„Wohin der Himmel uns führt“ von Dani Atkins – Die Geschichte geht unter die Haut, moralisch wie auch emotional

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Guten Abend liebste bookish People,

heute ist… Donnerstag?! Ja, genau. Ich bin ziemlich müde, habe vorhin schon ne kleine Siesta nach der Arbeit gehalten, nur so richtig wach werde ich wohl heute nicht mehr. Das Wochenende rückt langsam näher und spätestens dann wird der Schlaf nach geholt. Mich zieht es bei dem langsam ungemütlicheren Wetter eh nicht soooo sehr nach draußen. Stattdessen hebe ich ab und an meinen Kopf von den Buchseiten des Tages und beobachte wie der Wind durch die Blätter der Bäume fegt. So geht Entspannung auch. Wenn ich dazu komme. So wie jetzt, nur dass ich ab und an dann wieder auf dem Bildschirm schaue. Ok, ich komme mal zum eigentlichen Grund des Beitrages: Das aktuelle Buch meiner Lieblingsautorin Dani Atkins.

Berührend und echt wie ich es von Danit Atkins mag, doch vorhersehbarer als gewohnt

Allgemein:

Emotional, tiefgründig und überraschend, dass sind Dani Atkins Romane. Ihr aktuelles Buch „Wohin der Himmel uns führt“ ist im September 2020 bei Knaur erschienen, ebenso wie „Der Klang deines Lächelns“ oder „Sag ihr, ich war bei den Sternen“, um nur zwei weitere von den bisher erschienenen Titeln zu nennen. Worum gehts in der Geschichte? Wären sich Beth und Izzy vielleicht zu einem wahlloserem Zeitpunkt begegnet als diesen, hätten sie sich sogar angefreundet, so viel ist sicher. Doch der Grund ihrer Begegnung ist ein schrecklicher Fehler, der vor 8 Jahren gemacht wurde und beide zu „Gegnerinnen“ werden lässt, die ihre Muttergefühle sprechen lassen. Und das, obwohl Izzy mit der Trennung von ihrem Ehemann Pete zurecht kommen muss und Beth ihre Hoffnung gerade erst wiedergefunden hatte.

Mein Bild:

Ihr glaubt gar nicht, wie ich auf dieses Buch gewartet habe, so hin gefiebert wie jedes Jahr, wenn es Herbst wird und Knaur mir um die 400 Seiten Emotionen im Klappenbroschur liefert. Meine Erwartungen bezüglich des Covers sind erfüllt. Es schmiegt sich vom Design sehr gut an seine Vorgänger und ruft auch irgendwie ein Gefühl der Erinnerung hervor, wenn man die dezent gemalte Situation des Bildes erfasst.

Ich möchte euch einen Tipp geben. Lasst euch bitte vom Inhalt überraschen, von dem eigentlichen Thema. Das ist, glaube ich, wichtig, um rein zukommen. Deswegen meine Bitte, lest nicht den Text innerhalb der Klappe oder die Inhaltsangabe aus dem Netz. Die Rückseite vom Buch reicht aus. Ansonsten spoilert man sich schon 90 Seiten zu früh. Ok, wer 1 und 1 zusammenzählt, so wie ich, ahnt vielleicht bereits nach 40 Seiten, was Sache ist. Doch Dani Atkins Bücher leben vor allem von einem Muster der Twists oder Überraschungen. Sie lenkt den Leser / die Leserin immer in eine Richtung, um eine Erwartungshaltung zu schüren und dann, ätsche bätsch, es ist anders, oft sehr anders ohne an Logik zu verlieren. Mich erwischte sie jedenfalls gleich zu Beginn, nur zur Abwechslung hielt das nicht lang an. Der Knackpunkt des Buches, das eigentliche moralische und absolut mörderisch emotionale Thema blieb für mich nicht so lange geheim wie ich gehofft hatte. Entweder bin ich inzwischen ein Atkins-Sherlock oder es war doch vorhersehbar. Allerdings blieb sehr lange offen, wie die Geschichte ausgeht und das auch in seinen parallel verlaufenden Handlungssträngen. Es gibt immer mehrere Möglichkeiten im Leben und das macht es spannend, auch im Buch.

