Rezi du neben mir

„Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ von Nicola Yoon – Schaue nie zuerst den Film, denn das kann dir ein ganz anderes Leseerlebnis bescheren

Hello bookish People,

und auf in einen neue Woche. Der November zeigt sich bis jetzt von einer passablen Seite, so dass ich den Urlaub auch outdoor ein wenig genießen kann. Bisher läuft es ganz gechillt und meine 2. Urlaubswoche habe ich ja noch. Trotzdem dachte ich, dass ich mehr auf Blogs stöbere und mehr blogge, aber irgendwie reicht die Zeit dazu nicht. Wenigstens habe ich 1 Buch beendet, 1 weiteres Buch gelesen und heute 1 neues Buch begonnen. Für meine Verhältnisse ist das mega gut. Normalerweise würde ich mich heute wieder der Montagsfrage widmen, nur mir geht es so wie letzte Woche. Ich habe dazu nicht viel zu sagen bzw. ist meine Motivation nicht so groß über die Buchpreisbindung zu quatschen. Deswegen versuche ich es mit einer Rezension.

Wirklich kreativ umgesetzt – Hier wird ein Jugendroman zur Entdeckungsreise eines Lebens

Allgemein:

2015 erschien mit „Du neben mir und zwischen uns die ganze Welt“ das Debüt der amerikanischen Autorin Nicola Yoon bei Dressler. Ein weiterer bekannter Roman ist „The Sun is also a Star – Ein einziger Tag für die Liebe“. Beide Bücher wurden schon wenige Jahre später verfilmt. In ihrem Erstlingswerk geht es um Madeline, die aufgrund einer Erkrankung ihr hoch steriles zuhause nicht verlassen kann, denn der kleinste Viruseffekt könnte ihr das Leben kosten. Sie akzeptiert das, bis Olly nebenan einzieht und die ganzen möglichen Träume greifbar scheinen.

Mein Bild:

Zwei kleine Fehler habe ich gemacht, was dieses Buch betrifft: 1. Habe ich den Film gesehen, bevor ich das Buch gelesen habe. Das hat mir den phänomenalen Twist, den ich schon irgendwie geahnt habe, aber nicht erhoffte, vorweg genommen. Mit dem Wissen liest sich das Buch leider anders. Nichtsdestotrotz war Fehler Nummer 2, das Buch überhaupt so lange auf dem SUB liegen zu haben. Ich habe ganz, ganz, ganz selten so eine schöne Gestaltung gesehen, die sich so in die Geschichte einfügt. Das sogenannte „Artwork“, also sämtliche Illustrationen oder gar kreative Ideen wie To Do – Listen, Protokolle, Skizzen, Mailpostfachinhalte, Bestelllisten, Postkartendarstellungen, Anleitungen mit Bildern und vieles mehr, gestaltete der Mann der Autorin David Yoon. Es hat so viel Spaß gemacht das Buch zu lesen und ja, mit dieser Individualität die Protagonistin Madeleine noch besser kennenzulernen. Mal abgesehen, dass das Cover des Buches der absolute Wahnsinn ist, von Weitem dachte ich noch, es sind Blumen, doch beim genauen Hinsehen entdeckte ich einen Stapel Bücher, Planeten, Papierflieger, Tiere, Gebäude, die sich um den Titel ranken. Verrückt und klasse.

Die Übersetzung wurde Simone Wiemken anvertraut und ich finde, dass sie das mit Bravour gemeistert hat. Es scheint nicht einfach die Gegebenheiten und Empfindungen eines jungen Menschen in richtige Worte zu fassen, erst recht nicht bei einem Charakter wie Madeleines oder auch liebevoll Maddie genannt. Einige Zitate, die ich mir notiert habe, haben etwas von einer Lebensweisheit oder simpel gesagt, legen sie auf eine sensible Art und Weise Tatsachen offen. So lassen sich die über 330 Seiten sehr gut verschlingen.

Wenn ich mich recht erinnere, wird das Alter der Charaktere nicht wirklich festgenagelt. Da Maddie allerdings College- oder zumindest College-Vorbereitungskurse per Home Schooling belegt, schätze ich sie auf 17 oder 18 Jahre. Ich mochte sie auf Anhieb. Sie ist clever, besitzt Ordnungssinn, liebt Bücher, macht Witze und versucht aus Liebe und Vernunft es allen irgendwie recht zu machen. Sie will ihrer Mutter und ihrer persönlichen Krankenschwester Carla keine unnötigen Sorgen bereiten und sieht sich mehr als Bürde, weil sie kein normales Leben führen kann. Es war echt merkwürdig. Ich meine, Maddie lebt ohne irgendeine Erfahrung mit der Außenwelt, sie ist also nie von ihr beeinflusst wurden. Dahingehend ergeben sich tatsächlich positive Dinge, wie zum Beispiel, dass sie sich gut in ihrem eigenen Körper fühlt, dass sie objektiv an Dinge heran geht und Aufgaben konzentriert umsetzt. Sehr bewundernswert, wenn ich überlege, wie schwierig das heutzutage ist, sich ein gutes Verhältnis zu sich selbst zu bewahren. Andererseits, wow, ist ihr Leben eintönig und das ist Maddie sehr bewusst. Sie nimmt es mit Sarkasmus, das halte ich ihr zugute, aber ich wäre schon längst durch gedreht. Wie der Klappentext bereits verrät, ist heute genau wie gestern und morgen wie heute. Natürlich lässt es sie nicht kalt, sie träumt, schreibt „Finderlöhne“ in ihre Bücher, falls sie draußen verloren gehen würden und jemand sie findet. Traurig, nicht wahr?

