„Die wahre Geschichte vom traurigen Clown Frederico“ von A. Soja & O. Baturina – Ein schauriges Zirkusbild mit liebenswerten Protagonisten

Guten Abend liebste Buchmenschen,

die Hälfte der Woche ist vorbei, das Wochenende naht, der Frühling zeigt sich eher von seiner nassen Seite und ich überlege jetzt schon, welches Buch ich als nächstes in die Hand nehme. Fantasy oder Schnulze? Mal sehen, was es wird. Jedenfalls gibt der SUB an sich genug her. Ihr kennt das und wenn nicht, dann auf in den Buchhandel.

Die heutige Rezension dreht sich um das erste Buch, dass ich aus dem Wunderhaus Verlag gelesen habe und ich bedanke mich ganz herzlich für das zugesandte Rezensionsexemplar.

Der dresdner Verlag fiel mir erstmals auf der diesjährigen LBM durch seine ganz, ganz zauberhaft illustrierten Märchen und Kinderbücher auf und lies mein Herz schnell höher schlagen.

Freak ist nicht gleich Freak – wie anders sein doch normal sein kann

Allgemein:

„Die wahre Geschichte vom traurigen Clown Frederico“ ist ein 137- seitiges Kinder- und Jugendbuch aus der Schreibfeder von Anton Soja und dem Zeichenstift von Oksana Baturina. Es erschien im März 2019 beim Wunderhaus Verlag und erzählt dem Leser, wie die Stadt Lüneburg Besuch vom fantastischen Zirkus der Rafinellis bekam. Doch der Zirkus ist kein Zirkus wie man ihn kennt. Seine Artisten sind besonders und ungewöhnlich, genau wie Frederico. Der 15-jährige Sohn der Rafinellis taugt nur als „Purzelclown“, über den alle lachen können. Zumindest bis Frederico bei einer Vorstellung Nadira begegnet, die das Spektakel nicht ansatzweise lustig findet. Er weiß sofort, das Mädchen mit der Augenklappe könnte alles verändern.

Mein Bild:

Dieses ganz zuckersüße Cover ließ mich dahinschmelzen. Es ist genauso mit Liebe gezeichnet wie die ganzen Illustrationen im Buch. Hier war ein Profi am Werk, der die Emotionen der Geschichte auf die Bilder übertrug. Ich bin nach wie vor begeistert. Die Farbgebung in rot, orange und schwarz zieht sich komplett durch und lässt erahnen, dass es innerhalb des Plots nicht nur heiter zu geht. Der Verlag wirbt auch mit dem Satz „Wenn Tim Burton ein Buch geschrieben hätte…“ und ich denke, das sagt schon viel aus. Trotzdem habe ich mir aufgrund des Covers ein Kinderbuch vorgestellt. Doch um so mehr ich in die Welt eintauchte, um so unsicherer wurde ich mir bezüglich der Altersempfehlung. Auf der Verlagsseite fand ich keine Empfehlung, die Angaben aus dem Netz reichten von 6, 11 oder 14 Jahren. Meine persönliche Einschätzung: Ich denke, dass man es frühestens Kindern ab 12 Jahren in die Hand drücken sollte, wenn nicht sogar 1 bis 2 Jahre älter. Warum, darauf gehe ich jetzt näher ein.

Mich führte ein beobachtender und gedankenlesender Erzähler durch das Buch. Ich fand die Perspektive sehr passend, um dem Setting und fast allen Figuren genügend Raum zu geben. Normalerweise spricht das für ein Kinder- und Vorlesebuch, allerdings sprechen mehrere Faktoren dagegen. Zum einen die erwachsene Wortwahl. Oder hat jemals jemand das Wort „phlegmatisch“ in einem Kinderbuch gelesen? Ich jedenfalls nicht. Zum anderen das Alter der Protagonisten, Frederico ist schließlich 15 Jahre alt und versucht seinen Platz in der Welt zu finden. Des Weiteren ist es nicht nur eine nette, kleine Zirkusgeschichte.

Die Figuren sind außergewöhnlich, skurill und teilweise schaurig gezeichnet. Die Charakteristika sind einzigartig bis grausam. Tim Burton hätte es tatsächlich nicht besser machen können. Die Geschichte lebt definitiv von Zwergen, bösen Elefanten, menschlichen Würmern und noch mehr irren Artisten. Doch die Lieblosigkeit von Fredericos verrückten Eltern ließen mich von Faszination in Wut umschwenken. Die Rafinellis misshandeln ihren gutmütigen und liebenswerten Sohn so, dass ich ihnen am liebsten meine Meinung gesagt hätte. Noch dazu stecken sie ihn in eine Schublade, in die er gar nicht geschoben werden will. Es ist wirklich eine schwierige Kiste, aber sehr gut umgesetzt. Es wird deutlich gezeigt, wie oberflächlich und schadenfroh Menschen in jeglicher Form sein können und dass das sehr verletzend ist. Wer die Szenen in dem Buch nicht sofort erfasst, dem hilft Nadira gern auf die Sprünge. Ich mochte ihre kämpferische selbstbewusste Art und wie einfühlsam sie unter Fredericos Oberfläche taucht. Mit ihr bekommt er einen Fels in der Brandung, obwohl mich Nadiras später gezeigten Charakterzüge überraschten. Ja, es ist eine zarte, jugendfreie Liebesgeschichte, die Licht ins düstere Zirkuszelt bringt.

Doch Anton Soja war das anscheinend zu wenig. Ab der Hälfte des Buches wurde tiefer in der Märchenkiste gekramt als bereits geschehen und alte Bekannte kamen zum Vorschein. Natürlich gruseliger als erwartet, aber mit einer äußerst interessanten Historie. Ich will nicht zu viel verraten, aber eine Figur, deren Namen man erraten muss, spielt eine tragende Rolle. Es bleibt spannend bis hin zum erstaunlichen Ende für Frederico und Nadira, dass mir trotz der generellen Übertreibung der Geschichte zu viel war.

Fazit:

Für Fans von schaurig, düsteren Märchen! Eine Zirkusgeschichte, dessen zarte Liebesgeschichte Herzen erobert und dem Plot zeitweise das Dunkle nimmt. Allerdings ist eine Altersempfehlung schwer auszumachen, das Cover kann eindeutig täuschen.

4 von 5 Pfoten

Kennt ihr andere schaurige Jugend- oder Kinderbücher? Liebt ihr solche Geschichten oder bleibt ihr doch eher bei „leichterer“ Fantasy?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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