Auf zum Tor der Welt oder auch „Willkommen beim LitcampHH“

Einen wunderschönen guten Abend meine Lieben,

die Zeit fliegt momentan nur so dahin und generell gestalteten sich meine 2 freien Wochen so viel abwechslungsreich wie schon lange nicht mehr.Ein Grund für die Abwechslung war vom 15. – 16. September 2018 das besagte LitcampHH. Bereits im Frühjahr stand für Sandra von „Piglet and her Books“ und mich fest, dass wir in die schönste aller Hansestädte fahren würden, um an diesem besonderen Barcamp teilzunehmen.

Barcamp – Was soll das sein?

Ganz simpel ausgedrückt, ist es eine „ungeplante“ Veranstaltung. Die Teilnehmer planen zu Beginn des Tages gemeinsam welche Ideen, Workshops, Diskussionsrunden oder Vorträge in sogenannten Sessions angeboten werden können. Jeder ist frei, eine Session zu halten oder sie einfach nur zu besuchen.

Freitag, der 14. September 2018 – Wir kommen

Nachdem Diego und ich eine Nacht nach unserem Urlaub im heimischen Bett verbringen dürften, hieß es gegen 9 Uhr ab in den ICE nach Hamburg. Wir hatten großes Glück ein 6er Abteil in der 1. Klasse für uns zu haben…Es fehlte nur noch die Süßigkeitenhexe… Sandra und ich hatten allerhand zu bequatschen und ohne Buch wäre sowieso keiner in den Zug gestiegen. Mittags in Hamburg angekommen, hatte Diego bereits seinen ersten Fan: Die Kellnerin eines Restaurants. So arrogant das jetzt klingt, aber ich wusste, sie wird nicht die Letzte sein, die seinem Charme verfällt.

Absolut überraschend war, dass die Ferienwohnung wirklich nur einen Katzensprung zur Speicherstadt und den Landungsbrücken entfernt lag. Für mich persönlich großes Kino, da ich die Architektur der Speicherstadt super faszinierend finde. Während Sandra ein Nickerchen abhielt, machten Diego und ich die Gegend unsicher. Bei unserem Glück begegneten wir später am Abend tatsächlich Jennifer von „Lesen in Leipzig“. Getreu dem Motto „Einmal gesehen und doch wiedererkannt“ gab es einen Friendly Hug an der Ruine der St. Nikolai (übrigens absoluter Geheimtipp am Abend, die Illumination ist der Wahnsinn). Nach einem kurzen Gespräch mit dem Versprechen sich am nächsten Tag beim Litcamp wiederzusehen, zog sie mit Anja, ebenso Bloggerin, davon.

Samstag, der 15. September – Tag 1 des Litcamps

Am Morgen machte sich Sandra, wie immer, über meine Morgenmuffellaune lustig. Leider hilft in der Beziehung nicht mal ein Gassigang mit Diego. Ich brauche einfach meine Zeit. Der Veranstaltungsort, die Kirche St. Katharinen, lag nur 10 Minuten zu Fuß entfernt (wieder ein Pluspunkt für die Lage der Ferienwohnung), so dass wir es jetzt nicht eilig hatten pünktlich 8:30 Uhr zum Frühstück dort zu sein. Den Kaffee hatten wir eh schon intus.

Gegen 9 Uhr trödelten wir dann in den Gemeinderäumen ein. Begrüßt von allerhand bekannten Gesichtern aus der virtuellen Social Media – Welt. Ich war am Anfang überfordert. Jeder wird mir zustimmen, wenn ich sage: Es ist einfach anders, wenn man mit denjenigen twittert oder ihnen auf Insta folgt und sie dann auf einmal live vor sich hat. Nichtsdestotrotz war die Begrüßung durch Bianca von „Literatouristin“ und Vera von „Chaoskingdom“ herzlich. Und es wurde an so viel gedacht: Namenskärtchen in unterschiedlichen Farben um zu erkennen, ob ich fotografiert werden möchte oder nicht. Dazu die Angabe, ob ich umarmt werden oder mit welchem Pronomen (er/sie) ich angesprochen werden möchte, Mittagessen, Kaffeepause und Helfer, die ein offenes Ohr hatten.

