„Dornengrab“ von Aikaterini Maria Schlösser – So eine Novelle hätte ich mir in der Schule gewünscht

Hallo zusammen,

es ist Rezensionszeit. Heute einmal ganz ungewöhnlich: Ein Objekt aus dem Selfpublishing-Bereich und noch dazu eine Novelle. Lest ihr solche kurzen Geschichten? Wenn ja, welche haben euch beeindruckt und warum?

Eine Novelle ist recht kompakt und es dreht sich normalerweise nur um ein Ereignis, dessen Konflikt zwischen Ordnung und Chaos schwankt. Dazu hält man sich an klare Strukturen und ein Leitmotiv. Das klingt jetzt einfach, aber ich stelle es mir schwierig vor, beim Schreiben solch einer Novelle nicht abzudriften. Wer sich jetzt fragt, woher ich das weiß: wikipedia.org. Mein Schulwissen hat sich dahingehend doch verflüchtigt. Entschuldigt das bitte.

Nun denn, hier meine Rezension:

Schaurig und grausam vor einfacher historischer Kulisse

Allgemein:

Die historische Novelle „Dornengrab“ erschien im Mai 2018 und wurde durch die Autorin Aikaterini Maria Schlösser selbst veröffentlicht. Inhaltlich begibt sich der Leser in die Zeit des Spätmittelalters und begleitet den angehenden Kaufmann Hartmuth, der vor drei Tagen seine Geliebte tötete. Doch nun taucht völlig unverhofft das Zeichen das gemeinsame Zeichen auf: Eine weiße Rose. Wie gelangt diese zu ihm? Weiß jemand von dem Mord? Wer will Hartmuth damit unter Druck setzen? Oder wird er allmählich verrückt?

Mein Bild:

Die Autorin Aikaterini Schlösser hat mich selbst über eine Leserplattform kontaktiert und mir ein Rezensionsexemplar zukommen lassen. Vielen lieben Dank dafür. Optisch ist es ein kleines, düster erscheinendes Büchlein, dessen Seiten teilweise mit künstlerischen Illustrationen ansprechend gestaltet sind. Für mich war das Lesen einer Novelle ungewohnt. Den Begriff kannte ich nur noch aus Schulzeiten. Dementsprechend war ich gespannt, was mich erwartet. Ohne Einführung befand ich mich im Worms des 14. Jahrhunderts bzw. mitten in der Stube des, in eine Kaufmannsfamilie eingeheirateten, Hartmuths. Ein Mann so bildhaft beschrieben, dass ich ihn mir sehr gut vor meinem geistigen Auge vorstellen konnte. Hartmuth ist eiskalt und hat sich mit Hilfe seines makellosen Aussehens aus der Gosse gekämpft. Er will dieses Leben mit allen Mitteln erhalten, würde sogar über Leichen gehen. Und genau hier entsteht der, für die Novelle, typische Konflikt zwischen Ordnung und Chaos. Denn er tötet aus Angst, um das privilegierte Leben, seine heimliche Geliebte und gibt ihr eingangs sogar noch die Schuld dafür. Hätte sie ihn nicht unter Druck gesetzt, wäre das nie passiert. Was für ein Scheusal. Die Autorin brachte die Einstellung des Protagonisten in sehr überzeugenden Worten zu Papier. Jedoch lässt ihn die Tat nicht los, denn das gemeinsame Symbol, die weiße Rose, taucht urplötzlich aus dem Nichts auf. Weder der Leser noch Hartmuth wissen, woher die plötzlich auftauchenden Rosenblätter in seinem Geldbeutel oder gar eine ganze Ranke an am Türrahmen kommen. Der Plot entwickelt eine rasante Dynamik, die sich darauf konzentriert herauszufinden, wer dem Protagonisten solche „Streiche“ spielen könnte. Es war wirklich spannend und szenisch mit einem gewissen Gruselfaktor dargestellt. Der Schreibstil war einfach zu verstehen, sehr detailliert, aber nie langweilig. Im Zuge dessen fängt Hartmuth allmählich an die Kontrolle zu verlieren und zweifelt an der an seiner Entscheidung Elsslin das Leben genommen zu haben. Schlussendlich war Hartmuth gefangen in einem Strudel aus Reue, Trauer und dem Erhalt seiner Macht. Ich wurde förmlich hin- und hergerissen und hielt ihn mehr und mehr für einen verrückten Typen, der einen Angst machte.  Ich fand schade, dass der Ausgang der Novelle vorhersehbar war und mir fehlte persönlich der längere Kontakt mit anderen Charakteren, um eine weitere Perspektive zu erhalten. Zwar zauberte die Autorin eine Schenkensituation mit gut beschriebenen Gästen herbei, aber so schnell wie diese da gewesen waren, waren sie ebenso wieder verschwunden. Es hätte der mittelalterlichen Atmosphäre bestimmt keinen Abbruch getan, das noch etwas mehr auszunutzen.

Fazit:

Man fliegt förmlich durch diese kurze Geschichte. Meine Empfehlung für Leser, die sich einen schaurigen Kurztrip vor einfacher historischer Kulisse wünschen.

4 von 5 Pfoten

Viele Grüße Tina (& Diego)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.