„Das Herz der Zeit – Die vergessenen Geschichten“ von Monika Peetz – Der letzte Band der Trilogie führt in eine Zukunft, die Angst macht, aber nicht unrealistisch scheint…

/Werbung*/

Hallöchen meine Lieben,

ich hoffe, ihr hattet bisher ein schönes Wochenende. Meines war recht ruhig. Das einzig Abenteuerliche war mit der Schermaschine Hand an meinen Hund anzulegen. Das Ergebnis kann sich sogar halbwegs sehen lassen. Ansonsten dümpel ich lesetechnisch nach wie vor mit „Das Bildnis des Dorian Gray“ herum. Da ich immer wieder mit den Augen rollen musste, habe ich jetzt mit dem 1. Band der „Chroniken von Alice“ begonnen, um ein bisschen Action reinzubekommen. Ich hoffe, das hilft. Doch jetzt befasse ich mich mit dem Abschluss einer Trilogie und natürlich kann die Rezi bezüglich der Vorgängerbände spoilern, ich bemühe mich jedoch, mich hauptsächlich auf den 3. Band zu konzentrieren:

Wie Monika Peetz es schaffte, die Settings so umzudrehen, dass das allein schon ein unheimlicher Twist war

Allgemein:

Schriftstellerin, Drehbuchautorin, Filmproduzentin und ein Fan von journalähnlichen Buchnotizen – das ist Monika Peetz. Ihre erste Jugendbuchreihe um die Zeitreisende Lena und deren Freunde Dante, Bobbie und Coco endet mit „Das Herz der Zeit – Vergessene Geschichten“. Wunderlich, ein Imprint von Rowohlt, veröffentlichte das Buch im Juni 2020 und schickt die Protagonistin Lena auf ihr letztes Abenteuer. Sie muss nicht nur die Stadt der Unsichtbaren, die Heimat der Zeitreisenden, sondern nun die ganze Welt retten. Nachdem Desaster in der Nacht der Eulen, in der die nächste Generation der Zeitreisenden berufen werden sollte, ist nichts mehr wie es war. Der Zauberkönig hat die Stadt eingenommen und führt ein hartes Regime ein, das der Aufgabe der Agentur für Schicksalsschläge den Garaus macht. Lena und Bobbie flüchten ohne Vorwissen in das Jahr 2031. Doch wie sollen sie von dort aus den Unsichtbaren helfen? Können ihre Freunde sie unterstützen oder nur hilflos zusehen?

Mein Bild:

Endlich wieder eine Coverfarbe nach meinem Geschmack. Der seegrüne Untergrund passt viel besser zu den Blumen und dem goldenen Emblem der Reihe. Ich verstehe nach wie vor nicht, warum Band 2 rosa sein musste. Mit über 400 Seiten reiht sich der 3. und damit letzte Band der Zeitreise-Reihe um Lena und ihre Begleiter perfekt ein. Zwischen den Buchdeckeln verbergen sich nicht nur die Seiten aus Papier, sondern erneut eine Karte der unsichtbaren Stadt, sogar in ihrem aktuellen Zustand, und mit Hinweisen, dass sich ziemlich viel verändert hat. Kein gutes Omen für das bisherige Doing der Zeitreisenden, wie mir schien. Ich war echt gespannt.

Ich freute mich wieder über die hübsch geletterten Kapitelüberschriften, sowie abwechselnd aus Lenas und Dantes, später auch aus Bobbies, personaler Sicht der Storyline zu folgen. Ein Coup war allerdings, dass die Autorin zu Beginn eine Zusammenfassung der Ereignisse aus den beiden anderen Büchern hinlegte. Das fand ich cool, schließlich ist doch einige Zeit seitdem Erscheinen von Band 1 und 2 vergangen. Trotzdem hatte ich Probleme rein zu kommen. Das lag vor allem daran, dass ich bei Band 2 auf den letzten 100 Seiten den Faden verlor und nun nach „Was bisher geschah“ genau an dem Cliffhangerpunkt von Band 2 wieder einstieg. Das ging einfach nicht. Was habe ich also gemacht? Genau, die letzten 100 Seiten von Band 2 nochmal gelesen. Danach klappte es besser.

Raus aus dem Chaos der unsichtbaren Stadt, rein in die Zukunft. Lena trifft die Zeitreise ins Jahr 2031 überraschend und sie merkt bereits auf dem Weg dorthin, dass es nicht natürlich ist nach vorne statt zurück zu reisen. Das fand ich ziemlich interessant und war der erste Akt für eine sich aufbauende Logik, warum die Unsichtbaren (also die Zeitreisenden) normalerweise nicht in die Zukunft reisen. Die Thematik an sich ist recht komplex und ich war froh, dass mich die Infos nicht mit voller Wucht erwischten.