Das Kirchenschiff

Zack, nachdem das Namensschildchen klebte und Diego die ersten überraschten Blicke entgegennahm, ging es ab ins Kirchenschiff. Tja, ich war wirklich beeindruckt. St. Katharinen ist eine wahrhaft liebevoll restaurierte Kirche und ich danke allen Beteiligten, dass es möglich war, das Litcamp dort zu zelebrieren. Nun saß ich da, mit Diego auf dem Schoß, in einer Kirche, das hätte ich nie gedacht. Allerdings war das Podest ideal um Mareikes („Crow and Kraken“) erste Worte zu unterstreichen. Sie erklärte uns die Regeln, stellte ihr grandioses Team vor und den Ablauf der beide Tage.

Nenne mir doch 3 Hashtags!

Bei der Vorstellungsrunde bekam ich zu vielen Namen endlich das Gesicht. Doch war es keine „Hallo, i bims, die Tina von Buchpfote“ – Vorstellung. Nö, man sollte mal 3 für sich passende Hashtags aus dem Zylinder zaubern. Puh. Ich kann mich nur an 2 erinnern. Zum einen #FürMehrAustausch, da ich ihn oft auf Twitter benutze und zum anderen, da Diego unter dem Stuhl saß, gab es halt auf einmal #derHundsitztuntermStuhl. Kreativ muss man sein.

Kurz darauf ging es an die Sessionplanung. Jeder, der ein Thema vorstellen, diskutieren, besprechen, kreativ umsetzen oder sonst etwas wollte, schrieb es auf ein Kärtchen und stellte es kurz vor. Die interessierten Teilnehmer meldeten sich, um zu sehen, wie viele hingehen würden und so stand nach wenigen Minuten eine wirklich große Vielfalt an Sessions, die mich interessierten. Eine Session ging 45 Minuten. Zur gleichen Zeit konnten aufgrund der Räumlichkeiten 4 Sessions stattfinden. Hieß für Sandra und mich vor allem eins: Priorisieren. Wir hatten ja keinen Zeitumkehrer.

Sketchnotes, „Aus dem Leben einer Lektorin“, „How to make Rezensionen great again“

Im Endeffekt entschieden wir uns auf Anhieb für diese Sessions. Als Erstes ging es ab zu Anias „Sketchnote“- Vorstellung. Sketchnotes sind kleine Bilder, Markierungen, Zeichnungen, Unterstreichungen, um das geschriebene Wort hervorzuheben, es sich besser zu merken oder wichtige Dinge dahingehend sogar zu brainstormen. Für mich war die wichtigste Aussage „Du musst nicht zeichnen können, Hauptsache du erkennst es und kommst damit zurecht“. Kein Ding, kann ich, und zack fielen mir zu den simpelsten Notizen kleine Bildchen oder Markierungen ein. Es machte mir Spaß. Probiert es, aber lasst gestrichelte Linien weg! Ein toller Einstieg mit einem Sketchnoteheft als Giveaway.

Bevor es weiter ging, gab es Mittagessen. Lecker Chili, und zwar vegan. Dabei lernten wir Christina von „books n stories“ kennen. Sie ist wirklich eine Wucht. Christina, wir sehen uns in Frankfurt!

Die nächste Station wurde von zwei Dark Diamonds – Lektorinnen präsentiert. Sie erzählten uns von ihrem Arbeitsalltag, der nicht nur aus Lesen besteht. Ich habe gelernt, das Lesen nur ein kleiner Teil zwischen Social-Media, Autorengesprächen, Terminabstimmungen, Meetings, Marketingmaßnahmen usw. ist. Die Mädels haben alle Hände voll zu tun und jedes Manuskript, dass es ins Programm des Imprints schafft, hat bereits über die ersten 10% des Lesens überzeugt! Heftig, oder?

Das Thema der letzten Session war nicht neu. Rezensionen größer machen, mehr Beachtung schenken, anders schreiben etc., die Diskussion gab es schon oft auf Social Media oder Blogposts. Doch jetzt waren wir im real Life in einem Raum und unterhielten uns darüber. Ich fand es schwierig, mich dazu zu äußern. Kritisiert man „Standardrezis“, fühlt sich der ein oder andere auf den Schlips getreten. Schließlich ist es für jeden viel Arbeit. Daher fühlte ich mich vor allem als Zuhörerin und es tut immer wieder gut zu hören, dass man nicht die Einzige ist, die auch mal davor hängt und sich denkt „Wo fange ich jetzt an?“ oder ewig dafür braucht. Zusammengefasst wünschen wir uns alle mehr Originalität, nur muss man dazu auch mal seinen Schweinehund überwinden. Meiner Meinung nach kann man damit wochenlange Workshops füllen.

