„The Secret Book Club“ (I – III) von Lyssa Kay Adams – Männer, die Liebesromane lesen, um ihre (potenziellen) Partnerinnen, besser zu verstehen

Guten Abend zusammen,

mir ist selten eingefallen, eine Reihe in einem Beitrag zu rezensieren. Warum nicht? Naja, wenn ich eine Reihe beendet habe, dann habe ich die laufenden Bände meistens schon einzeln rezensiert, oder ich habe die Reihe komplett gelesen und der Abstand vom 1. Band bis zum Ende hat zu große Lücken im Gedächtnis hinterlassen, dass ich die Reihe nicht rezensieren wollte. Sicherlich spielt es auch eine Rolle, ob es Rezi-Exemplare sind und ich dem Verlag eine Zusage zu je einer Rezension je Band gegeben habe. Wie auch immer, Ausreden habe ich bestimmt genug.

Also, warum jetzt zu „The Secret Book Club“? Weil ich keine Lust habe zu jedem Buch eine große Rezension zu schreiben und weil ich denke, dass ich in diesen Beitrag einfach Kurzrezensionen zu jedem Band packen kann ohne zu spoilern – das ist das Schöne bei NA – , da es sich um verschiedene Pärchen pro Buch handelt.

Und wie helfe ich meinem Gedächtnis auf die Sprünge? Haha! Vorbereitung ist alles. Ich schreibe gerade an dem Beitrag, obwohl Band 2 noch nicht mal erschienen ist. Was für ein Insider. Ihr macht also gerade eine Zeitreise. Aktuell sind 3 Bände geplant. Mit ein bisschen Glück bekommt ihr die Reihenrezension spätestens im März 2021 zu lesen. Bis dahin füge ich meine Meinung zu jedem Band hinzu. Ok? Als hättet ihr jetzt eine Wahl, ich weiß.

Band I „Ein fast perfekter Liebesroman“ mit Thea & Gavin

Die Geschichte dieses jungen Ehepaares las ich als Buddyread mit 2 weiteren Mädels und ich kann euch sagen, wir mochten das Buch trotz handfester Klischees, die nicht von der Hand zu weisen sind. Denn diese wurden von der Autorin gern aufs Korn genommen und beflügelten mich die Seiten nur so durch zu suchten. Die Protagonisten, wie auch die Nebendarsteller bekamen eine eigene Identität, Charisma und ja, ich finde auch einen Wiedererkennungswert. Thea ist nicht nur die Spielerfrau und Mutter von Zwillingen. Nein, sie hat sich ihr Leben nicht als Pastellversion ihrer selbst vorgestellt und lernt sich erst nach einer eskalierenden Situation innerhalb ihrer Ehe neu kennen. Gavin ist nicht nur der super duper prollige Profisportler. Er ist auch ein liebevoller Vater, hegt Selbstzweifel und liebt seine Frau innig dafür, dass er bei ihr sein kann wie er ist, selbst wenn er stottert. Ich gebe zu, die Ursache für die drohende Scheidung ließ mich die Augen verleiern, doch Stück für Stück erkannte ich, dass ein ganz wichtiger Punkt innerhalb einer Beziehung angesprochen wird: Kommunikation. Oh, und ich liebte es, wie feinfühlig in jeder Perspektive darauf eingegangen wird. Ich konnte es beiden Protagonisten innerhalb ihrer personalen Perspektive nachempfinden. Wahrscheinlich spielt bei mir die Erfahrung ebenso mit. Der besagte Buchclub ist der absolute Burner – die Kerle versuchen es wirklich und das Schöne ist, der Liebesroman, der als „Hilfe“ genutzt wird, findet sich tatsächlich als weitere Geschichte im Buch wieder. Das hatte ich nicht erwartet, aber war cool. Trotzdem spielen die Jungs des Buchclubs nicht die Hauptrolle, also seht davon ab, öfter etwas von einem Lesekreis oder Ähnlichem lesen zu wollen. Das störte mich jedoch nicht, dafür gab es anderes. Das Buch hätte einfach kürzer ausfallen können. Gerade als ich dachte „Yes, jetzt wird alles happy“, fing der Spaß wieder von vorn an. Der Teufelskreis, den ich nicht gebraucht hätte und auch meine Buddies beim Lesen zum Verzweifeln brachte. Das Ende war zwar dann schön, nur für mich persönlich überzogen. Manchmal ist weniger eben mehr sexy, obwohl das im Hauptteil gut verpackt wurde.

Fazit:

Frauen jeden Alters könnten hier Spaß haben, vielleicht auch der ein oder andere Mann. Hier beginnt die Geschichte nicht am Anfang einer Liebe – eine gegenwärtige, feinfühlige Geschichte mit auflockernden Humor, den man nicht zu ernst nehmen sollte.

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Der zweite Band ist bereits seit ein paar Wochen ausgelesen (für euch zur Info, ich befinde mich gerade mitten im Oktober 2020) und war wieder ein Buddyread. Sandra von „Piglet and her Books“ lieben die Reihe nach wie vor. Wir sind uns einig, dass auch der letzte Band zusammen gelesen werden soll, wenn er im Frühjahr 2021 erscheint. Und ja, es fühlt sich wie eine Ewigkeit an.

Band II „Die Liebesroman-Mission“ mit Liv & Mack

Schon zu Beginn steht fest, dass die Schreibweise der Autorin auch in diesem in mintgrün-blau gehaltenen Buch locker und leicht, vorzugsweise humorvoll oder emotionsgeladen, bleibt. Juhu! Das typische Kennenlernen zwischen den Protagonisten bleibt hier übrigens aus, denn das fand im 1. Band schon statt. Ich empfehle daher, trotz unabhängiger Geschichte, Band 1 vorab zu lesen. Meine Vorfreude auf den Protagonisten Mack war riesig. Er ist einfach wie ein Honigkuchenpferd unter einer Ritterrüstung. Er weiß ganz genau, was Frauen wollen, also zumindest denkt er das und er liegt meines Erachtens oft richtig. Doch sein Perfektionismus kann nur nach hinten los gehen. Manchmal sind es nicht die perfekten Szenarien, an die man sich erinnert, sondern die unerwarteten Dinge und die Liebe darin. Da hilft kein Liebesroman der Welt, um dem nachzueifern. Apopo Bücher. Mich hat es ziemlich überrascht, welchen Einfluss und Ursprung Mack innerhalb des Secret Book Clubs einnimmt. Natürlich begegneten mir die altbekannten Mitglieder, die wie Musketiere zusammenhalten und für Mack da sind, ob er es will oder nicht. Ich liebe die Jungs, ihren Humor, ihren feministischen Diskussionsstoff und die endlich mal nicht typischen Männerklischees. Mir gefiel, dass die Thematik „toxische Maskulinität“ angesprochen wird! Denn ganz ehrlich, ich kenne genügend Beispiele, in denen Männer, die ein „nicht männliches“ Verhalten an den Tag legen, diskriminiert werden. Anders als erwartet, gab es dieses Mal keinen weiteren Handlungsstrang in Form eines Romans, den die Jungs lesen. Dafür wurde passenderweise Macks Lieblingsroman „The Protector“ angerissen. Es sei erwähnt, dass es diesen Roman tatsächlich gibt! Neben Macks personaler Perspektive dürfte ich natürlich noch Livs begleiten. Ihre Persönlichkeit ist weniger zugänglich, ihre Mauer sehr hoch und oft schaut sie nicht über ihr eigenes Verständnis hinaus. Entweder aus Angst oder aus Engstirnigkeit. Allerdings ist sie wahnsinnig stark, temperamentvoll und versucht ihre Probleme allein zu lösen, um niemanden zur Last zu fallen. Ja, richtig, das könnte auch nach hinten los gehen. Insbesondere bei dem Aufhänger der Geschichte: Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Lyssa Kay Adams Herangehensweise wirkt absolut nicht aufgesetzt oder übertrieben. Genauso stell ich es mir in unserer Gegenwart vor. Ich fieberte mit, wie Livs ehemaligen Chef der Garaus gemacht wird oder nicht. Natürlich schafft Liv das nicht allein und so kommt eins zum anderen. Mack und Liv dabei zu beobachten, wie sie zuerst für ein gemeinsames Ziel kämpfen und sich dann anfreunden, war toll. Es war flirty, lustig, manchmal voller Anspannung und später habe ich einfach nur noch gehofft, dass sie endlich zueinander finden. Beide haben ihre Zeit bekommen, um die eigenen bösen Geister abzulegen und ich bekam die Zeit, um ganz neue Charaktere kennen und lieben zu lernen, wie Sonia oder Rose – zwei Heldinnen auf ihre eigene Art und Weise.

