Montagsfrage vom 3. Februar 2020 – Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben? (Und muss er es sogar?)

Einen wunderschönen Wochenstart bookish People,

die erste richtige Februarwoche hat begonnen, der Jahresanfang ist also schon vorbei. Irgendwie fühlt es sich an wie die Ruhe vor dem Sturm. Vielleicht, weil mein Februar wahrscheinlich ruhiger wird. Keine großartigen Feiern, der Alltag bekommt wieder eine Routine, es herrschen klare Verhältnisse und die Buchmesse scheint noch in weiter Ferne. Ach ja, mir gehts richtig gut. Dafür stellt die heutige Montagsfrage mich vor eine richtige Herausforderung:

Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben? (Und muss er es sogar?)

Und schon erscheint mir vor dem geistigen Auge der Begriff „Own-Voice“. Es gab vor einigen Monaten eine riesige Diskussion auf Social Media & Co., ob AutorInnen wirklich darüber schreiben dürfen/sollen/können, was sie nie selbst erlebt haben. Ich habe es aufmerksam verfolgt, verstehe die Ursache und warum darüber diskutiert wurde, habe mich allerdings zurück gehalten, weil das eine schwierige Kiste ist.

Ich lese nicht nur „Own Voice“ – Geschichten, aber bin dankbar, wenn sie gut recherchiert sind und nicht nur an der Oberfläche kratzen. Solange sich AutorInnen intensiv mit der Thematik auseinandersetzen und dem klar ins Auge sehen, ist das für mich in Ordnung. Natürlich zeigt sich die Ansicht des Verfassers immer in irgendeiner Form, aber warum nicht? Ja, es kann zu abweichenden Darstellungen kommen, aber wer bestimmt denn, dass es falsch ist? Wer sagt denn, dass das völliger Humbug ist? Und wieso kann man das behaupten? Meinungen und Erlebnisse sind so bunt wie die Welt. Und wie gesagt, bei Romanen zu Themen wie Politik, Diversität oder einfach unserem blauen Planeten sollte auf jeden Fall gut recherchiert werden, wenn man nicht drin ist, über das man gern schreiben möchte.

Bei Fantasy- oder Abenteuerromanen spielt das natürlich auch eine Rolle, auch wenn hier der eigenen Fantasie keine Grenzen gesetzt werden. Für viele LeserInnen spielt die Logik darin doch eine große Rolle. Ich lese Abschnitte nicht gern zwei oder dreimal, weil mir ein Sachverhalt furchtbar suspekt erscheint.

Grundsätzlich antworte ich also mit ja. Ebenso wie ich mir Dinge vorstellen darf, die ich noch nie erlebt habe oder mir wünsche und zu denen ich trotzdem gern etwas sagen/fragen/feststellen möchte. Vielleicht verändert ein neuer Blickwinkel die Welt. Wer weiß das schon.

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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4 thoughts on “Montagsfrage vom 3. Februar 2020 – Kann ein Autor über etwas außerhalb der eigenen Erfahrung schreiben? (Und muss er es sogar?)”

  1. Liebe Tina,

    ich sehe das ganz genau wie Du!
    Sicher, es gibt Bücher, die sind schlecht recherchiert. Aber die gibt es in allen Bereichen. Dann ist es eben ein schlechtes Buch. Aber deswegen kann man nicht sagen, nun darf niemand mehr darüber schreiben, wenn er es nicht selber erlebt hat, nur weil einer ein schlechtes Buch geschrieben hat. Und nur weil man die Problematik selber erlebt hat, heißt es noch lange nicht, dass man ein gutes Buch schreibt. Denn gerade Betroffenen fehlt manchmal die nötige Distanz, um es als lesbare Geschichte zu verpacken.

    Ich denke, es gibt Bereiche, da gäbe es kaum ein Buch drüber, wenn nur Betroffene darüber schreiben dürften.
    Ja, ich sehe, warum manche dagegen sind. Aber die Welt der Bücher wäre sehr beschränkt und eindimensional, wenn es tatsächlich so wäre.
    Und einerseits heißt es, in Büchern soll Diversität drin vorkommen, andererseits soll man nicht über Minderheiten schreiben, wenn man dieser nicht angehört….

    Liebe Grüße
    Petrissa

    1. Liebe Petrissa,

      ob gut oder schlecht entscheidet wie so oft der leser bzw. die Leserin selbst.
      Ich finde auch das wir nicht eindimensional denken sollten, aber die Widersprüche dieser Welt werden nie versiegen.
      Wir verstehen uns 🙂

      Liebe Grüße
      Tina

  2. Huhu Tina 🙂

    Eine ganz schön knifflige Frage diesmal. Da ich nahezu auscchließlich Fantasy lese, habe ich mir darüber um ehrlich zu sein noch nie Gedanken gemacht. Ich sehe es allerdings genau wie du. Wieso sollte ein Autor / eine Autorin nicht über etwas schreiben, das er / sie selbst noch nicht erlebt hat. Wenn gut recherchiert wird ist das absolut möglich!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Hey Lisa,

      mir fiel das zunächst auch schwer eine Vergleich zu ziehen, aber ich schwenke manchmal doch zu dem ein oder anderen Genre.
      Inzwischen glaube ich, dass die meisten LeserInnen das genauso sehen, solange gut recherchiert wird.

      Liebe Grüße
      Tina

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