„Breakaway“ von Anabelle Stehl – Ein Debüt, dass für Abwechslung im NA-Bereich sorgt – Ich hatte Spaß, aber auch so meine Skepsis

Guten Abend bookish People,

und willkommen zurück auf unserem laufenden Blog! Nicht nur Celina arbeitet fleißig Rezensionen ab. Auch ich habe das ein oder andere Notizblatt liegen, das zu einer Rezi mutieren soll. Gestern Abend habe ich mir Anabelle Stehls Erstlingswerk vorgenommen. Mein Plan war eigentlich einen Reihenbeitrag zu machen mit 3 Kurzrezensionen zu jedem Band. Natürlich wäre der Beitrag später erschienen, aber wen störts? Tja, daraus wurde nix. Ich habe geschrieben und geschrieben und über zack entwickelte sich daraus ein Eigenleben mit einer einzelnen Rezension. Das war gar nicht so leicht für mich, da ich immer wieder das Gefühl hatte die gleichen Dinge gut, wie auch nicht so gut zu finden.

Freundschaft statt Einsamkeit, orientieren statt verlieben – und doch schlagen meine Gedanken kleine Wellen bei diesem Buch

Allgemein:

Anabelle Stehl ist eine bekannte deutsche Instagrammerin und Bloggerin im buchigen Bereich und veröffentlichte mit „Breakaway“ den 1. Band ihrer „Away“-Reihe im November 2020 beim LYX-Verlag. Dabei flüchtet die Protagonistin Lia Hals über Kopf nach Berlin. Sie hat ihre Gründe und will einfach nur weg, auf andere Gedanken kommen, das Getuschel und die Gerüchte nicht mehr hören. Mit dabei ist ihre Kamera, doch Zweifel nagen an ihr, ob sie das geliebte Gerät je wieder so kreativ nutzen kann wie früher. Allein und anonym in einer Großstadt, so ist ihr Plan, mehr nicht. Doch dann begegnet sie Noah, der es wagt, sie offen in Berlin zu begrüßen und ihr Herz fängt auf einmal an schneller zu schlagen, umso mehr Zeit sie dort verbringt.

Mein Bild:

Als ich hörte, dass Anabelle eine Reihe bei LYX raus bringt, überraschte mich das und sicherlich einige andere, die ihr folgen oder sie kennen, nicht. Es erscheint einfach logisch und meine Neugier war groß, ob „Breakaway“ überzeugen kann. Ich ging unvoreingenommen an das Buch, denn hallo, es ist ein Debüt. Nicht alles ist am Anfang perfekt. Das Cover verzückt mit typischen Pastellfarben und einem Straßennetz unser Hauptstadt Berlin, dass das Setting bereitstellte. Auf den ersten Seiten begrüßte mich der Hinweis einer Triggerwarnung, die auf Seite 450 zu finden ist und übrigens spoilert, was man meiner Meinung nach aber nicht hätte anders lösen können. Weiterhin beinhaltet das Buch eine Playlist, wie ich sie so oft in NA-Romanen finde. Nein, ich habe sie mir nicht angehört – die Idee an sich mag ich jedoch.

Die Kapitel wechseln in den Perspektiven der Protagonisten Lia und Noah, wobei Lia, meines Erachtens, mehr abbekommt. Mit ihr beginnt die Geschichte auch. In einer Hauruck-Aktion lässt sie alles stehen und liegen (Studium, Mitbewohnerin, Familie, Hobby) und flüchtet förmlich nach Berlin. Es war kurios, ich war ihr anhand ihrer Gedanken so nah, vor allem ihre eigentlich Liebe zur Fotografie und zum Film, die ihr anscheinend abhanden gekommen sind, beschrieb sie so bildlich und trotzdem fühlte ich mich ausgeschlossen. Sie verheimlichte die Gründe ihrer „Flucht“, ihre Probleme, immer, wenn sie darauf zusteuerte, brach sie ab. Und sie log wirklich oft. Ich hatte damit echt Probleme, weil das für mich ein No Go ist. Mir fiel es schwer, mich mit ihr identifizieren zu können, obwohl ich sie nicht unsympathisch fand. Ihre positiven Eigenschaften, sich zu überwinden, keck und für eine Überraschung gut zu sein, genauso, dass ihr Gewissen doch einsetzen kann oder sie Verletzlichkeit und Angst offen zeigt, fand ich klasse. Ich glaube, jeder kennt das, wenn unterdrückte Gefühle hoch kommen, positiv wie auch negativ und das passiert Lia genauso. Egal, wie sie sich wünscht, die Kontrolle zu behalten. Die Ursache ihrer Probleme versuchte ich mir als Leserin im Laufe der Geschichte zusammenzureimen, denn die Autorin wusste genau, dass Probleme einen immer einholen, selbst wenn es nur häppchenweise sein sollte. Ich weiß nicht mehr genau, wann ich einer Vermutung ins Auge sah, aber bis zum Finale der Geschichte war es noch ein Stück. Jedenfalls lag ich richtig. Die Auflösung fand ich gut, nur fast zu gut um wahr zu sein. Ein Zwiespalt, da Anabelle Stehl damit gleichzeitig Aufklärungsarbeit leistet. Ich würde gern mehr verraten, doch das spoilert einfach alles, also lass ich es.

