Hallo meine Lieben,
da war sie schon wieder einige Tage um, die Leipziger Buchmesse. Vom 27. bis 30. März sollte meine Heimatstadt das Buch in den Vordergrund stellen. Natürlich habe ich mir Urlaub genommen und bin hingegangen. Mein anberaumtes Ziel alle 4 Tage dabei zu sein, klappte jedoch nicht, weil ich nach 3 Tagen ausreichend Messe für mich intus hatte.
Lt. der Pressmitteilung lockte die Messe 296.000 Menschen an. Ein neuer Besucherrekord. Da Leipzig im Gegensatz zu Frankfurt eine reine Publikumsmesse ist und dieses Mal wohl einige den berühmt-berüchtigten übervollen Samstag im Hinterkopf hatten, gab es bereits Donnerstag und Freitag, für mich gefühlt, mehr Besuchende.

Es war der absolute Wahnsinn, bereits morgens die Warteschlangen vor den Eingängen zur Messe beobachten zu können. Ich sah vom Pressezentrum aus nicht mal mehr ein Ende und das wurde am Samstag noch verrückter. Wer sich auf Social Media herumtreibt: Es gibt etliche Reels, Videos und Bilder, die zeigen, wie viele hundert Meter lang die Wartenden standen. Wer pünktlich 10:30 Uhr die ersten Programmpunkte besuchen wollte, hatte eindeutig ein Problem, wenn man erst 1-2 Stunden später die heiligen Hallen betreten konnte. Keine Ahnung, wie die Messe dieses Problem zukünftig angehen wird. Ich danke für das Privileg als Bloggende, auch dieses Jahr über den Pressebereich die Messe betreten zu haben. Für mich war nur die Anfahrt mit dem Auto etwas nervig, daher bin ich immer recht früh da gewesen, um nicht ewig im Stau zu stehen.
Das Programm sprach mich dieses Jahr sehr an. Da ich weder Blogger-, noch Verlagstermine hatte, konnte ich meiner Merkliste in Großem und Ganzen nachgehen. So dass ich Donnerstag bereits kurz nach 10 Uhr bei der Bücherbüchse das erste Buch gekauft hatte und pünktlich 10:30 Uhr bei der Lesung zu „Die Gemäldespringerin“ von Sarah-Maria Köpf saß. Sarah kenne ich schon seit einigen Jahren durch das Bloggen. Es freut mich, dass sie ihr Debüt letztes Jahr veröffentlichen konnte und noch weitere Bücher folgen werden. Der Start in den ersten Messetag konnte sich also sehen lassen und die weiteren Tage sollten ähnlich laufen.

