle, dass das große Wiedersehen bestimmt in einer großen Sause enden wird – darauf sollten wir uns freuen. Vorfreude ist bekanntlich die schönste Freude.

Heute gehts jedoch nicht um Corona oder den Osterhasen, sondern um 2 Kurzrezensionen zu 1 Buch. Lina und ich nutzen dieses Format für unsere gelesenen Klassiker aus der #readingclassics – Lesegruppe. Letztes mal statteten wir „Ronja Räubertochter“ einen Besuch ab. Heute allerdings wird es gruseliger mit Mary Shelleys „Frankenstein“:

Eine Schauergeschichte angereichert mit Rachegelüsten und Verantwortungslosigkeit

(sagt Tina)

Eine Frau veröffentlicht Anfang des 19. Jahrhunderts ein Buch, dass bis heute zig Adaptionen, allem voran in der Filmwelt, kennt. Wahnsinn – finde ich. Ich hörte, dass „Frankenstein“ zu dieser Zeit etwas ganz Neues war. Sogar Horror im weitesten Sinne. Und das soll nun in 200 Seiten stecken, die da vor mir lagen. Übrigens bekenne ich mich dazu, dass ich vor einigen Jahren noch dachte, dass Frankenstein der Name des Monsters ist. Leute, das ist er nicht! Viktor Frankenstein ist der Erschaffer des Monsters. Er, dessen Geschichte der Lesende bzw. die Lesende hauptsächlich folgt, ist ein angehender Wissenschaftler mit dem fanatischem Wunsch Leben zu erschaffen. Sprich, er spielt Gott. Mir war der gute Mann trotz seiner behüteten Erziehung, seines Wissensdurstes und die Liebe zu seiner Familie nicht sympathisch. Er neigt zur Wankelmütigkeit (bestes Beispiel waren seine Studienrichtungen) und stellt sich nicht der Verantwortung, die er gegenüber dem von ihm erschaffenen Wesen hat. Sein Monster hingegen faszinierte mich sehr. Die wahre Aussage sich nicht vom Äußeren täuschen zu lassen, trifft hier zu. Shelley zeigt an ihm sehr authentisch, wie man sich durch Erfahrungen oder Abschauen viele Fähigkeiten aneignen und Gefühle entwickeln kann – natürlich positiv wie negativ. Der Aufbau der Storyline verwirrte mich eingangs, da der Erzähler in Form eines Nebendarstellers namens Walton personifiziert wurde. So bekam der Anfang und das Ende einen Briefromancharakter, den ich allerdings mittendrin absolut vergessen habe. Der Schreibstil der Autorin zergeht Dank poetischer Ansätze auf der Zunge. Nichts davon wirkt grob, egal wie dramatisch die Situationen dargestellt werden. Die Ausführlichkeit machte mir an mancher Stelle trotzdem zu schaffen. Für heutige Verhältnisse hätte man einiges einkürzen können ohne den moralischen Aspekt zu verlieren. Der Hauptgedanke, wer nun wirklich Opfer und wer der unverantwortliche Täter ist, verliert sich an keiner Stelle. Ob man die richtige Antwort darauf findet ist die Frage und das Buch daher eine geeignete Diskussionsgrundlage. Der Schluss war mir übrigens zu schnell abgehandelt, so dass Fragen offen blieben.

Fürchtest du dich vor dem Ungeheuer?

(sagt Celina)

Wer ist der Täter und wer das Opfer? Diese Frage habe ich mir oft beim Lesen von „Frankenstein“ gedacht. Fast jeder kann sich etwas vorstellen, wenn er den Namen „Frankenstein“ hört. Zusammen mit Reading Classics habe ich mich mit dem Klassiker von Mary Shelley befasst. Der Klassiker handelt von dem Leben von Viktor Frankenstein, der Erschaffung seines Monsters und dem Leben des Monsters. Es beginnt mit Briefen von Robert Walton an seine Schwester, in denen er von einem Fremden erzählt, den er auf einer Reise durch den Atlantik findet. Dieser Fremde ist Viktor Frankenstein, welcher auf der Suche nach seinem Monster ist. In der Zeit die er auf dem Schiff verbringt erzählt Viktor seine Geschichte. Frankenstein ist einer der Protagonisten in dem Klassiker und ist mir persönlich unsympathisch gewesen, weil er sich nicht festlegen konnte wie er handelt und seine Meinung sich ständig ändert. Weiterhin fand ich ihn unsympathisch, weil er nach der Erschaffung des Monsters, welche sehr ungenau war, keine Verantwortung übernommen hat. Anhand des Monsters  konnte ich einen Entwicklungsverlauf erkennen, weil er am Anfang sich nur bewegen konnte und später selbstständig denken, handeln und sprechen konnte. Das Monster erklärt im Laufe der Handlung seine Geschichte und dabei habe ich Mitgefühl entwickelt und mir die Frage gestellt wer von beiden das wirkliche Monster ist. Ist nicht eher Viktor Frankenstein das Monster, weil er etwas erschafft und dafür keine Verantwortung trägt, sondern Abscheu. Ist es nicht normal, dass das Monster deshalb andere umbringt, weil er allein ist und jeder Angst und Hass für ihn empfindet? Als Fazit kann ich sagen, dass ich der Handlung relativ gut folgen konnte, aber durch Frankenstein und seiner Unentschlossenheit lange gebraucht habe das Buch zu beenden.

3 von 5 gemeinsamen Pfoten

Welche Adaption von Frankenstein kennt ihr?

Liebe Grüße Tina (& Diego) & Celina

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3 thoughts on “2 in 1-Rezension zu „Frankenstein“ von Mary Shelley – Zwei Getriebene, die ihr jähes Ende selbst zu verantworten haben”

  1. Hallo ihr beiden!
    Ich mag Frankenstein von Mary Shelley sehr gerne und ihr beide habt es mit euren Kurzrezensionen auf den Punkt gebracht. Denn die alles entscheidende Frage ist: Wer ist denn hier das wahre Monster?
    Danke für euer Meinungen. 😀
    Vielleicht sollte ich das Buch nochmal lesen.
    Liebe Grüße
    Diana

    1. Liebste Diana,

      danke für deine Worte. Wir waren uns dieses Mal auf jeden Fall einige. Als Nächstes lesen wir „Die unendliche Geschichte“, ich bin gespannt.

      Viele Grüße
      Tina

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