Madeleine sieht an sich jeden Tag nur ihre Mutter und ihre Krankenschwester Carla. Zwischen diesen zwei Frauen liegen wirklich Welten. Maddies Mutter mochte ich gar nicht. Ihre Liebe erstickt die eigene Tochter. Das darf nicht sein und spielt im Verlauf noch eine mächtige Rolle. Carla, die Maddie ebenso eine gute Freundin ist, macht aus einer Situation wenigstens keinen Elefanten, aber auch keine Mücke. Ich finde, sie ist der Grund, warum Maddie ein gewisses Gleichgewicht zwischen Leben und Isolierung beibehält. Ja, Carla, bringt das richtige Leben ansatzweise ins Haus.

Als Olly einzieht, überschwemmt das Leben Maddie dann endgültig. Das erste Mal verliebt sein, das erste Mal den Wunsch frei zu sein, das erste Mal unabhängig sein wollen, das erste Mal etwas anderes richtig wollen. Ich gönnte es Beiden, obwohl die Hürden riesig schienen. Es war eine absolute Achterbahn der Gefühle, die mich erreichte. Ich wollte einfach nur, dass Maddie und Olly einen gemeinsamen Weg finden. Die Beiden ergänzten sich so gut. Olly wirkte zwar zu Beginn auf mich wie ein kleiner „ich bin zu cool für die Welt und unantastbar“ – Junge. Das hielt sich jedoch nicht lange. Er ist zielstrebig, humorvoll, neugierig, direkt, mutig oder vielleicht ein wenig zu risikobereit(?). Ich bewundere, dass er Maddie nicht gleich aufgibt. Denn seine eigenen Sorgen begrüßen ihn täglich wie ein bösartiges Murmeltier. Thematisiert werden in seiner aufgearbeiteten Geschichte, die ich allerdings nur über Maddies personale Sicht kennenlernte, häusliche Gewalt, Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit. Das geht unter die Haut, keine Frage.

Nicola Yoon schrieb nicht nur eine außergewöhnliche Geschichte über eine erste Liebe, sondern thematisierte verschiedene Problematiken und Entscheidungswege, die einen jungen Menschen zu einem Erwachsenen werden lassen. Nicht alles gefiel mir. Die Herangehensweise aus dem „goldenen Käfig“ auszubrechen schien mir falsch, ebenso Maddies überaus spontane Entscheidungen, die halsbrecherisch wirkten. Es passte nicht so gut zu ihrem Charakter und überraschte mich daher eher negativ. Der ultimative Twist, den ich leider schon kannte, bahnte sich gegen Ende von einer Seite zur Nächsten immer weiter an und lässt den ganzen Verlauf anders aussehen. Als LeserIn lässt man sich hier nochmals in vorherige Situationen fallen und ändert den Blickwinkel. Ich mag das. Es ergibt auf einmal einen ganz anderen Sinn.

Fazit:

Erst Buch, dann Film – denn beide haben es verdient verinnerlicht zu werden. Nicola Yoons Debüt begeistert mit realitätsnahen Themen in einer außergewöhnlichen Geschichte des Erwachsenwerdens und der ersten Liebe.

4 von 5 Pfoten

Habt ihr das Buch gelesen oder „The Sun is also a Star“?

Liebe Grüße Tina

2 Kommentare

  1. Hallo Tina 🙂

    Eigentlich trifft das Buch thematisch bei mir nicht unbedingt einen Nerv. So ganz ohne Fantasy? Hmm. Du schaffst es aber dennoch, mich auf die Geschichte neugierig zu machen. Falls mir das Buch also irgendwo günstig über den Weg läuft, werde ich jetzt sicherlich nicht mehr nein sagen *hier bitte Geräusch meines weinenden SuB einfügen*

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hallöchen Lisa,

      Ja, so gar kein Fantasy, sondern NA. Momentan lese ich etwas wild und irgendwie weniger Fantasy. Sogar Kinderbücher haben es mir angetan.
      Ich denke nach Weihnachten wird es bei mir wieder fantasylastiger.

      Freut mich auf jeden Fall, dass ich deine Aufmerksamkeit zu „Du neben mir“ habe.

      Liebe Grüße Tina

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert