Pre-Opening zur Ausstellung „Jan Tschichold – Ein Jahrhunderttypograf?“ im Deutschen Buch- und Schriftmuseum

Happy Friday liebeste Buchmenschen,

die Messe ist im vollen Gange, tausende Schritte sind bereits auf meinem Zähler zu sehen und liebste Blogger-Kolleginnen und -kollegen gesichtet. Ich werde euch kommende Woche mit mehr Details zu meinen Erlebnissen auf der Messe verraten, versprochen.

DNB, was ist denn das?

Doch nicht nur die Buchmesse ist ein Grund nach Leipzig zu kommen. Leipzig an sich ist eine schöne Stadt und auch so Buchstadt. Gut erkennbar beispielsweise an der Deutschen Nationalbibliothek, die neben Frankfurt am Main ebenso ihr Zelt in der sächsischen Metropole aufgeschlagen hat. Das Gebäude ist beeindruckend und über die Jahre gewachsen. Kein Wunder, wenn alle deutschsprachigen Publikationen seit 1913 gesammelt und aufbewahrt werden müssen. Man braucht dazu Platz und zwar immer mehr.

Abgesehen von dem gigantischen Archiv, und den wunderschönen Lesesälen befindet sich unter anderem auch das Deutsche Buch- und Schriftmuseum innerhalb des Gebäudes. In der Dauerausstellung kann sich jeder Besucher kostenfrei einen Überblick über die Geschichte der Schrift- und Zeichensetzung, über die Entstehung einzelner Schriften oder über den Buchdruck verschaffen. Kurzum das, was Schrift und Buch über die Jahre zu erzählen haben. Werft also einen Blick hinein, wenn ihr in der Nähe seid.

DNB-Walk, Pre-Opening und wer ist denn dieser Jan Tschichold?

Und wenn ihr in nächster Zeit vorbeischaut, dann besucht doch gleich die neue Wechselausstellung zu Jan Tschichold, einem sehr peniblen Typografen, der im 20. Jahrhundert lebte und der Typografie sein Leben opferte. Er entwickelte eigene Schriften, Designs und war Freund des Bauhausstils. Ihm zu Ehren ist die Ausstellung „Jan Tschichold – Ein Jahrhunderttypograf?“ gewidmet.

Ich hatte, Dank dem lieben Hinweis von Julia („The Book Dynasty“), die Möglichkeit einen Tag vor Ausstellungseröffnung über einen Social Mediawalk hineinzuschnuppern inklusive einen Blick in die Heiligtümer der Deutschen Nationalbibliothek. Gesagt, getan: Letzten Sonntag stand ich 15 Uhr im Foyer der DNB und wartete neugierig darauf, was ich wohl zu sehen bekomme. Natürlich war ich nicht allein. Einige Leute sind dem Aufruf auf Instagram gefolgt, unter anderem Luise („Cook Bake Book“) und Conny („Fortuna Major“). Es hatte schon ein wenig Vor-Buchmesse-Flair mit den Bloggerinnen an meiner Seite, noch dazu hat man sich so viel zu erzählen.

Der Ausstellungsraum ist nicht riesig, aber großartig aufgebaut. Optische Effekte heben Tschicholds Werke hervor und laden zum Mitdenken ein. Die Objekte nahmen mich sehr ein, genauso wie die Erläuterungen innerhalb der Führung. Sämtliche Ausstellungsstücke stammen aus den 176 Kartons (!) des Nachlasses von Tschichold, der dem Museum zur Verfügung gestellt wurde. Lasst euch die Zahl mal auf der Zunge zergehen, schließlich befindet sich darin fast ausschließlich beschriebenes Papier in jeglicher Form.

Ich erfuhr, dass Jan Tschichold jeden Entwurf aufhob und wenn er etwas zu einer Druckerei schickte, stand immer handschriftlich anbei, dass es dringend wieder zurück geschickt werden sollte. Klingt übertrieben, aber er konnte seine Entwürfe schlecht abspeichern oder mit dem Handy abfotografieren. Jeder Entwurf war zu dieser Zeit einzigartig und nicht so schnell bis gar nicht wieder herstellbar. Mir wurde bewusst, wie einfach das doch heute alles ist, wie schnelllebig und effizient. Ob das immer gut ist, ist natürlich eine andere Frage.

Die Wortneuschöpfung „elementare Typografie“ stammt von Tschichold. Er war Fan davon, Buchstaben in ihre einzelnen Elemente zu zerlegen und sie neu anzuordnen. Was herauskam? Innerhalb der Führung nannte man es „der bildgewordene Buchstabe“. Dass Tschichold zudem Fan vom Bauhausstil war, erwähnte ich bereits, daher empfand ich die ausgestellten Kombinationen sehr abstrakt, auch wenn die experimentelle Entstehung dieser Buchstabendesigns sicherlich ein hohes Maß an Wissen und Kreativität abverlangte.

Ich glaube, dass der Mann, der maßgeblich am Stil der Penguinbücher verantwortlich ist und die Serifenschrift „Sabon“ erfand, seiner Leidenschaft bis zum Schluss treu blieb. So viel Disziplin Wünsche ich mir manchmal auch.

Wohin gehen wir jetzt? In die „Magazine“?! Welche Lesesäle?

Nach der Führung durch die Ausstellung ging es quasi in die Schatzkammer: Die Magazine der DNB. Also zumindest in das Magazin, dass Tschicholds 176 Karton aufbewahrt. Wie kann ich das beschreiben? Es ist ein Ort mit vielen eng aneinander stehenden Regalen, die sich per Knopfdruck wie von Zauberhand öffnen, so dass ein Gang entsteht. Die Temperatur und Luftfeuchtigkeit ist so angepasst, dass die aufbewahrten Dokumente, Aufzeichnungen und Schriften erhalten bleiben. Sprich, es war relativ kühl. Ich fand es beeindruckend, stellt euch einmal die gesamten 136 Kilometer Regalfläche der DNB vor. Keine Ahnung, wie man den Überblick behält. Am Beispiel von Tschicholds Nachlass, den 176 Kartons, kommt noch hinzu, dass alles ordentlich archiviert, beschriftet und sogar digitalisiert werden muss. Eine Arbeit, die nicht nur Tage, sondern Wochen in Anspruch nehmen kann. Ich hebe den Hut vor den Mitarbeitern.

Bevor wir zu Käffchen und Kuchen übergingen, wanderten wir noch gemütlich zu den Lesesälen. Also, ich sage es mal so: Es ist für jeden etwas dabei und überall sind Bücher. Rundherum mit zusätzlicher Etage und ganz viel Platz. Einmal darin übernachten…Da geht das Bücherherzchen auf. Von Eiche rustikal bis zum Bauhausstil, dieses Säle laden dazu ein, produktiv zu sein, sich hinzusetzen, zu lernen, zu schreiben, zu lesen. Darin war es, als würde die Zeit still stehen und das war wirklich angenehm.

Ich nehme aus dieser Veranstaltung mit, dass sich ein Gang in die Deutsche Nationalbibliothek immer lohnt und ich ganz schön was verpasst habe. Außerdem kann ich jetzt damit prahlen, zu wissen, wer Jan Tschichold ist und wo sein Nachlass zu finden ist. Ich danke für diesen tollen Tag!

Liebe Grüße Tina (& Diego)

Quellen: https://de.wikipedia.org/; https://www.dnb.de und die mündlichen Informationen, die mir während der Führung zur Verfügung gestellt wurden. Ich hafte nicht für die hundertprozentige Korrektheit der Informationen, da es sich um einen subjektiven Erlebnisbericht handelt.

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