Fazit:

Ein weiteres tolles Paar, das Aufmerksamkeit verdient. Thematische Schwerpunkte, die ehrlich und über mehrere Perspektiven heraus ausgearbeitet sind und Nebencharaktere, die das Buch zu einer abwechslungsreichen und humorvollen Komposition machen. Für LeserInnen, die nicht nur den Sex und die tiefen Gefühle in NA suchen.

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Wir schreiben Mai 2021. So viel zu meinen oben erwähnten „Mit ein bisschen Glück bekommt ihr die Reihenrezension spätestens im März 2021 zu lesen.“. Es hat dann doch ein wenig länger gedauert, aber es ist trotzdem ein Buddyread mit Sandra geworden. In letzter Zeit lesen wir sehr viele Bücher gemeinsam – es macht wirklich Spaß. Der 3. Band ist nun ausgelesen und die Annahme einer Trilogie verflüchtigte sich inzwischen, Traurigkeit oder Wehmut, den Secret Book Clun verlassen zu müssen tritt bei mir dementsprechend nicht auf. Sandra erfuhr über die Homepage der Autorin, dass ein 4. Band über Vlad geplant ist (Auf ihn komme ich gleich noch einmal zu sprechen). Trotzdem schließe ich diesen Beitrag mit Band 3 ab. Noch länger will ich dann doch nicht damit warten.

Band III „Liebesromane zum Frühstück“ – Alexis & Noah

Ich brauche euch nicht erzählen, dass der blaue Touch des 3. Bandes die Reihe nun vervollständigt (vorerst). Ich war super schnell in der Handlung drin und gleich auf der 1. Seite begegnete ich erneut den Jungs vom Buchclub. Ich habe sie ja so vermisst! Die Art des Humors, das Auseinandersetzen mit kritischen, gesellschaftlichen und partnerschaftlichen Themen, das Sprengen von männlichen Klischees, das gefällt mir enorm. Und dann war da Noah, der vom Buch Club nichts hält. Liebesromane können seine Probleme nicht lösen und doch ist er wahnsinnig in seine beste Freundin Alexis verliebt – er hechelt ihr förmlich hinterher. Beide Charaktere kamen bereits in Band 2 vor (typisch NA eben) und Lyssa Kay Adams ließ es sich nicht mitnehmen, mir zu zeigen, wie viel Zeit seitdem vergangen und was zwischenzeitlich passiert ist. Das Gesamtbild stimmte dabei. Ich fühlte mich abgeholt. Nur irgendwie fiel es mir schwer, Noahs Äußeres in meinen Kopf zu bekommen. Meine Fantasie dachte sich vor Monaten einfach etwas anderes aus und nun kam ein erfolgreicher, unabhängiger IT-Nerd mit Dut und Vollbart daher. Alexis hingegen blieb die Cafébesitzerin mit einem ausgeprägten Helfersyndrom, die sich dabei selbst oft genug vergaß. Mich in sie hineinzuversetzen war zu einfach. Jeder von uns steckt zurück, versucht die Kontrolle zu behalten, nichts kaputt zu machen. Die Frage ist nur, wie lange? Die Freundschaft der Beiden beruhte dagegen schon fast auf Intuition. Wer sich so gut kennt, sollte zusammen bleiben, egal in welcher Form. Das i-Tüpfelchen setzte die Autorin mit smarten Gemeinsamkeiten in ihrer Freizeitgestaltung, die mit Fanmerch und nerdigen Ausdrücken aufwarteten. Doch, dann kam dieses typische Schema F. Beide haben Gefühle füreinander – super offensichtlich, aber die Grenze wird einfach nicht überschritten. Dann noch ständig dieser Satz „Wozu sind Freunde da?“. Das hat mich Nerven gekostet. Ich saß nur noch da und wollte, dass es jetzt endlich soweit ist, bitte, bitte, bitte. Natürlich geht’s nicht ohne Drama. Das ist ok, nur eine Runde weniger davon wäre ausreichend gewesen. Ich finde, das hat die Entwicklung der Beziehung unnötig in die Länge gezogen und der ansonsten so hilfreiche Liebesroman des Buchclubs kam zu kurz, leider. Es gab dafür weitere Handlungsstränge, die aufgenommen wurden. Auf ganz unterschiedliche Weise begegnete ich Trauer und Verlust innerhalb der Familie auf beiden Charakterseiten. Ebenso, wie wichtig oder unwichtig sind Verpflichtungen gegenüber der Familie? Was ist überhaupt Familie? Muss ich der Mensch sein, den meine Familie sehen möchte, um akzeptiert zu werden? Alexis und Noah machen sich die Antworten anhand ihrer Erfahrungen nicht einfach. Ich spreche mich für die beiden aus. Denn umso älter ich werde, umso mehr betrachte ich Dinge mit anderen Blickwinkeln. Familie ist nicht immer eitel Sonnenschein. Nichtsdestotrotz flog ich bis zum Schluss durch die Seiten und freue mich auf Vlads Buch.

