Hexen in Kinderbüchern – Modern vs. Traditionell: „Ein Mädchen namens Willow“ von Sabine Bohlmann + „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler

Hallo liebste Buchmenschen,

wer wollte in seinem Leben nicht einmal magische Kräfte wirken lassen, sowohl Gutes tun als jemanden auch mal eine Abreibung verpassen (kommt schon, jeder hatte den Gedanken schon mal). Den Meisten von uns ist das bis jetzt sicherlich verwehrt geblieben. Doch glücklicherweise flüchten wir uns in Filme mit Hexen und Zauberern und natürlich noch mehr in die Bücherwelt. Die bekannteste Welt der magischen Künste der Hexen und Zauberer ist ohne Umschweife die von Harry Potter. Ich verstehe es absolut, dass man sich darin wunderbar verlieren kann. Aber heute begebe ich mich abseits dieser Pfade und möchte euch 2 Bücher vorstellen, in denen Hexen eine Rolle spielen. Geeignet für Kinder im Grundschulalter, beides herzallerliebst und von mir gern gelesen. Allerdings könnten die Geschichten nicht unterschiedlicher sein.

Abrakadabra bekommt hier einen ganz erfrischenden, gegenwärtigen Charme

„Ein Mädchen namens Willow“ von Sabine Bohlmann und den schön inszenierten, filigranen schwarz-weißen Illustrationen von Simona Ceccarelli fiel mir durch Zufall beim Schmökern im Buchladen in die Hände. Der Planet!-Verlag hat sich mit dem Hardcover etwas Besonderes einfallen lassen, finde ich. Ein rothaariges Mädchen, dass in einer bewaldeten Atmosphäre sitzt. Die Farben, die Akzente und das ganz ohne Glitzer zogen mich magisch an. Erzählt wird die Geschichte der 11-jährigen Willow, die mit ihrem Vater in das Haus ihrer verstorbenen Tante Alwina zieht. Für Willow ist ein Umzug nichts Neues, denn Dank ihres Vaters sind sie bereits oft umgezogen. Mir gefiel bereits am Anfang die Beziehung zwischen Vater und Tochter. Sie wirkte authentisch und nicht immer leicht. Zum Beispiel, weil Willow erst noch überzeugt werden musste, wie toll das Erbe ihrer Tante doch ist. Ihre Skepsis verschwindet schnell und sie nimmt die Erkundung der neuen Umgebung auf. Ab diesen Zeitpunkt gab es so viel zu entdecken! Der Wald, die Tiere, eine alte Hütte, ein geheimes Buch, beschriftete Tränke. So stellte ich mir das vor. Natürlich empfindet das moderne Kind der heutigen Zeit diese Dinge eher als Scherz. Selbst als Willow es schriftlich vor sich hat, dass sie Hexenkräfte besitzt. Ich brauche nicht zu erwähnen, dass sie eines Besseren belehrt wird, oder? Sabine Bohlmann ließ Willow mit ihrem Schicksal nicht allein, wob mit ihrer fröhlich-sentimentalen Art einen Plot rund um Freundschaft, Liebe, Naturschutz, Mut und allerlei typische Ratschläge wie „Ohne Fleiß kein Preis“ oder Fragen wie „Warum werden Hexen immer als Böse angesehen?“. Es gibt wenig auszusetzen. Mich störte jedoch, dass Schimpfworte den Weg in die Geschichte gefunden haben. Ich denke, wenn man jemanden nicht mag, muss man es nicht gleich mit Wörtern wie „Kotzbrocken“ oder „Blödkröte“ unterstreichen. Ebenso verstand ich nicht, warum Willows Papa mal mit „Vater“, mal mit vollständigen Namen erwähnt wurde. Wer jetzt das Buch lesen möchte: Nicht die Illustration ganz hinten im Buch anschauen! Die spoilert.

