Buchvorstellung und Lesung „Girlsplaining“ von Katja Klengel – Provokativ, mit Appell gegen das Patriarchat und dabei so viel Humor

Meine Lieben,

wir haben schon wieder die Wochenmitte erreicht und nicht nur das, es ist auch Mitte November. Die Zeit vergeht im Schnelldurchflug. Gefühlt habe ich den letzten Monat noch gar nicht so richtig hinter mir gelassen. Der Oktober 2018 war für mich überdimensional ereignisreich. Gefühlt könnte ich einen Roman darüber schreiben. Nur das werde ich euch nicht antun, zumal nicht alles so interessant ist. Aber zu „Girlsplaining“ möchte ich einige Worte verlieren.

Meine ersten Berührungspunkte mit dem Buch

Nicci von Trallatfittibooks stellte das Comicbuch bereits vor einiger Zeit in einem Monatrückblick vor. Schon allein das Cover ist auffällig. Junge Mädels, die einem anderen Mädel in die Schlüppi gucken? Dann noch dieser zarte Rosaton im Cover. Ja, was ist denn da los? Das Bild ging mir nicht so schnell aus dem Kopf.

Auf der FBM erkannte ich das Bild sofort wieder als Sandra („Piglet and her Books„) mich zu dem Stand des dazugehörigen berliner Verlages „Reprodukt“ führte. Sie war bereits Feuer und Flamme für die Thematik, kaufte sich das Buch und freute sich wie Bolle, dass eine Lesung in Leipzig stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt war ich noch etwas skeptisch, hörte mir aber von Sandra ein paar Anekdoten aus dem Buch an und musste lachend mit dem Kopf schütteln. Mein Gott, wie kommt man auf solche Ideen, die aber doch so unglaublich ehrlich und wahr sind?

Ja, um was geht es denn nun und was sage ich dazu?

Katja Klengel ist eine erfolgreiche Kolumnistin, die mit „Girlsplaining“ autobiografische Erlebnisse in fiktionale Comicgestalt gepackt hat und damit Mädchen bzw. Frauen offen und schonungslos aus der Seele spricht. Es geht um Gleichberechtigung, dem Appell seine Meinung zu sagen, sich nicht der gesellschaftlichen Oberflächlichkeit und der Optimierung zu beugen, nur um allen zu gefallen, Man darf die Frau zu sein, die man sein will. Teilweise harter Tobak, thematisch aktueller denn je, aber als Comic der absolute Hammer. Schließlich kann man hier seiner Fantasie freien Raum lassen, mit Klischees spielen, übertreiben, provozieren, aufzuklären und den Leser mit Witz in den Bann ziehen.

Das hat Katja definitiv geschafft. Und seid gewarnt! Man erkennt sich selbst wieder. Jedes einzelne angesprochene Problem ist alltäglich. Simple Beispiele wären das Thema „Kinder bekommen“ oder „Körperbehaarung“, ebenso Fragestellungen, warum Mädchen nicht mit Autos spielen dürfen und Jungs nicht mit Puppen? Klar, fühlte ich mich peinlich berührt, denn wann spricht man denn über „solche“ Dinge? Doch genau darum geht es. Warum sollte ich mich dafür schämen?

Das Glück mit der Lesung am 29.Oktober 2018 in der Moritzbastei Leipzig

Jaaa, natürlich bin ich mit Sandra hin gegangen, inklusive Cindy von „Pandalovebooks“. Meine erste Comiclesung und ich hatte sowas von keinem Schimmer, wie das abläuft. Ich meine, irgendwie werden da ja Bilder gezeigt oder etwa nicht?

In einem kleinen kuppelförmigen Raum aus Backstein (dessen ehemalige Funktion ich allerdings gerade nicht benennen kann) saßen wir nun in der 1. Reihe. Es war eine gemütliche Atmosphäre, die schätzungsweise von 30 Besuchern wahrgenommen wurde. Nicht viel, aber das hat seinen Grund. Hätten wir nicht durch Zufall auf der FBM von der Lesung erfahren, wären wir auch nicht dort gewesen und Werbung kostet einen Verlag Unmengen an Geld, das kann sich nicht jeder leisten. Und das ist mehr als verständlich.

