„Hawking“ von Jim Ottaviani & Leland Myrick – Mehr Wissenschaft als Mensch

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Einen wunderschönen Donnerstagabend liebste bookish People,

für mich ist heute Bergfest und ich muss sagen, meine zwei freien Wochen waren wohl zu erholsam für mich, denn ich bin jetzt schon richtig platt. Ok, vielleicht liegt es auch daran, dass ich 3 Tage lang mit einer Kollegin einen Workshop moderiert habe. das ist eindeutig anstrengender als das alltägliche Arbeitspensum, zumindest für mich. Aber ich will mich nicht beschweren, morgen sollte erstmal wieder normale Wahnsinn stattfinden.

Heute gibt es eine kleine Premiere, denn es folgt nun die Rezension meiner ersten gelesenen Graphic Novel. Ich will nicht sagen, dass ich mich bisher dagegen ausgesprochen habe oder so, aber mir reichen beim Lesen normalerweise die Bilder in meinem Kopf. Warum es jetzt ausgerechnet die Graphic Novel „Hawking“ geworden ist, kann ich euch auch nicht sagen. Ich war einfach neugierig drauf.

Ein Mann, dessen Gedankenwelt wohl nie komplett erfasst werden kann

Allgemein:

Stephen Hawking war einer der populärsten Wissenschaftler der Welt. Er beschäftigte sich sein Leben lang mit der theoretischen Physik und versuchte den Fragen des Universums auf den Grund zu gehen. Zudem versuchte Hawking sein Wissen so einfach wie möglich weiterzugeben. Sein Bestseller „Eine kurze Geschichte der Zeit“ spricht jedenfalls dafür. Nun erschien Hawkings Biographie erstmals als Graphic Novel im Rowohlt-Verlag. Der Autor Jim Ottaviani und der Illustrator Leland Myrick erschufen mit „Hawking“ einen anderen Blickwinkel auf den Wissenschaftler.

Mein Bild:

Ich erinnere mich noch gut daran, dass ich Stephen Hawking bereits als Kind in den Nachrichten sah. Ich fand es verblüffend, wie er Bücher schreiben konnte trotz seines riesigen körperlichen Handicaps. Zudem verstand ich damals nicht wirklich, mit was sich der gute Mann beschäftigte. Vor 2 Jahren sah ich dann den Film „Die Entdeckung der Unendlichkeit“. Diese Darstellung von Hawkings Lebensgeschichte traf mich wirklich emotional. Nicht nur er war der Kämpfer, auch alle anderen Menschen, die mit ihm zu tun hatten. Allerdings konnte ich mich nie dazu durchringen, seine Bücher zu lesen.

Zumindest bis dieses gut duftende Hardcover aus dem Rowohlt-Verlag vor mir lag. Das Lesebändchen in die 300 Seiten geklemmt, blätterte ich durch die zahlreichen Panels des Buches, die mit Stephen Hawkings Zustimmung entstanden sind. Ja, richtig, er wusste davon! Leider verstarb er 2018, so dass er die Graphic Novel nie zu Gesicht bekam. Zudem möchte ich betonen, dass sich Autor und Illustrator auch die ein oder andere Freiheit nahmen, um Dinge oder gar Personen zusammenzufassen und Details im Setting eher grobschlächtig zu behandeln (Welche Frau würde vor der Klagemauer ein kurzes schulterfreies Kleid tragen?).

Nichtsdestotrotz führte mich Stephen Hawkings Ich-Perspektive durch die Seiten. Ich glaube, gespürt zu haben, dass ein Teil seines Charakters durch die Worte zu mir rüber schwappten: Sarkasmus, Wortwitz, die Leidenschaft über Teilchen, „Schwarze“ Löcher oder das Universum zu philosophieren, aber auch seine kühlere Art, wenn es um private Angelegenheiten ging.

Die Bilder unterstützten meine Einschätzung dahingehend sehr. Hawking lebte mehr in seiner als in der realen Welt. Mimik und Gestik der dargestellten Personen empfand ich als grob und kantig. Für mich zu wenig, um zu den gesprochenen Worten die Gefühle zu erkennen. Auch farblich glichen sich die Bilder oft. Der Illustrator hielt sich an Grundfarben wie grün blau oder rot, lediglich bei historischen Ausschnitten, zum Erklären wissenschaftlicher Theorien, bediente man sich einem „Sepia“-Ton.

„Hawking“, S. 112 -113, Rowohlt

Die Handlung selbst orientiert sich stark an der Chronologie des Wissenschaftlers. Geburt, Schulzeit, Studium, wann hatte er welche Ideen, Thesen oder Schriften entwickelt, inklusive vieler Skizzen, Diagramme und Erklärungen, in der Hoffnung, dass ich als Leser das Ganze verstehen würde. Sorry, das hat nicht funktioniert. Für Menschen, die sich für Physik und Astronomie interessieren muss das ein wahrer Schatz sein, für mich war es stellenweise zu langatmig, weil die Wissenschaft immens viel Platz einnahm.

Mir fehlte ein Großteil seines Privatlebens. Dieser Part wurde punktuell abgehandelt ohne viel ins Detail zu gehen. Beispielsweise wurde nicht einmal der genaue Begriff seiner Krankheit genannt. Ebenso ging sein Familienleben unter. Im Endeffekt glaube ich, dass Hawking aber genauso war. Er vernachlässigte sein Privatleben, ließ seiner Krankheit wenig Chancen ihn zu behindern und liebte seine Arbeit. Von dieser Seite betrachtet, ist die Graphic Novel definitiv gelungen. Jedoch vermisste ich persönlich den Menschen Stephen Hawking zu sehr. Meine Highlights bestanden vor allem daraus, dass man Hawkings Wissensdurst und Leidenschaft oft unterschätzte, so dass sich die Reue darüber erst spät einstellte. Schlussendlich ist es schwierig Stephen Hawkings Leben auf so wenige Seiten zu brennen, keine Frage.

Fazit:

Mal eine etwas andere Biografie über den populären Wissenschaftler Stephen Hawking. Für LeserInnen, die sich gern mit den wissenschaftlichen Aspekten Hawkings kompakter beschäftigen möchten und dabei einen Hauch seines Charakters wahrnehmen wollen.

3 von 5 Pfoten

Was sagt ihr zu biographischen Graphic Novels? Werden sie der Person gerecht, um die es geht? Oder ist euch das zu wenig?

Liebe Grüße Tina (& Diego)

*Das Buch wurde mir kostenfrei vom Verlag als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Meine Meinung bleibt davon unbehelligt.

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2 thoughts on “„Hawking“ von Jim Ottaviani & Leland Myrick – Mehr Wissenschaft als Mensch”

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