Zu meinen persönlichen Highlights zähle ich die Lesung von Marah Woolf, die aus dem noch nicht erschienenen 3. Band der Zodiac-Chronken gelesen hat und die Lesung des Game of Thrones – Hörbuchsprechers Stefan Kaminski, der vollen Einsatz und Vielseitigkeit zeigte. Sehr gut kam, nicht nur bei mir, der neue Audiobereich an. Es gab dort einzelne Zonen mit Kissen und anderen Sitzmöglichkeiten, in denen man Hörbüchern lauschen konnte. Wirklich toll.
Die großzügige Verteilung der Verlage und beliebter Merch- oder Buchhandlungsstände zeigte Entlastung. Natürlich gab es Warteschlangen bei Bücherbüchse & Co., genauso wie die Stände beliebter Publikumsverlage ständig voll waren, aber ich kam durch die Gänge und konnte ohne Probleme von einer in die anderen Halle wandern. Das kannte ich schon anders!
Ich hatte das Gefühl, dass ich auf der Messe nun live beobachten konnte, wie der TikTok-Hype um Romance, Romantasy, ja, der ganzen NA-Sparte, die Leute wieder zum Lesen brachte. Die Zahlen, Daten und Fakten dazu zeigten es bereits, aber die Organisation und die Größe der Stände, die genau diese Genres ansprachen, bildeten nun die Optik dazu. Wohlbemerkt auch im Rahmen des Genres Dark Romance. Ich sehe es nach wie vor kritisch, dass auch Minderjährige diese Bücher lesen. Und wenn meine Augen sich nicht getäuscht haben, standen etliche davon in den Warteschlangen der Stände von J.S. Wonda & Co. an.
Das neue Forum „Mensch und KI“ zeigte in einzelnen Programmpunkten, wie sich die technische Entwicklung in der Buchbranche auswirkt. Ich persönlich sah mir nur eine Session an, in der es sich vor allem um das Urheberrecht drehte und wow, der erschaffende Mensch hat so verloren gegen eine Lobby, die auf Tec-Konzerne aufbaut. Wenn ich es richtig verstanden habe, gibt es keine aktuell umsetzbare, globale Handhabe, sich zu wehren, wenn das Urheberrecht durch eine KI bzw. deren Nutzung verletzt wird. Der AI-Act der EU beispielsweise beschreibt dafür noch nicht die notwendigen Werkzeuge. Rein theoretisch könnte sich eine KI in ihrer globalen Suche aus dem Netz auch meine Texte nehmen, um sie zu nutzen. Tja, und ich würde es nicht mal merken, weil mich ja auch keiner um Erlaubnis fragt.
Wie jedes Jahr freute ich mich besonders auf die Begegnungen. Vor allem mit anderen Bloggenden. Über die Jahre etablierte sich für mich eine bestimmte Gruppe an Bloggenden, die besonders den Blog als Homepage ihr Hauptmedium nennen und Social Media an zweiter Stelle steht. Nennt es Old School, altertümlich und dem Zeitgeist hinterher. Es ist die eigene schöpferische Arbeit, die genau an diesem Ort stattfindet und bei dem kein Algorithmus die Anzeige des Beitrages bestimmt. Jedenfalls habe ich den Austausch, egal wie kurz oder lang, sehr genossen. Es ist so schön, selbst mit unterschiedlichem Lesegeschmack. Uns verbindet das Buch und das Bloggen. Mich motivieren diese Treffen zudem, dabei zu bleiben. Denn ich bin nicht die Einzige, die nicht auf die Zahlen ihrer Abonnenten, Follower oder Kommentare schaut und sich trotzdem manchmal fragt, ob es nicht einfach ausreicht nur zu lesen anstatt zusätzlich noch darüber zu bloggen. Tja, es verbindet, deswegen machen wir das. Und weil es Spaß macht, wenn man einmal vor dem Text sitzt und in den Flow des Bloggens kommt.
Für Bloggende veranstaltete die Leipziger Messe in ihrem Blogger-Room „Bloom“ dieses Jahr einige Gesprächsrunden und Lesungen, für die man sich vorab anmelden konnte. Eine exklusive Idee, die Zuspruch fand. Ich mochte den kleinen Rahmen und die Möglichkeit mit anderen Bloggenden, wenn man denn wollte, ins Gespräch zu kommen. Allerdings musste ich zugeben, dass ich in der Romance-Veranstaltung, die ich besuchte, vermutlich mit Ende 30 den Altersdurchschnitt etwas hob. Sei es drum.

Ich hatte außerhalb des Messegeländes eigentlich zwei Abendveranstaltungen geplant. Doch mein eigener Fehler beim Ticketkauf warf alles über den Haufen. Normalerweise wollte ich am Donnerstag die Lesung von Eckart von Hirschhausen im Zoo Leipzig und am Freitag die Lesung von Stefan Kaminski aus „Das Lied von Eis und Feuer“ im Völkerschlachtdenkmal besuchen. Tja, fragt mich nicht, wie das passieren konnte, aber ich hatte dann ein Ticket für die Abendveranstaltung am Freitag im Zoo… „Das Parlament der Natur“. Darin ging es hauptsächlich darum, was man aus der Natur lernen und in die Politik nehmen kann. Interessant ja, aber auch deprimierend. Im Endeffekt lief es darauf hinaus, dass der Mensch die Natur zerstört und damit den einzigen Lebensraums, den wir haben. Die Lösungsideen sind bekannt, die Probleme, warum diese nicht umgesetzt werden aber auch. Es war nicht meins und ich glaube, dass einige Besuchende das Thema völlig falsch verstanden haben, da auch Familien mit Kindern anwesend waren und das war thematisch nichts für Kinder – meine Meinung. Mal abgesehen davon, dass anteilig englisch gesprochen wurde. Lediglich die Möglichkeit, vorab bei Dämmerung einen Rundgang durch das Gondwanaland, also die riesige Tropenhalle des Zoos, machen zu können, wertet die Veranstaltung in meinen Augen im Nachgang auf.
Samstagabend saß ich dann auf meiner Couch, drei neue Bücher aufm Tisch (ich hab mich wirklich zusammengerissen), der Ansicht, dass die Messetage für mich ausreichten und ein gutes Gefühl hinterließen. Es war mir wieder ein Fest. Hoffentlich bis nächstes Jahr.
Liebe Grüße Tina (& Leo)