Fazit:

Wenn aus Freundschaft Liebe wird ist kein neues Konzept. Doch verpackt mit weiteren Handlungssträngen rund um Familie, Freundschaft, Verlust und den Mut über den eigenen Schatten zu springen, kann sich das sehen lassen. Typisch New Adult mit einer Prise Buchclub.

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Zusammenfassend sei gesagt….

Mein Lieblingsband bleibt nach wie vor Band I. Der Fakt, dass die Story am Ende einer Beziehung beginnt, catcht mich nach wie vor. Perfekt ist kein Band. Manches Drama war zu viel. Dafür eine ordentliche Brise Humor, ein toller Erzählstil (die Übersetzung ist echt gelungen) und es war einfach mal etwas anderes mit dieser Truppe an Männern. Ich merkte auch schnell, dass ich mich zum ersten Mal mit toxischer Männlichkeit bewusst auseinandersetzte. Die Bücher behandeln zudem viele feministische Inhalte, bei denen ich nur nicken konnte. Ich glaube, so einfach erklärt, bekommt man das selten in einem Roman, wie Mack und die Jungs vom Buchclub das taten. Die andere Seite zeigt trotzdem, dass die Autorin nicht nur Klischees umwandelte, sondern eben auch nutzte. Unter anderem fällt auf, dass alle männlichen Protagonisten superreich und super erfolgreich, aber die Frauen bodenständige Mütter/Angestellte/Cafébesitzerinnen sind. Warum? Außerdem ist mir die Diskussion um Vlad, der immer nur „der Russe“ genannt wurde, innerhalb der Buchbubble nicht entgangen. Sein Charakter wurde ins Lächerliche gezogen. Im 3. Band fiel das sehr auf. Ich mag ihn dennoch, weil sein Herz aus Gold mir nicht entging. Umso gespannter bin ich auf sein Buch.

4 von 5 Pfoten

Liebe Grüße Tina (& Leo, und auch Diego, weil er Band I noch mitverfolgt hat)

4 Kommentare

  1. Hallo liebe Tina 🙂

    Was für ein toller Beitrag! Ganz besonders, weil ich auch schon länger mit dem Gedanken spiele, die Bücher zu lesen. Ich frage mich auch manchmal, wieso ich nicht einfach Sammelrezensionen zu allen Bänden einer Buchreihe schreibe – das würde uns Bloggern wohl einiges an Zeit ersparen 😀 Deshalb mag ich es aktuell unheimlich gerne, drei Bücher in einem einzelnen Beitrag zu rezensieren, wenn mir die Zeit & Lust für „große“ Rezensionen zu jedem einzelnen Buch fehlen 😉

    Ich wünsche dir ein schönes Pfingstwochenende!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hallöchen liebe Lisa,

      vielen lieben Dank! freut mich, dass dir der Beitrag gefällt und du dir bereits Gedanken zur Reihe gemacht hast.
      Ja, es spart wirklich Zeit kleine Rezis zu schreiben. Das werde ich in Zukunft öfter machen. Je nachdem wie es passt. Bei Rezensionsexemplaren geht das schlecht aufgrund der Langfristigkeit des Beitrages, aber so, why not?

      Einen schöne kurze Woche wünsche ich dir.

      Liebe Grüße
      Tina

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