Das Setting selbst beschäftigte mich dafür zu sehr. Die Autorin beschrieb sehr, wirklich sehr realitätsnah, wie unsere Welt irgendwann aussehen könnte. Da ich weiß, dass Monika Peetz gut recherchiert, habe ich keine Zweifel an diesem Bild. Stellt euch vor, ihr habt einen eingepflanzten Chip im Arm, der eure Körperwerte bestimmt, mit dem ihr bezahlt, den Alltag bestreitet, der euch überwacht und passend dazu noch Knöpfe im Ohr, die euch den ganzen Tag sagen, was ihr tun und lassen solltet, was gut und schlecht für euch ist usw.. Unmöglich? Nutzt ihr Fitnesstracker? Google? Smart Speaker? Fragt ihr euch manchmal, woher die Werbung weiß, was ihr mögt? Genau das! Positiv sehe ich dagegen den Weg eines autonomen Verkehrssystems. Wow, das hatte schon etwas Pionierhaftes an sich. Doch das wird die aufgezeigten Folgen des Klimawandels nicht mehr aufhalten. Wir sehen es ja bereits jetzt. Es ist zu trocken. Regen ist gefühlt nur noch ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die Autorin macht im gesamten Buch darauf aufmerksam, dass es bereits 5 nach 12 ist und wer eine Zukunft für unsere Umwelt haben will, muss etwas dafür tun und ihr entsprechend Respekt erweisen.

Das bezieht sich genauso auf die Geschichte der Menschheit. Ich musste echt schlucken, als ich las, was passiert, wenn die Möglichkeit der Zeitreise in die falschen Hände gerät. Ich werde hier nicht spoilern, doch ich verstand die strenge Handhabe der bisherigen Chefin, der Zeitmeisterin, besser. Sie legte Wert darauf, dass sich an Regeln gehalten wird, dass die Bewohner der Stadt organisiert und spezialisiert waren, um den Menschen in der Vergangenheit zu helfen. Das war für Lena und mich eine bittere Erkenntnis. Denn bisher verstanden wir beide nicht, warum den Unsichtbaren nicht ein wenig mehr Freiheit geboten wird. So schnell kann eine Kehrtwendung erfolgen, die meisterlich umgesetzt wurde.

Ich folgte zwei Handlungssträngen und damit auch je 2 Charakteren. Das war nicht nur abwechslungsreich, sondern auch raffiniert gestrickt, weil sich beide Stränge später verbanden. Lena und Bobbie begleitete ich ins Jahr 2031: Lena als Protagonistin war für mich nicht der Star der Geschichte. Klar, sie entwickelt sich. Gerade bezüglich ihrer bisherigen Zeitreiseerfahrungen wirkt sie verantwortungsbewusst. Aber ich hätte sie oft genug schütteln können, weil sie der Wahrheit laaaanggeeee nicht ins Gesicht sieht. Das habe ich mir anders vorgestellt. Ihre beste Freundin Bobbie hingegen bleibt ein Liebling von mir. Sie sieht nach vorne, schenkt mir Momente des Lächelns, die ich nur ihrer schnellen Reaktionsfähigkeit zu verdanken habe. Ihre Entwicklung zeigt nun mehr spontane, wie auch impulsive Züge. Kleine Katastrophen sind damit vorprogrammiert, die die Seiten nur so dahin fliegen ließen.

Im anderen Handlungsstrang folgte ich Dante und Coco. Und wow, ist Dante verknallt. Er, der Junge mit den zwei verschieden farbigen Augen, dem schwarzen langen Mantel, dem weißen Haar, der, der sich quasi unsichtbar machen kann – die rosarote Brille stand ihm nicht gut. Dante hätte ich also auch schütteln können, bis er wirklich wahrnahm, dass er mehr zu retten hatte als die Liebe, nämlich seine zuhause. So im Nachgang betrachtet, ist die Liebesgeschichte zwar ganz süß, aber unnötig. Eine Freundschaft zwischen den Beiden hätte mir ausgereicht. Doch nun zu meinem persönlichen Charakter-Highlight: Coco. Das asiatische Mädchen mit den violetten Strähnen brauchte bis zum 3. Band um mein Herz zu erobern. Ja, durch diverse Umstände ist sie absolut naiv und gutgläubig. Doch sie war die Hoffnung in Person und das mochte ich. Ich meine, alles versinkt im Chaos und sie war der Lichtblick. Danke dafür.

Das Ende fesselte mich auf jeden Fall. Bangen und hoffen sollte schließlich jeder Leser / jeder Leserin. Denn im Verlauf der Geschichte wurde klar, dass es nicht das ultimative Happy End sein könnte. Ich wusste tatsächlich nicht, ob es nun so kommt oder nicht, freundete mich aber mit dem tatsächlichen Kompromiss an. Wie sagt man so schön: Manchmal ist es gut, wenn man nochmal von vorn beginnt.

Fazit:

Das Finale der Zeitreisereihe hat meine Erwartungen erfüllt und überraschte mich mit der „Umkehrung“ der Settings, einer facettenreichen Storyline und die Kontinuität der Message „seine Zukunft selbst in die Hand zu nehmen“ und nicht nur zuzusehen oder gar weg zurennen. Lediglich die Protagonisten haben mich an mancher Stelle enttäuscht. Daher für Lesende, die mehr als nur ein Zeitreiseabenteuer im Sinn haben.

4 von 5 Pfoten

Zeitreisegeschichten, die unsere Zukunft im Blick haben, was sagt ihr dazu?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

*Das Rezensionsexemplar wurde mir kostenfrei vom Verlag zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unberührt.

Share it

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.