Noah konnte ich nur mögen. Schon allein, wie er und Lia sich kennenlernten, welche Ideale er vertritt und wie viel Einfühlungsvermögen er zeigen kann. Ja, vielleicht ist er auf den ersten Blick ein bisschen zu perfekt aus meinem Blickwinkel betrachtet. Seine Perspektive lag mir offen vor. Keine unterdrückten Gedanken, kein Rätseln, was sein Problem ist, ich hatte den vollen Überblick. Ich freute mich, dass ich einen leichten Zugang zu ihm hatte. Zudem ist Berlin seine Homebase, so dass ich, im Gegensatz zu Lia, seinem bisherigen Leben gut folgen konnte. Mit der Zeit zeigte Noah dann Züge, die im Gesamtkonzept seiner Situation zwar passten, aber mich an andere Geschichten erinnerten: Traumatische Dinge, die bis heute nicht verarbeitet sind, Erfolgsdruck innerhalb der Familie, Verhaltensweisen, die gefährlich sein können. Ganz ehrlich, es gab dadurch einen Plottwist, der mir einen „WTF“-Moment gegeben hat, aber Lias Dilemma allein hätte ausgereicht, um die Handlung zu füllen. Noahs Situation zeige sich simpel gesagt überspitzt.

Gefühlsmäßig holte mich die Liebesgeschichte nicht ab. Ja, es gibt nachvollziehbare, tiefgehende Momente und ich empfand die Strategie wunderbar, dass die Beziehung sich mit vorsichtigen Schritten ihren Weg bahnt und ohne Absichten beginnt – Es machte Spaß, Lia und Noah bei der Entdeckung verschiedener Orte inner- und außerhalb Berlins zu folgen. Nur der Funke ist bei mir nicht übergesprungen. Vielleicht, weil mir andere Schwerpunkte mehr ins Auge fielen und thematisch andere Botschaften viel wichtigere und stärkere Rollen einnahmen.

Diversität und Offenheit bilden sich in „Breakaway“ vor allem durch die Gesamtkonstellation der Berliner Clique um Noah und Lia ab. Es erinnerte mich irgendwie an Laura Kneidls „Someone“-Reihe. Phuong und Daniel stachen dabei heraus wie bunte Schmetterlinge. Phuong ist eine junge, abgespacte und herzliche Person, die ich nur lieb gewinnen konnte. Alles andere würde sich falsch anfühlen. Daniel ist als bester Freund von Noah um keinen Spaß verlegen, zielt aber nie darauf ab im Mittelpunkt zu stehen. Zusammengefasst ist es eine Freundschaft, die nicht overdressed wirkt, trotz, dass beide Personen außergewöhnlich kreativ sind. Phuong in ihrem äußeren Erscheinungsbild und Daniel in seinem Beruf als Musiker. In wenigen Momenten überkam mich das Gefühl in einer TV-Serie dabei zu sein, weil es so ein cooles Bild abgab. In anderen Momenten wiederum erkannte ich Ähnlichkeiten mit meinen eigenen Erlebnissen im Freundeskreis.

Anabelle Stehl bindet das Setting sehr feingliedrig ein: Menschen, die im Gewimmel der Stadt zu beobachten sind, der blaue Himmel über einem Felsen, ein Hund, der sich im Garten um die Gäste bemüht. Es sind Kleinigkeiten, aber Kleinigkeiten auf die der Mensch Rücksicht nimmt und das hat Anabelle bedacht. Ihr Schreibstil bereitete mir am Anfang etwas Mühe. In meine Notizen schrieb ich „Schachtelsätze“ und dachte mir, wenn es so weiter geht, wird es langwierig. Nach kurzer Zeit und pfiffigen Dialogen verließ mich diese Sorge jedoch. Die Abwechslung ließ mich nicht los und machten manchen stockenden Satz wieder gut. Immer wieder befand ich mich mit den Protagonisten an anderen Orten und betrachtete verschiedene gesellschaftliche Themen, die Menschen entweder in die Enge treiben oder sie dagegen rebellieren lassen. Natürlich sind Klischees dabei, die trotzdem schnell in kleine Überraschungen umspringen können. Gerade dann, wenn ich denke, jetzt wird dies und jenes passieren, sieht es ganz anders aus.

Fazit:

Im deutschen New Adult – Bereich ist „Breakaway“ sicherlich eine Abwechslung, dass mit seinem deutschen Setting, seinen pfiffigen Handlungsideen, sympathischen Charakteren und einer wichtigen Message überzeugen kann. Trotzdem schwanke ich mit meiner Meinung in der Vielseitigkeit der Story.

3 von 5 Pfoten

Ich werde die Reihe übrigens fortsetzen, da die nächste Protagonistin bestimmt eine gute Story liefert.

Liebe Grüße Tina (& Leo)

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2 thoughts on “„Breakaway“ von Anabelle Stehl – Ein Debüt, dass für Abwechslung im NA-Bereich sorgt – Ich hatte Spaß, aber auch so meine Skepsis”

  1. Hallo liebe Tina 🙂

    Das klingt doch an und für sich nicht schlecht. Ich habe das Buch seit seinem Erscheinungstag auf meinem eReader, aber bislang hat mich der Hype ein bisschen davon abgehalten, die Geschichte zu lesen. Und jetzt erscheint bald schon Band 2 – ich sollte mich also langsam mal ranhalten 😀 Besonders das deutsche Setting finde ich doch recht erfrischend, es ist sicherlich schön, endlich mal eine Geschichte abseits vom amerikanischen Studentenleben zu lesen. Ich bin auf jeden Fall neugierig. Danke für deine ausführliche und ehrliche Rezension zum Buch!

    Liebe Grüße
    Lisa von Prettytigers Bücherregal (Blog & Instagram)

    1. Liebe Lisa,

      das klingt schon mal nicht schlecht ist gut.
      Ja, Anabelle hat schon was Gutes als Debüt raus gehauen, ausbaufähig ist es natürlich. Und ich denke, sie kann sich nur steigern.
      Fade Away kommt in wenigen Tagen raus. Hab ich noch gar nicht bestellt… Mal gucken.

      Viele Grüße
      Tina

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