Eine Leinwand, auf der bereits das Cover der Lesereise projiziert wurde, beantwortete mir die Frage, wie es wohl ablaufen würde. Wir warteten nicht lange auf den Gast des Abends. Katja Klengel hatte sich selbst im Buch wirklich gut getroffen. Aufgrund ihres Comic-Ichs konnte ich locker auf ihr Real Life – Ich schließen. Noch dazu kam sie nicht allein.

Katja übernahm das Zepter und stellte uns Adrian vom Baur vor. Er ist für die farbliche Umsetzung des Buches zuständig gewesen. Zudem unterstützt er sie auf der Lesereise, indem er mit ihr zusammen einige Panels (Folgen) aus dem Buch vorliest. Katja wirkte von Anfang an sympathisch, machte Späßchen, improvisierte und lud uns ein dabei zu sein. Einfach toll.

Doch bevor es richtig los ging, erzählte Katja uns, wie alles begann. Von ihrem Faible für Sailor Moon bishin zu Tagebüchern im Comicformat , wie sie später anfing Mangas zu zeichnen und verschiedene Methoden, zum Beispiel mit Raster, ausprobierte. Sie untermalte ihre Erinnerungen mit alten Zeichnungen, die sie uns auf der Leinwand zeigte. Ich stellte schnell fest, dass die Frau super über sich selbst lachen konnte und ich einige Fernsehserien früher genauso gern geschaut habe wie sie. Ja, ich spreche von Sailor Moon. Ich war schließlich auch mal Kind! Mondstein flieg und sieg! So, da wisst ihr Bescheid.

Katja verlor mit der Zeit das Interesse an Mangas und ging damit über auf europäische Art Comics zu zeichnen. So kam es, dass sie für die FAZ Comicstrips mit dem Titel „Als ich so alt war“ kreierte. Die Oma-Enkel-Serie, wie sie es nennt, war so erfolgreich, dass in Frankreich sogar ein Buch dazu erschien. Ihren Lebenslauf so zu folgen war eine spannende Angelegenheit. Sie zeigte damit, wie wichtig ihr diese Leidenschaft ist und dass sie hart dafür gearbeitet hat.

„Girlsplaining“ hingegen war ursprünglich eine Kolumne für „Broadly“ (Ein Onlinemagazin) und die ersten 6 Kapitel stammen auch daher. Katja setzt sich darin nicht nur mit Themen auseinander, die Frauen bewegen, sondern auch mit sich selbst, vor allem mit ihrem 15-jährigen Ich, dass sich selbst finden musste (wie wir das eben alle getan haben).

Theatralisch, laut und furchtbar spaßig ging es dann in die Lesung einzelner Panels. Vom „Geist der verrosteten Rasierklingen“ bis hin zu „ Vulva – der Voldemort unter den Namen“ war vieles dabei. Ja, richtig, die Namen sind absolutly Programm! Ich habe aus vollstem Herzen gelacht und mich verstanden gefühlt. Ob das für die Männer im Publikum genauso galt, weiß ich allerdings nicht. Katja und Adria

n waren ein gutes Team, auch wenn sie die meisten Passagen gelesen hat, ergänzte er sehr gut männliche oder abstrakte Parts.

Zum Abschluss kaufte ich mir das Buch und ließ es signieren bzw. bemalen mit Sailor Katja, wuuhuu. Katja verriet außerdem, dass sie an weiteren Folgen zu „Girlsplaining“ arbeitet und zukünftig noch ganz andere Ideen umsetzen möchte.

Fazit: Ich würde wieder eine Lesung von ihr besuchen. Die 60 Minuten waren sehens- und hörenswert!

5 von 5 Pfoten

Liebe Grüße Tina (& Diego)

Ehrlich und schonungslos oder doch harmlos und liebevoll verpackt. Wie sollte eurer Meinung nach eine Message kommuniziert werden? Oder ist das reine Geschmackssache?

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