4 von 5 Pfoten

Ganz traditionell genießen ohne viel zu hinterfragen – die kleine Hexe macht ihren Namen alle Ehre

60 Jahre „Die kleine Hexe“! Schande über mein Haupt, ihre Geschichte erst jetzt gelesen zu haben. So viele kleine Bände zieren die Kinderbuchabteilung Dank dem Autor Otfried Preußler. Ich musste mir quasi die hübsche kleine Jubiläumsausgabe im Hardcoverformat zulegen und die knapp 130 Seiten einfach genießen. Ok, vielleicht sah ich vor einigen Monaten auch den Film, der wirklich, wirklich gelungen ist (mit Karoline Herfurth in der Hauptrolle). Doch zurück zur 127-jährigen und damit noch sehr jungen Hexe und ihrem Rabenkumpel Abraxas, der mit seinem smarten Charaktere die Handlung bereichert. Die kleine Hexe lebt in einem kleinen, urig gemütlichen Hexenhaus mitten im Wald, das ist ja klar. Doch so richtig glücklich ist sie nicht, denn sie möchte mit den großen Hexen auf dem Blocksberg tanzen. Doch das geht gehörig nach hinten los, denn das darf sie noch gar nicht. Als Strafe soll die kleine Hexe beweisen, dass sie es schafft, in einem Jahr eine richtig gut Hexe zu werden. Denn dann darf sie ganz offiziell in der Walpurgisnacht ihren Besen mit den anderen Hexen zum Tanz schwingen. Ich liebe die klassische Art von Kinderbüchern, die zum Vorlesen und für Leseanfänger geeignet sind, oder für mich, die sich mal nicht in komplexe Verwicklungen verstricken, sondern den Abenteuern der kleinen Hexen folgen möchte. Begleitet durch die bekannten, krakeligen Illustrationen, in denen Details wiedererkennbar sind, an die ich nicht gedacht hätte. Ich finde es so schön, dass innerhalb der Handlung kleine Rettungsaktionen durch die gegebenen Talente der Protagonistin in vielen Episoden erzählt werden. Schließlich kann sie ja nur eine gute Hexe werden, wenn sie Gutes tut, oder? So außergewöhnlich der Charakter, so akzeptiert wird sie innerhalb der Menschenwelt – ok, viele wissen ja gar nicht, wen sie vor sich haben – doch der Grundgedanke zählt. Jedenfalls brachte mich die kleine Hexe regelmäßig zum Schmunzeln und Abraxas ersetzte für mich irgendwie den appellierenden Elternteil auf seine ganz eigene sympathische Weise. In diesem Alltime-Favorite steckt simpel gesagt viel Liebe drin.

5 von 5 Pfoten

Und welche magischen Bücher kommen euch in den Sinn?

Liebe Grüße Tina (& Leo)

6 Kommentare

  1. Ach ja, der gute Otfried Preußler hat mir so einige vergnügliche Stunden beschert: Als Kind habe ich seine Geschichten schon geliebt. Nun als Erwachsener darf ich hemmungslos weiter lieben, da unser 5-jähriges Patenkind die Figuren von Preußler für sich entdeckt hat. Er lässt sich die Bücher liebend gerne vorlesen, nachdem er im Dezember 2019 bei seinem ersten Besuch eines Theaters „Die kleine Hexe“ als Weihnachtsmärchen sah.

    Lieben Gruß
    Andreas

    1. Oh, das glaub ich dir, dass du es genießt, dem Patenkind die schönsten Kinderbücher und Geschichten näher zu bringen.
      Dein Patenkind kann davon nur profitieren 🙂

  2. …und ich stimme Dir natürlich zu: Geschichten für Kinder sollten ohne Schimpfwörter auskommen können. Es sei denn, es sind solch fantasievolle Neu-Kreationen, dass es schon wieder witzig wirkt!!!

    Hat Pippi Langstrumpf nicht neue Schimpförter erfunden???

    1. Witzig fand ich es tatsächlich nicht. Es hatte eher etwas Herablassendes, leider.

      Nicht nur Pippi, auch Ronja war fleißig am donnerwettern 😉

  3. Hallo Tina,
    das Peinliche ist, mir fallen gerade nur Kinderserien ein 🙂 wie z.B. „Bibi Blocksberg“ oder „Sabrina“. (Ich glaube, die Serie gab es sowohl als Zeichentrickserie als auch mit realen Schauspieler:innen).
    Wenn ich mir deine Kurzmeinung zu Willows Geschichte so durchlese, erinnert mich die Handlung ganz entfernt an die „Tintenwelt“-Reihe.
    Ich wünsche dir noch einen schönen, hoffentlich gemütlichen, Sonntag!
    viele Grüße
    Emma

    1. Hi Emma,

      ja, es ist gar nicht so einfach, passende Literatur zu finden, aber Serien gehören ja auch dazu. Zu Beiden gibt es ja auch Bücher oder Comics.
      Stimmt, Willow hat so ganz kleine Tintenweltaspekte, aber grundlegend eine andere Storyline.

      Ich wünsche dir noch eine wunderbare Woche.

      Liebe Grüße
      Tina

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