Ich werde euch bezüglich der Handlung nicht spoilern, weil ihr den Moment des „Klick machens“ selbst erleben solltet und haltet den Gedanken gern fest, den ihr dabei habt. Es ist ungeheuerlich, ich hatte so ein Mitleid mit den Protagonistinnen, die beide ein Recht auf ihre Gefühle haben, in jeglicher Hinsicht. Ich war mindestens genauso hin und her gerissen wie sie. Dazu noch der moralische Aspekt. Die Frage, wie weit darf der Mensch eingreifen, Gott spielen, experimentieren und Verantwortung für Dritte übernehmen, wenn es nicht lebensnotwendig ist? Ich hab mir die Frage nie gestellt, wenn es eine Hilfe darstellt. Bis die Autorin die Möglichkeit eines gravierenden Fehlers aufgreift. Objektivität und Abstand ist hier tatsächlich fehl an Platz. Sensibilität, Emotionalität, Verantwortungsbewusstsein und Tragik schwingen in jedem Kapitel mit, genauso wie Hoffnung, sehr viel Liebe, Humor und Zärtlichkeit. Die Autorin arbeitet dabei mit zahlreichen bildlichen Vergleichen, Alltagssituationen, die man selbst kennt oder gut nachempfinden kann, genauso wie die Frauen in diesem Buch.

Ich mochte beide Protagonistinnen sehr gern, trotz oder gerade weil sie ihre Schwächen haben und in ihrer jeweiligen Ich-Perspektive zeigen. Izzy und Beth sind beide Anfang – Mitte dreißig und sind sich meines Erachtens schon ähnlich und irgendwie wieder nicht. Beide sind Kämpferinnen mit dem Herz am rechten Platz und zeigen ohne Probleme eine tiefe Empathie gegenüber anderen. Allerdings leben sie in unterschiedlichen Situationen, sozial wie auch materiell. Beth begegnete mir impulsiv, offen und manchmal naiv. Daher zog mich die aufkeimende Freundschaft mit dem Witwer Liam und seiner Jack Russell – Hündin Sally sehr in den Bann. Es war so schön zu lesen, dass ihre Nebenhandlung nicht, ja ich betone, nicht aus einer klassischen Liebesgeschichte besteht. Ich muss zwar zugeben, dass ich zwischen den vielen Möglichkeiten hin und her wankte, aber das ist eben typisch Dani Atkins.

Die liebe Izzy ist eine hingebungsvolle, aufopfernde und ja, helikoptermäßige Mutter für ihren achtjährigen Sohn Noah. Zu Noah sei nur gesagt: Er ist ein wahrer Goldschatz, ein tolles Kind. Wegen ihm habe ich oft gelächelt. Izzy macht sich das Leben nicht nur mit der Helikoptereigenschaft schwer, nein, sie schweigt viel zu oft. Ihre Gefühle beben innerlich und sie bekommt den Mund nicht auf. Ganz oft wollte ich sie schütteln und habe sie trotzdem verstanden. Sie reflektierte sich auch selbst. Bewundernswert, doch es hilft nicht, gerade bei der Situation mit ihrem Ehemann Pete (natürlich ebenso ein Bombentyp und ein toller Vater). Wie soll man so seine Ehe retten?

Kennt ihr das, wenn ihr einen emotionalen Ausbruch hinter euch habt, tief durchatmet und die Welt, beispielsweise nach einem Schlüsselmoment, wieder anders seht? Ich glaube, das durchlebte ich mit Beth und Izzy, und das knapp am Taschentuch vorbei. Egal, welche der möglichen Wege die beiden Frauen gegangen wären, ich wäre sie so oder so mitgegangen. Nichts fühlte sich für mich bezüglich ihrer Entscheidungen falsch an, sondern richtig bis zum Schluss. Das Ende verhielt sich wie ein Herzschlag nach einem Augenblick der Stille.

Fazit:

Ein Dani Atkins – Roman, wie er sein soll: Nahe an der Taschentücherbox und doch nie zu viel. Emotional, lebensecht, moralische Fragen aufgreifend und zwei Protagonistinnen, die vor allem eine Sache verbindet. An mancher Stelle der Handlung überraschend, doch da geht normalerweise mehr.

4 von 5 Pfoten

Lest ihr manchmal Bücher ohne den Klappentext zu kennen?

Liebe Grüße Tina

*Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

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