Danach ging nichts mehr. Keine der geplanten Lesungen oder sonst was. Sandra und ich waren mause…erledigt. Selbst Diego. Bett und Buch schrien nach uns. Natürlich gingen wir dem nach mit witziger Lektüre und noch witzigeren Kommentare während eines Twitterleseabends.

Sonntag, der 15. September 2018 – Wow, ist das viel Input

Der Samstag startete später und die Sessionplanung verging so schnell, dass ich gar nicht so schnell wach werden konnte. Grund dafür? Na?! Sonntag, Kirche, klingelts? Richtig, Gottesdienst. Und nicht, dass ihr lacht, die 1. Session, die wir besuchten, fand unter dem Glockenturm statt. Das hieß ab 10:45 Uhr Kling, Glöckchen, klingellingelling… 15 Minuten lang. Ich fand es toll, ehrlich. Das vergesse ich meinen Lebtag nicht. Diego sicherlich auch nicht, aber er schlug sich tapfer. Im Übrigen, hatte er bestimmt 5 neue Freunde beim Litcamp gefunden.

PoC, Blogger vs. Verlag, ein bisschen Giftmord und historische Korrektheit

People of Color in der Literatur. Zumindest dachte ich, es würde darauf hinauslaufen, doch diese Session lief persönlicher ab. Diskriminierung im Alltag, Klischees, der allgegenwärtige Kampf gegen Rassismus. Es wurde zum Erfahrungsaustausch in jegliche Richtung. Es öffnete mir einmal mehr die Augen und sensibilisierte mich darauf zu achten, offen zu sein und Menschen nicht in eine Schublade zu stecken. Ich gebe zu, das ist eine Lebensaufgabe, denn jeder ordnet einen Menschen irgendwo ein, selbst wenn es nur nach dem ersten Blick geht.

Diese Session hätte ewig laufen können, doch Regel ist Regel und es hielten sich alle daran. Also liefen wir zu den nächsten 45 Minuten von Luise („aufgeblättert“) und Jennifer („Lesen in Leipzig“). Die Zusammenarbeit zwischen Bloggern und Verlagen ist so eine Sache mit der ich mich nach wie vor zurückhalte. Dementsprechend waren Diego und ich hier ebenso Zuhörer. Es ging um Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit, die von beiden Seiten geschätzt wird, darum auch mal über den Schatten zu springen um neue Dinge auszuprobieren und sich nicht von unseriösen Angeboten einlullen zu lassen. Ich fand es interessant. Es war ein anspruchsvoller Austausch zwischen Bloggern, Autoren und Verlagsmitarbeitern.

Nach dieser Session verabschiedete sich Sandra wieder Richtung Leipzig und ich traf mich erneut mit Christina. Zur Hälfte bekam ich noch die Session „Giftmord, aber richtig“, mit. In dieser Session stellte Lena von „Büchernest“ die korrekten Methoden vor. Ähm, also, was wirklich giftig ist, denn sie ist die Pharmazeutin an Bord des Litcamps. Es war wahnsinnig interessant und mit Bildern unterlegt. Ich sage nur, esst nicht zu viel Mandeln!

The Last Session über „Historische Korrektheit“ in der Literatur hat mir eines beigebracht: Feel free, denn nicht alles ist belegbar. Man weiß schließlich nicht, ob es vielleicht nicht doch eine Frau in einer Machtposition gab, zu einer Zeit, in der es unmöglich gewesen sein soll…Ansonsten fühlten sich Autoren hier eher zu Hause als ich.

The Circle of Life & goodbye Hamburg

Den Feedbackbogen ausgefüllt, den letzten Kaffee getrunken, das Litcamp-Team mit Applaus verabschiedet. Danach hieß es für mich fertig machen! Nach so viel Input verdienten ich und Christina uns einen herrlichen Abend mit Musik, einer frischen Brise und vor allem Spaß. Ein schöner Abend mit einer solchen Begleitung. Danke Christina für die Gelegenheit und das gemeinsame Singen beim „König der Löwen“. So fiel mir der Abschied am nächsten Morgen nicht mehr ganz so schwer.

Ich und Diego bedanken uns bei den Organisatoren des LitcampHH. Es war euer 1. Litcamp und auch unseres. Abwechslungsreich, anstrengend, fröhlich, herzlich, offen und einmalig. Vielleicht sieht man sich ja nächstes Jahr wieder!

Na, wer hat jetzt Lust auf ein Barcamp?!

Liebe Grüße Tina (& Diego)

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